Landau Landau: Hochwasservorsorge soll bei Starkregen Schäden verringern

Wasser flutet die Reiterstraße in Landau nach einem Starkregen am 11. Juni 2018. Feuerwehr und Technisches Hilfswerk hatten viel
Wasser flutet die Reiterstraße in Landau nach einem Starkregen am 11. Juni 2018. Feuerwehr und Technisches Hilfswerk hatten viel zu tun. Es sei nicht Aufgabe der Wehr, Keller leerzupumpen, betont Stadt-Feuerwehrinspekteur Dirk Hargesheimer, der Bürger habe eine Eigenverantwortung.

Erinnern Sie sich an die Sintflut in Landau? Genau genommen waren es zwei Sintfluten in der Innenstadt. Eine am 11. Juni 2018 und die andere nur wenig später am 21. Juli. Die Schäden waren immens. Um die Lage im Fall der Fälle besser im Griff zu haben, lässt die Stadt ein Hochwasserschutzkonzept erarbeiten. Alle Bürger sollen mithelfen.

Rasend schnell hatte sich das Unwetter über der Innenstadt und dem Horst entladen. Die Fußgängerzone und die angrenzenden Straßen waren binnen Minuten leer gefegt, die Passanten hatten in Geschäften und Lokalen Schutz vor dem prasselnden und immer stärker werdenden Regen gesucht. Das Wasser schoss quer aus den Regenrinnen in Fontänen auf Straßen oder parkende Autos. Viele Straßen wurden überflutet.

Die verheerenden Wassermassen hatten vor allem am 11. Juni viele Schäden verursacht. Das Wasser bahnte sich seinen Lauf durch Lichtschächte in viele Keller oder sorgte durch Rückstaus für unliebsame Überraschungen. Feuerwehr und Technisches Hilfswerk waren im Dauereinsatz. Von 100 Meldungen zur Kanalisation berichtete der Entsorgungs- und Wirtschaftsbetrieb Landau (EWL).

Keine schnellen Lösungen

Weil wegen der Klimaveränderungen im Sommer wohl vermehrt mit heftigen Niederschlägen gerechnet werden muss, geht die Stadt das Thema grundsätzlich an und lässt ein Hochwasserschutzkonzept erstellen. Es ist ein Programm für die nächsten Jahre. Allein die Datenerhebung zieht sich bis Januar 2021. Für dieses komplexe Thema gebe es keine schnellen Lösungen, betonte Bürgermeister Maximilian Ingenthron bei einem Pressegespräch.

Starkregen sei nicht zu verhindern, Schäden seien nicht zu vermeiden, betonten auch Vertreter der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Süd und des Gemeinde- und Städtebundes. Das alte Ingenieurdenken vom Bau zusätzlicher Regenrückhaltebecken sei nicht mehr ausreichend, das Christian Staudt von der SGD. Aber wer vorsorge, könne Schäden minimieren. Starkregen könne nicht über das Kanalsystem aufgefangen werden, stellte EWL-Vorstand auch Bernhard Eck klar. „Selbst Venedig hat viele Kanäle, und die werden auch von Hochwasser eingeholt.“

Großteil in Privathand

Nur 18 Prozent der knapp 58 Quadratkilometer des Stadtgebiets, das Teil des Projekts ist, zählt zum öffentlichen Raum. Der Rest ist nach Mitteilung von Jürgen Bauer vom städtischen Bauamt in privater Hand. Insgesamt ist Landau zirka 83 Quadratkilometer groß, darin sind aber die beiden Waldexklaven Taubensuhl und Wollmesheimer Wald mit rund 25 Quadratkilometer enthalten, die fast komplett in städtischem Besitz sind.

Ohne die Bürger und Grundstückseigentümer in Landau geht es also nicht. Deshalb haben EWL und Stadtverwaltung eine aufwendige Bürgerbeteiligung vorbereitet. Das Stadtgebiet wurde in 13 Bezirke eingeteilt. Ab 19. März wird es jeweils eine Ortsbegehung mit den Bürgern geben und anschließend je zwei Workshops, um die Erkenntnisse des Rundgangs und die Ergebnisse der Diskussion vorzustellen.

Lob für gute Vorarbeit

Die Fachleute des EWL haben viel Vorarbeit geleistet. Christian Staudt lobte sie als beispielhaft. Von Niederschlagsdaten, Kanalplänen, Meldedaten zu Überschwemmungen, hydrologischen Daten aus dem Bereich der Queich und Erosionsdaten aus dem Landauer Umfeld mussten viele Informationen zusammengetragen werden.

Auch anderen Gemeinden in der Südpfalz haben sich auf den Weg gemacht und Konzepte in der Mache, die Verbandsgemeinden Bad Bergzabern und Annweiler zum Beispiel. Stadtübergreifend gibt es Kontakte in der Hochwasser-Partnerschaft Südpfalz. Das Land unterstützt die Arbeit externer Büros sehr großzügig. Von den für Landau veranschlagten 77.000 Euro übernimmt das Land 90 Prozent. Die Regie der Untersuchungen liegt beim Karlsruher Ingenieurbüro BIT.

Bin ich ausreichend versichert?

Die Bürger können wertvolle Hinweise auf Schwachstellen im Bezirk geben. Sie sind aber auch gefordert, die eigenen Verhältnisse zu prüfen. Das reicht von der Rückstauklappe im Keller über die Auftriebssicherung von Heizöltanks bis zur Frage, ob man ausreichend versichert ist. Die Kommunen können Weichen bei der Bauleitplanung stellen und Fließ- sowie Flutwege des Wassers anpassen. „Jedes Sicherungsmaßnahme ist endlich“, unterstrich BIT-Vertreter Michael Rosport, „den Bürgern muss das Restrisiko bewusst gemacht werden.“ Ingenthron appelliert an die Landauer, mitzuwirken. „Jetzt heißt’s anpacken.“

Info

x