Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Landau: E-Bikes lassen sich aufmotzen

Wem die klassische Variante des E-Bikes nicht reicht, kann sich aufrüsten.
Wem die klassische Variante des E-Bikes nicht reicht, kann sich aufrüsten. Foto: van

Für die Umwelt aufs E-Bike umgestiegen und trotzdem schnell durch die Gegend heizen? Das geht nur mit einem versicherungspflichtigen S-Pedelec. Allerdings gibt es Möglichkeiten, die langsameren Pedelecs umzubauen. Aber Achtung, die Folgen können gravierend sein.

Der Umwelt zuliebe ist Radfahren angesagt. Wem das konventionelle Gerät zu anstrengend ist, der fährt E-Bike. Und wer gerne noch schneller unterwegs wäre, der baut sein Zweirad um.

Das ist gar nicht so schwer. Rad mit Motor und Akku gibt es im Internet, diese gilt es dann nur zusammenzuschrauben. Gewisse Kabel können weggelassen werden, sodass der Fahrer über den Griff und nicht die Pedale Gas gibt. Bis 28 Stundenkilometer ist das legal, allerdings muss der Motor den Antritt durch Pedale unterstützen.

Eine weitere Möglichkeit zum Aufmotzen der Zweiräder sind E-Bike-Tuning-Kits. Diese kosten meist zwischen 100 und 200 Euro, sind schnell montiert und wieder abmontiert. Die günstigste Variante ist eine App, die für etwa zehn Euro die Software des Rades manipuliert. Paul Sasse repariert in seinem Laden Fahrrad Paul im Landauer Marienring gebrauchte Räder. Ihm sind solche „leicht getunten“ E-Bikes schon begegnet. „Sportler, die in die Berge fahren, bringen sich mit der App gerne über Tempo 30. Sie ändert den Raddurchmesser, das System denkt dann, das Rad wäre kleiner“, sagt er.

Ab Tempo 45 ist ein Kennzeichen Vorschrift

Doch sind 30 Stundenkilometer genug? Was mache ich, wenn das Rad noch schneller sein soll? Einige greifen auf die Variante S-Pedelec zurück. Das zweirädrige Kleinkraftrad schafft immerhin Tempo 45, ist aber versicherungspflichtig, braucht also ein Kennzeichen. Das sollte den Tunern bewusst sein, wenn sie ihr Rad in solche Sphären bringen. Außerdem müssen Änderungen an S-Pedelecs einem technischen Dienst vorgestellt und von diesem begutachtet werden, wie das Kraftfahrbundesamt (KBA) informiert.

Lohnt sich das Umbauen der Räder also überhaupt? Susanne Höhlinger von Zweirad Burckhardt Landau meint: „Nein. Wer sein Rad manipuliert, der verliert seine Garantie. Der Hersteller kann das auch durch eine Software feststellen, zudem ist es eine Straftat.“ In Landau und Umgebung sei dies noch kein Problem, sagt Polizei-Sprecher Michael Kestel, ihm sei kein Ermittlungsverfahren bekannt.

Vorsicht: Punkte und Geldbußen drohen

Pedelecs und S-Pedelecs lassen sich im Verkehr durch das Kennzeichen optisch unterscheiden. „Ein Pedelec-Fahrer kann durch Pedalkraft durchaus die erlaubten Geschwindigkeiten eines S-Pedelec erreichen. Hier sind jedoch weitere Kriterien wie die Dauer des Geschwindigkeitsniveaus oder das Geländeprofil zur Unterscheidung zwischen Pedelec und S-Pedelec erforderlich“, sagt Kestel.

Wer sein Pedelec tunt, macht aus einem Fahrrad ein Kraftfahrzeug. Hierfür ist mindestens ein Führerschein der Klasse AM notwendig. Wer ohne fährt, auf den können zwei oder drei Punkte im Fahreignungsregister und Geld- oder Freiheitsstrafen bis zu einem Jahr zukommen. Bei manipulierten Pedelecs erlischt in der Regel auch die Haftpflichtversicherung, das heißt im Falle eines Unfalls haftet der Fahrer mit seinem eigenen Vermögen.

Getunte Räder nehmen die Werkstätten nicht an

„Wenn ein E-Bike richtig stark verändert wurde, würde ich es wahrscheinlich nicht anfassen“, sagt Sasse, dessen Laden vor allem Studenten anspricht. Auch Zweirad Burckhardt repariert. Getunte Räder nimmt die Werkstatt nicht an. Das Fahrradgeschäft bietet ohnehin überwiegend Pedelecs an, da diese sich im Vergleich zu S-Pedelecs keiner Untersuchung des KBA unterziehen müssen.

Dieses stellt eine EU-Typgenehmigung aus, bevor ein S-Pedelec in den Handel kommt. Dazu müssen gewisse technische Anforderungen wie Spiegel, Dauerlicht, Hupe, Rahmen, Bremsen und Räder erfüllt sein.

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