Landau
Landau: Beim Haus zum Maulbeerbaum beginnt die Sanierung
Mit einem alten Mann, der auf Krücken laufen muss, verglich Marc Sattel, Architekt für die Sanierung, das Haus am Maulbeerbaum, als er bei einer Feierstunde am Samstag die notwendigen Sanierungsmaßnahmen beschrieb, mit denen der Bestand des Hauses gesichert wird. Zuerst braucht das Haus noch zahlreiche Stützen, denn die Südwand des historischen Anwesens, die zu kippen droht, muss Stein für Stein abgetragen und dann fachmännisch mit den alten Steinen wieder aufgebaut werden. Diese Arbeiten übernehmen Betriebe aus nah und fern, die dieses Handwerk beherrschen, erklärte Sattel. Er versprach, dass das Haus durch die Sanierung ein alter Herr werde, der dann auch ohne Krücken wieder laufen oder besser: selbstständig stehen könne.
Hilfe über Parteigrenzen hinweg
Zuvor hatte Michael Zumpe, Sprecher der Genossenschaft des Hauses zum Maulbeerbaum, seine Gäste begrüßt, die gemeinsam mit der 2018 gegründeten Genossenschaft den Beginn der Sanierung feiern wollten. Neun Jahre nach Gründung des Vereins „Freunde des Hauses zum Maulbeerbaum“ wird der Bestand des Hauses endlich gesichert, freute sich Zumpe. Seit knapp zwei Jahren ist die Genossenschaft Eigentümerin des Hauses.
Die Sanierung wurde möglich, berichtete Oberbürgermeister Thomas Hirsch, weil parteiübergreifend zusammengearbeitet wurde. Tobias Lindner (Bündnis 90/Die Grünen) hatte ihm einen Hinweis gegeben, dass es beim Bund ein kleines Förderprogramm gebe, das genau auf die Landauer Herberge passen würde. Thomas Hitschler (SPD) und Thomas Gebhart (CDU) öffneten gemeinsam den Weg zu den Verantwortlichen im Bund. Alexander Schweitzer (SPD) und Christine Schneider (CDU), die damalige CDU-Landtagsabgeordnete, taten das Gleiche auf Landesebene. So wird der Bund die Sanierung mit 300.000 Euro und das Land mit 200.000 Euro fördern. Die Stadt gibt weitere 300.000 Euro dazu – Geld, mit dem eigentlich der Abriss des Hauses finanziert werden sollte, doch der Stadtrat stimmte der Umwidmung des Betrages zu.
Erasmus-Studenten arbeiten mit
Die fehlenden 100.000 Euro sammelten engagierte Mitglieder des Freundeskreises und der Genossenschaft unter anderem mit der Tombola auf dem Thomas-Nast-Markt, berichtete Zumpe weiter. Alexander Schweitzer meinte in seinem kurzen Grußwort, er sei kein Freund von Nostalgie. Er stehe auf dem Standpunkt, dass eine Stadt wie Landau wachsen und sich verändern dürfe, doch im Wachsen müsse sie Profil gewinnen, nicht verlieren. Das Haus am Maulbeerbaum mit seiner Geschichte sei profilbildend. Thomas Gebhart berichtete, dass über das Erasmus-Programm der Europäischen Union auch Studierende aus vielen europäischen Ländern im Maulbeerbaum mitarbeiten werden. Damit werden der Maulbeerbaum und Landau europaweit bekannt, und mit den Studierenden komme Europa auch nach Landau – wie schon immer in der Geschichte.
Für die erkrankte Gunhild Wolf, Vorsitzende des Freundeskreises, sägten Michael Zumpe und Thomas Hirsch einen ersten Holzbalken zurecht, damit er während der Sanierung als Stütze des Hauses dienen kann.