Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Landau: Beim Bürgerchor zur Fête de la Musique will der Götterfunke nicht so recht zünden

Michael Fromm (Bildmitte) mühte sich als Vorsänger redlich, zur Musik von Acoustixound bei der Eröffnung des Straßenfests einen
Michael Fromm (Bildmitte) mühte sich als Vorsänger redlich, zur Musik von Acoustixound bei der Eröffnung des Straßenfests einen Bürgerchor ans Laufen zu kriegen. Nur: Es fehlten die Bürger.

Mit der französischen Tradition einer Fête de la Musique hat Landau zum siebten Mal den längsten Tag des Jahres gefeiert. Und weil der 21. Juni diesmal auf einen Freitag fiel, die Sonne so freundlich vom Himmel schien und die Nacht so lau war, strömten die Menschen in Massen durch die Straßen. Doch was war mit dem angekündigten Bürgerchor?

„Wo man singt, da lass dich ruhig nieder“: So wörtlich wie bei der Fête de la Musique wird die alte Volksliedzeile wohl selten genommen. Die Freiluftplätze der Bars und Cafés waren restlos besetzt. Und die Heerscharen junger Leute, die das Gesicht dieser Veranstaltung prägen mit Rasterlocken und bunten Klamotten, ließen sich kurzerhand auf dem Straßenpflaster nieder.

Die meisten Besucher bummelten durch die Straßen und legten einen Halt ein, wo ihnen der Sound gefiel. Manche versuchten ganz zielstrebig, mit Faltplan die vorab ausgedeuteten Lieblingsbands zu finden. Nur wenige aber haben sich dazu verleiten lassen, selbst mitzusingen beim erhofften Bürgerchor zur Eröffnung, für den der pensionierte Lehrer Wolfgang Diehl extra das „Landauer Lobhudellied“ gedichtet hatte zur Melodie von Beethovens Neunter: Da wollte die Freude in Form des schönen Götterfunkens einfach nicht überspringen. Dabei machte Michael Fromm – nach der Ansage „Ich hab’ Heuschnupfen, ich sing wie’n altes Pferd“ – wahrheitsgetreu und tapfer den Vorsänger. Fazit der Hymne auf Landau: „Immer gibt es was zu feiern.“ Das ließ sich nun ja trefflich austesten.

Mancher hat das Straßenfest für den ersten Auftritt genutzt

Zu den 19 fixen Bühnen mit rund drei Dutzend gemeldeten Gruppen haben sich viele spontan Entschlossene dazugesellt und erstaunlich viel Handgemachtes auf die Beine gestellt. Dabei hat mancher Interpret das Straßenfest genutzt, um erste Auftrittserfahrungen zu sammeln.

Eva Croissant aus Kleinfischlingen etwa stellte sich mit ihrer Gitarre in Begleitung von Cello und Harfe in der Fußgängerzone und hauchte melancholischen Akustik-Pop. Und beim Café am Markt trat der 18-jährige Perham Ashouri auf, der erst vor 15 Monaten aus dem Iran nach Herxheim kam. In der Heimat hat er seine poetischen Lieder zur Gitarre auf Persisch gesungen, nun schreibt er Balladen in Englisch. Die Gelegeinheit hat auch das Duo AnMi Unplugged genutzt: Anke (Percussion und Gesang) aus Neustadt und Michael (Akustikgitarre) aus Landau, ein Duo, das es „noch net so lang gebt“, das nun aber mit seinem Pop-Rock und ausgefeilten Harmonien durchstarten will.

Ihren ersten öffentlichen Auftritt hatte an diesem Sommerabend die Gruppe Lunar Jazz, die sich vor und im Schaufenster des Cafés Mariage am Stiftsplatz einquartierte und noch dringend einen Bassisten sucht. Gut hat die Band aber auch schon als Quartett geklungen mit ihrem edlen und swingenden Old School Jazz.

„I un du, un nur der Mond schaut zu – U lapa lu“, raunte es in der oberen Hauptstraße aus neun Damenkehlen, die sich als Pälzer Saitezerrer mit ihren Gitarren vorstellten. Ob sie wussten, dass wenige Meter Luftlinie weiter vor der Metzgerei Weisbrod in der Meerweibchenstraße eine Art Kontrastprogramm mit fünf gitarre-bewehrten Herren ablief? Jazz-Melange zu „Merguez und Weinbar“ war das Angebot. Die typisch französischen Würste stellten sich jedoch als so appetitanregend heraus, das die Speisekarte im Laufe des Abends auf „Pälzer Worschd“ umschalten musste.

Zum Abend hin wurde die Musik lauter und unorthodoxer

Auch das Musikfest selbst hat sich im Laufe des Abends verändert. Die Bands wurden lauter und unorthodoxer, mancher Bühnenumbau mit eintönigem Wum-Ta-Ta aus der Konserve begleitet. Nicht so in der Theaterstraße, wo sich der Asta der Uni mit den Läden Weltherz und Aqua Pura verbündete, um mit vielen Teppichen und Lampen eine stimmungsvolle Wohnzimmeratmosphäre für das Konzertpodium im Freien zu schaffen. Auf der gemeinsamen Bühne des Geschäfts Die Kugel und des Bündnisses gegen Depression traten vier Gruppen vor samtenen Vorhängen auf, und in den Pausen gab es sogar Kleinkunst und Kinderspiele.

Den Wert von Jeffreys Mitmach-Jam vor der Buchhandlung Thalia konnte man wegen seiner kakophonischen Freiheit nicht so recht ermessen. Das Konzept dahinter hatte den Anspruch, den ganz persönlichen Musikstil aller Individuen, die sich hier persönlich einbringen, zu einer Mischkultur zu formen. Zumindest hatten viele Kids ihren Spaß daran, die oft ungenutzten Instrumente zu inspizieren und sich mal als Schlagzeuger, am Cajon oder mit einer Rassel zu probieren. Apropos Kinder: Die waren zwar als Festbesucher überall ganz zufrieden zur Stelle, als aktive Teilnehmer aber leider nicht präsent.

Nils fragt: Habt ihr nicht auch mal Lust mitzumachen?

Wir Biberkinder finden den Sommer einfach toll. Die langen Sonnentage machen uns so gute Laune, dass wir viele Feste im Freien feiern wollen. Ganz ähnlich ist das wohl auch dem französischen Kulturminister Jack Lang gegangen. Deshalb ist er vor fast 40 Jahren auf die Idee gekommen, den längsten Tag des Jahres mit einem großen Musikfest unter freiem Himmel zu feiern.

Sein Vorschlag: Jeder, der Lust und Laune hat, darf sich mit einem eigenen musikalischen Beitrag auf die Straße stellen, damit es überall singt und klingt. Niemand muss dafür Eintritt bezahlen, jeder darf mitmachen. Auch Kinder können sich schon vor die eigene Haustür stellen, und mit ihrer Flöte oder Ukulele oder Trommel oder Stimme Teil dieses Festes werden.

Die erste Fête de la Musique (auf Deutsch: Fest der Musik) fand 1982 in Paris statt. Heute gibt es das Fest am 21. Juni in vielen Städten vieler Länder. Zum Glück auch in Landau. Habt ihr nicht auch mal Lust, beim nächsten Mal mitzumachen?

Die meisten Besucher ließen sich durch das Gewusel in den Straßen treiben. Foto: van
Die meisten Besucher ließen sich durch das Gewusel in den Straßen treiben.
Barfuß am Schlagzeug – das bringt jedenfalls Gefühl ans Pedal. Foto: van
Barfuß am Schlagzeug – das bringt jedenfalls Gefühl ans Pedal.
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