Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Landau: Hofmeister gibt weitere Filialen ab

Am Produktionsstandort auf der Wollmesheimer Höhe in Landau hat Hofmeister einen Back-Shop.
Am Produktionsstandort auf der Wollmesheimer Höhe in Landau hat Hofmeister einen Back-Shop. Foto: van

Der freundliche Bäcker mit dem Baguette unter dem Arm, der das Logo von Hofmeister am Produktionsstandort auf der Wollmesheimer Höhe prägt, zieht sich immer mehr zurück. Der Insolvenzverwalter sucht nach einem Partner.

Die Landauer Unternehmensgruppe Kissel, die mit Hofmeister an mehreren Standorten kooperiert, wagt sich auf Neuland, nachdem die 1949 gegründete Bäckerei Hofmeister ins Trudeln geraten ist. „Wir mussten reagieren“, sagt Pressesprecherin Christin Arto auf Anfrage der RHEINPFALZ. Kissel möchte eine eigene Bäckerei aufbauen. „Wir haben die Expertise im Haus“, betont Arto und meint Bäcker, die bislang nicht in ihrem ureigenen Metier gearbeitet haben. Außerdem sucht das 90 Jahre alte mittelständische Unternehmen für die „Kissel Bäckerei“ in Landau ab sofort Verkäufer.

Deren neuer Arbeitsplatz soll ab 6. Januar die Backtheke im Foyer des großen SBK-Marktes in der Johannes-Kopp-Straße am neuen Messegelände in Queichheim sein. Nach dem umfangreichen Umbau des SBK-Marktes hatte Hofmeister dort vor vier Jahren den Backshop „Crusteo“ eröffnet. Die Hofmeister-Geschäftsführer Tim und Steffen Bauer hatten auf ein neues Konzept gesetzt: „Brotgenuss über den Krustenrand hinaus“. Der Shop bietet 70 Sitzplätze. Nun ist Schluss dort mit Hofmeister-Bäckerpizza, Sandwiches und hausgemachten Limonaden – Hofmeister wollte „traditionelles Handwerk in die Zukunft führen“, wie damals geworben wurde.

Von 123 auf 85 Filialen

In der Branche wird viel gemunkelt, was die Chancen der Großbäckerei angehen, die seit Oktober im Insolvenzverfahren ist. Fakt ist: Von den 123 Filialen zum Zeitpunkt des Insolvenzantrags sind 85 geblieben. Stand 20. Dezember. Das teilt Pietro Nuvoloni, Geschäftsführer des Medienberaters Dictum Media in Köln, auf Anfrage der RHEINPFALZ mit. Nuvoloni arbeitet im Auftrag des Insolvenzverwalters Johannes Hancke von der Kanzlei Lieser in Mannheim.

Die nicht profitablen Filialen hätten unmittelbar nach dem Insolvenzantrag geschlossen werden müssen, informiert Nuvoloni. Dazu habe es sowohl wegen des erheblichen Personalmangels als auch aufgrund der Verlustsituation einzelner Filialen keine Alternative gegeben. Die Zahl der aktuell Beschäftigten habe sich im Insolvenzverfahren nicht wesentlich geändert, abgesehen von einer normalen Fluktuation, so Nuvoloni. Hofmeister hatte von 676 Mitarbeitern gesprochen.

Auch in Neustadt sind Hofmeister-Filialen betroffen. Seit Längerem geschlossen ist der Laden in der Konrad-Adenauer-Straße. Vor den Weihnachtstagen kurzfristig dicht gemacht wurde der Back-Shop auf der Hambacher Höhe – notgedrungen wegen des „hohen Krankenstandes“, wie der Insolvenzverwalter berichten lässt. Hofmeister hat in Neustadt fünf weitere Verkaufsstellen.

Reuther übernimmt

Die Mitarbeiterinnen der Hofmeister-Filialen im SBK-Compakt im Horstring in Landau, dem Markt „Nah und Gut“ in Godramstein und im SBK in Edenkoben behalten ihre Arbeitsplätze, auch wenn der Inhaber wechselt. Jens Reuther, mittelständischer Bäcker mit Sitz in Lustadt, übernimmt diese drei Filialen von Hofmeister zum 6. Januar.

Reuther gesteht unumwunden zu, von den Hofmeister-Turbulenzen profitiert zu haben. Schließlich wird der Markt neu aufgeteilt, wenn einer schwächelt oder ausscheidet. Der Markt sei hart umkämpft, betont Reuther, „die Backwarentheken bei Aldi werden ja nicht kleiner“. Das Angebot an frischen Brötchen und Teilchen in den Discountern gibt auch Hofmeister als einen der Gründe an, warum die Umsätze gesunken seien. Bei Aldi, Lidl & Co werden angelieferte Teiglinge aufgebacken. Das gibt es übrigens auch beim SBK im Gewerbegebiet; es soll vorerst so bleiben, sagt Christin Arto.

Jens Reuther betreibt heute 18 Filialen und zählt 180 Mitarbeiter. Ab Januar werden es drei Filialen und 20 Leute mehr sein. Vom Kuchen Südpfalz naschen auch die Ludwigshafener Großbäckerei Görtz und der Edenkobener Bäcker Becker.

Suche nach frischem Geld

Nachdem Hofmeister sich zum 1. Dezember aus dem Café Klimt im Ostring verabschiedet hat, betreibt das Unternehmen noch das Café Kuntz in der Marktstraße in Landau. Wie geht es dort weiter? „Wir stehen in Gesprächen und Verhandlungen mit dem Vermieter“, verlautbart Medienberater Nuvoloni und bittet um Verständnis, dass man sich erst äußern werde, wenn die Faktenlage klar sei.

Der Investorenprozess zur Suche eines starken Partners für die Hofmeister Brot GmbH laufe unter der Bedingung der Verschwiegenheit ab und sei nicht abgeschlossen. Nach möglichen Restrukturierungen gefragt, lässt der Insolvenzberater mitteilen, dass er bereits sehr früh Maßnahmen umgesetzt habe. „Im Vordergrund der Restrukturierung steht aber letztlich der Verkauf von Hofmeister Brot an einen Investor oder der Einstieg und die Beteiligung eines Investors, der für die weitere Entwicklung der Bäckereikette frisches Geld einbringen würde.“

Die Backtheke im Landauer SBK-Markt am Messegelände wird ab 6. Januar keine Hofmeister-Produkte mehr anbieten.
Die Backtheke im Landauer SBK-Markt am Messegelände wird ab 6. Januar keine Hofmeister-Produkte mehr anbieten. Archivfoto: Iversen
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