Südpfalz
Kontrolle an Rasthof: Polizei nimmt Lkw-Fahrer unter die Lupe
Sonntagabend auf dem Rasthof Pfälzer Weinstraße bei Edesheim. Die meisten Lkw-Fahrer, die die Nacht auf der Raststätte an der A65 verbringen wollen, haben es sich in ihrer Fahrerkabine gemütlich gemacht. Draußen in der klirrenden Kälte stehen fünf Beamte von der Polizeiinspektion Edenkoben, die gekommen sind, um nach dem Rechten zu sehen. Das heißt, die Feierabendruhe der Brummifahrer wird kurz unterbrochen.
Worum geht es? Am Sonntag herrscht zwischen Mitternacht und 22 Uhr auf deutschen Straßen ein Lkw-Verbot. Die Edenkobener Wache prüft darum regelmäßig einige Stunden bevor es offiziell weitergehen darf, ob bei den Fahrern an der Raststätte die Fahrtüchtigkeit gegeben ist. Soll heißen: Es wird an jede Fahrertür auf beiden Seiten der Autobahn geklopft und ein Alkoholtest angeboten. An diesem Sonntag schaut die RHEINPFALZ den Polizisten über die Schulter.
Start mit Einsatzbesprechung
Los geht es mit einer Einsatzbesprechung auf der Inspektion. „Das ist ein Routineeinsatz, der eigentlich auch immer problemlos abläuft“, sagt Polizeioberkommissar Christophe Quirin. „Die Fahrer reagieren meistens ganz entspannt.“ Quirin weiß, dass bei den vielen Lkw-Fahrern, die den Sonntag auf der Raststätte verbringen, immer ein paar dabei sind, die einen über den Durst getrunken haben. Wenn ein Alkoholtest positiv ist, kassieren die Beamten Fahrzeugpapiere, Ladungspapiere und Führerschein ein. Aber nicht die Schlüssel, die brauchen die Fahrer ja, um ihre Kabine warm zu halten.
Je nach Promillewert wird dann hochgerechnet, wann der Fahrer wieder auf die Straße darf. „Wir vereinbaren dann eine Uhrzeit am nächsten Morgen und bringen alles zurück. Ein Rundum-Service“, erklärt Quirin. Neben dem Alcotest-Gerät ist eine der wichtigsten Utensilien im Gepäck der Beamten eine Mappe mit Schriftsätzen, auf denen ihr Anliegen in allen gängigen europäischen Sprachen erklärt wird. Deutschsprechende Lkw-Fahrer sind die absolute Ausnahme, Englischkenntnisse sind oft nur bruchstückhaft vorhanden.
Die fünf Beamten machen sich im Einsatzbus auf den kurzen Weg an die Raststätte. Das Team teilt sich auf die linke und die rechte Fahrzeugschlange auf. Der Ablauf ist meist ähnlich: Ein lautes Klopfen an der Fahrertür. Ein Mann, in der Regel zwischen 30 und 50 Jahre alt, steckt verdutzt den Kopf aus dem Fenster – meist im T-Shirt oder oberkörperfrei. Gibt es jetzt Ärger? Die Beamten testen aus, ob und wie sie sich verständlich machen können. Die Worte „Alkohol-Test“ reichen in den meisten fällen erstmal aus. Den Schriftsatz auf polnisch, russisch, bulgarisch, rumänisch und so weiter gibt es trotzdem dazu. Damit die Fahrer verstehen, was Sache ist.
„Wir wollen ihnen klar machen, dass es um eine Präventivmaßnahme geht, dass es keinen Ärger gibt, und dass wir auch bei einem positiven Test kein Geld wollen. Wenn das einmal klar ist, sind sie in der Regel kooperativ“, erklärt Oberkommissar Quirin. Sofern kein Anfangsverdacht einer Alkoholisierung vorliegt, ist der Test auch völlig freiwillig – wobei unklar ist, ob das den Fahrern immer bewusst ist.
Mehrere Treffer
Der erste „Treffer“ an diesem Abend lautet 0,63 Promille. Das ist zwar nicht so viel, allerdings liegt die Grenze bei Lkw-Fahrern bei 0,0. „Wir müssen hier streng bleiben. Der Mann könnte ja in drei Stunden wieder losfahren. Bis er die 0,6 Promille abgebaut hat, dauert es eher sechs Stunden.“ Da den Fahrern keine Kosten entstehen und sie ihre Papiere pünktlich zurückgebracht bekommen, sei das zumutbar. Auf das Wort der Fahrer, dass sie ohnehin erst am nächsten morgen weiter wollen, will Quirin sich nicht verlassen.
Ein weiterer Fahrer hat 0,48 Promille. Er versteht weder Deutsch noch Englisch und will auch mit dem Schriftsatz auf Bulgarisch, den die Beamten ihm hinhalten, nichts anfangen können. Bei Quirin kommt der Verdacht auf, dass der Mann sich absichtlich dumm stellt. Nun wird auch bei Fahrzeugpapieren und Fahrtenschreiber genau hingeguckt, aber hier ist alles in Ordnung.
65 Lkws kontrolliert
Joshua Laux, ein junger Kollege von Quirin, ist bei den Besuchen an der Raststätte gerne dabei. „Es bringt Abwechslung und läuft meistens problemlos ab. An der Autobahn gibt es zwar immer Potenzial, auf kriminelle Machenschaften zu stoßen, aber das ist bei einem solchen Einsatz sehr selten.“ In die Lkws selbst wird nur hineingeschaut, wenn etwas augenscheinlich im Argen liegt, etwa die Ladung das Fahrzeug in die Schräge drückt.
Laux stellt bei einem der Fahrer 1,58 Promille fest. Der Mann wird am nächsten Morgen später loskommen als geplant. „Mit der Faustregel, dass wir 0,1 Promille pro Stunde abbauen, wird er wohl am Montag gegen 10 Uhr weiter dürfen. Vorher muss er bei einer weiteren Kontrolle 0,0 pusten“, sagt Laux. In manchen Fällen sei es möglich, dass die Kollegen auch schon etwas früher vorbeikommen, um die Fahrtüchtigkeit zu testen. Die Null ist aber nicht verhandelbar.
Das Fazit dieses Abends: 65 Lkws wurden kontrolliert. Einmal 1,58 Promille, einmal 0,63, einmal 0,48 und einmal zu betrunken, um zu pusten. Dazu kommen noch vier Mal die Überprüfung der Lenk- und Ruhezeiten ohne Beanstandung, informiert Oberkommissar Quirin abschließend.