Landau Konversion mit Proportion

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Der Stadtrat soll am Dienstag entscheiden, was nach der Landesgartenschau mit der Panzerhalle geschieht. Architekt Dirk Lampe kämpft unbeirrt für den Erhalt, auch wenn das im Rathaus nicht auf Gegenliebe stößt. Der Rahmenplan Konversion Süd wackelt. Wir haben Landauer Architekten befragt.

Der Knackpunkt in der Diskussion sind die Proportionen. Halten die geplanten dreistöckigen Einfamilien- und vierstöckigen Reihenhäuser der Panzerhalle stand? Oder muss die Rahmenplanung im Quartier rings um die jetzige Blumenhalle geändert und dem 50 mal 24 großen und in der Glasspitze 7,80 Meter hohen Stahlbetonskelettbau angepasst werden? Müssen also die Nachbarhäuser größer sein als vorgesehen? Der Landauer Architekt Dirk Lampe verneint diese Frage (wir berichteten zuletzt am 16. und 17. April). Auch was die Abstände zu den Nachbarn angeht, sieht er keine Probleme. Zwischen Halle und Reihenhäusern in der Siebenpfeiffer-Allee wäre der Abstand 14 Meter und damit sechs Meter größer als zwischen dem Backsteinbau 068 und den vierstöckigen Niedrigenergiehäusern von Energie Südwest in der Otto-Kießling-Straße (unser Foto). Zwischen Panzerhalle und Einfamilienhäusern in der Viktor-Weiß-Straße misst der Architekt 18 Meter. Lampe hat weitere Beispiele gesammelt, darunter in der Paul-von-Denis-Straße an der Fußgängerbrücke über die Bahn (unser zweites Foto). Wir haben einige Landauer Architekten um ihre Meinung zur Diskussion um den Rahmenplan gebeten. Uwe Knauth sieht vor allem bei der städtebaulichen Ausrichtung des Rahmenplans Probleme. Die bestehenden Ziegelsteinbauten bildeten den historischen Rahmen, aufgefüllt werde mit individueller Bebauung in gegliederter und aufgelockerter Bauweise. Den Plan findet Knauth grundsätzlich schön. Die Panzerhalle störe diesen Charakter des durchgrünten Quartiers. Durchblicke würden eingeschränkt. Das Objekt selbst ist für Knauth aus einem anderen Grund schwierig: Die Faszination eines Lofts seien große Wohnflächen in Gewerbebrachen, kostengünstig dank einfacher Ausführung, durchaus mit Kompromissen beim Wohnen. Dem stünden aktuelle Anforderungen an Wohn- und Bauwerksqualität entgegen. „Mit der geplanten Dichte von bis zu acht Wohnungen eine schwierige, aber auch anspruchsvolle Aufgabe.“ Thorsten Arnold führt den „Genius Loci“ an, den Geist des Ortes. Der Ort sei eine Kaserne gewesen. „Geschichte als Identität des Ortes ist für mich sehr wichtig und ich finde es schade, dass er so überformt wird.“ Von der Sache her sei er bei Lampe, finde seinen Ansatz sehr interessant. „Ich bin unbedingt für den Erhalt der Halle.“ Manche Objekte lebten von Spannung und Diskrepanz. Der Bestand sei wichtiger als das, was dazu komme. „Man darf es nicht umdrehen“, so Arnold. „Es kann alte Gebäude geben, die Brüche erzeugen, aber auch die müssen eingeplant werden“, differenziert Philipp Tobias Dury. Solle die Panzerhalle erhalten bleiben, müsse das Umfeld neu gedacht werden, das erfordere einen größeren Zeitraum als nur drei bis vier Wochen. „Städtebau ist Architektur und bedarf der tieferen Planung.“ Die Frage sei auch, ob die Halle nur für Wohnungen geeignet sei. Thorsten Holch hat sich intensiv mit dem Areal Estienne et Foch befasst. Im Zuge der aktuellen Debatte erinnern sich Ratsmitglieder an dessen Konzept vom Mai 2010. Die Panzerhalle ist eines von sechs charakteristischen Gebäuden, die Holch in eine „Zeitreise durch die Landauer Militärgeschichte“ einbetten wollte: die barocke Festung (Werk 38), die bayerische Zeit, die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg, die Zeit der Wehrmacht (Panzerhalle), die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg und die Konversion. Die Bauten seien ebenbürtige Zeitzeugen der Geschichte des Areals und der Stadt, schrieb Holch damals. Dazu zählt übrigens auch Gebäude 108, die ehemalige Wäscherei, heute das Grüne Klassenzimmer der Landesgartenschau und danach zum Abriss freigegeben. „Landau hat eine Jahrhunderte überdauernde Militärgeschichte, welche die Stadt nachhaltig geprägt hat und deren Ablesbarkeit meines Erachtens an keinem anderen Ort noch so gut dokumentierbar ist. (...) Es geht mir ganz bestimmt nicht darum, alles krampfhaft zu erhalten. Es kann aber auch nicht sein, dass im Umgang mit einer solchen Liegenschaft ganze Zeitebenen ,ausradiert’ werden“, heißt es im Papier Holch. Vier dieser sechs Gebäude stehen nicht mehr. Auch Hans Peter Hertel sieht in der Panzerhalle einen prägenden Geschichtsbau. „Wenn sich etwas daraus machen lässt, wäre es schade, sie abzureißen.“ Aber sie müsse gut ins Umfeld integriert werden. Lampe habe einen Entwurf vorgelegt. „Da müsste man tiefer einsteigen.“ Hertel würde dem Erhalt der Halle eine Chance geben. Ein Industriegebäude zu revitalisieren, sei immer reizvoll, meint Jürgen Sebastian. Das Problem im vorliegenden Fall bestehe aber eher in der Eingliederung der Halle in die jetzige städtebauliche Planung. „Das sehe ich kritisch.“ Es sei eine sehr große Herausforderung, das Gebäude – „eines der weniger interessanten Bestandsgebäude“ – wirtschaftlich zu entwickeln, denn die Wertigkeit liege höchstens bei einem symbolischen Euro und die Halle müsste zu einem hohen Preis abgelöst werden. Bertel Treiling ist für den Abriss der Halle, „weil sie nicht in die Umgebung und in das Ensemble passt“. Was den Kubus betrifft, also die Form, da habe Landau rund 100 Gebäude zu bieten. „Das ist keine architektonische Besonderheit.“ (sas) Kommentar: Zeitzeugen Von Sabine Schilling Heute ist die Zeit reif für die Panzerhalle. Der Rahmenplan würde nicht zum ersten Mal umgeworfen.  Der Stadtrat steht vor einer schweren Entscheidung. Die Meinungen sind unterschiedlich, quer durch alle Fraktionen. Ein städtebaulicher Rahmenplan ist eine Haltung, weiß der Stadtplaner. Objektive Kriterien gibt es dabei nicht. Der Rahmenplan würde nicht zum ersten Mal umgeworfen. Ursprünglich waren nämlich vor zehn Jahren mehrstöckige Stadthäuser vorgesehen, später waren Einfamilienhäuser angesagter. Es wurde umgeplant. Heute ist die Zeit reif für  die Panzerhalle. Sie  wäre ein Schmuckstück des Wohnparks und Zeugnis der Stadtgeschichte. Also, nur zu.

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