Landau
Landau: Juwelier Rehn besteht 150 Jahre
2019 ist ein besonderes Jahr für den Landauer Juwelier Rehn: Das familiengeführte Geschäft gibt’s nun bereits seit 150 Jahren. Inhaberin Ute Weilacher blickt frohen Mutes in die Zukunft. Auch die Uhrmacher-Tradition soll fortgesetzt werden.
Begonnen hat vor über 150 Jahren alles mit Goldschmiede- und Uhrmacherhandwerk: Carl-Emil Rehn eröffnete am 1. September 1869 sein Juweliergeschäft an der Ecke Kronstraße/Gerbergasse. Dort ist der Juwelier Rehn bis zum heutigen Tag zu finden. Dazwischen liegen zwei Weltkriege und vier Inhaberwechsel – die Tradition wird aber auch künftig fortgesetzt, berichtet Inhaberin Ute Weilacher. Denn ihr jüngster Sohn Tim absolviere derzeit eine Lehre zum Uhrmacher, Kaufmann sei der 21-Jährige bereits.
Ute Weilacher, Mutter von zwei Söhnen, lenkt die Geschicke des Juweliers nun als Vertreterin der vierten Generation. Sie führt in den Raum, in dem früher die großen Standuhren feilgeboten wurden. Nun ist dort eine gemütliche Hochzeitsecke eingerichtet, in der angehende Ehepaare in aller Ruhe ihre Trauringe aussuchen können. „Verlobungsringe und Antragsringe sind derzeit wieder in Mode“, sagt die 52-Jährige. Es gebe aber auch gute Gründe, die Tradition nicht ruhen zu lassen. „Auch wenn Stand- und Pendeluhren nicht mehr im Trend liegen, so gibt es doch in vielen Familien erhaltenswerte Erbstücke, die gewartet und gepflegt werden wollen.“ In dieser Nische will Tim Weilacher mit seiner feinmechanischen Ausbildung der Mutter künftig zur Seite stehen. Denn Ute Weilacher, die selbst nach der Lehre zur Einzelhandelskauffrau auch das Goldschmiedehandwerk erlernt hat, setze auf Nachhaltigkeit.
Neben dem Verkauf von Schmuck für künftige Traupaare reparieren und warten Weilacher und ihr Team auch hochwertige Taschen- oder Armbanduhren. Diese dienen traditionell als Kommunions- oder Konfirmationsgeschenke. Diese würden von vielen Besitzern ein Leben lang in Ehren gehalten und brauchten regelmäßig Wartung und Pflege. Weilacher selbst macht gerne Schmuck der älteren Generation, wie Omas Ring oder Mutters Armband, für die Jüngeren tragbar – diese Anpassungen seien ihr ein Anliegen. „Nach vielen Jahren, in denen Trendmarken gefragt waren, legen die Kunden wieder mehr Wert auf individuellen Schmuck“, freut sich die Goldschmiedin. Doch auch in diesem Bereich sehe sich Rehn mit der Konkurrenz im Netz konfrontiert. Wie wehrt sich ein Juwelier dagegen? Weilachers Antwort: Durch fachgerechte persönliche Beratung sowie zuverlässigen und schnellen Service. Dazu brauche man kompetentes Personal, dass sich Rehn teilweise selbst heranziehe: Von acht überwiegend langjährigen Mitarbeitern hätten fünf bereits im Hause Rehn ihre Ausbildung absolviert. Mitarbeiterin Renate Staudt beispielsweise ist dem Geschäft seit 54 Jahren treu. Sie könne auch mit 68 Jahren noch nicht nur zu Hause rumsitzen und freue sich ebenso wie ihre Chefin jedes Mal, wenn die Erfüllung eines individuellen Wunsches einen Kunden glücklich macht.
Das Juweliergeschäft Rehn wurde während des Zweiten Weltkriegs zerstört. Die beiden Söhne von Gründer Carl-Emil Rehn, Carl und Ludwig Rehn, bauten das Gebäude nach 1945 im Stil der damaligen Zeit wieder auf. Auf das Duo folgten nur noch Frauen in der Leitung des Familienunternehmens: Gretel Rehn übernahm in der dritten Generation den kaufmännischen Part, ihr Gatte Richard Maußhardt war eigentlich Architekt und hat der Liebe zu seiner Angebeteten wegen Uhrmacher gelernt. Nachdem deren Sohn Karl bei einer Jagd ums Leben kam, war es Weilachers Mutter Dorle Postleb, die das Geschäft weiter führte. Mit Tim Weilacher steht nun die fünfte Generation bereit, die das Familiengeschäft in die Zukunft führen will, sagt die 52-jährige Weilacher. Aber dafür bleiben ja noch ein paar Jahre Zeit.