Landau
Konflikt um Haus Südstern eskaliert: „Bestimmt 100 Anzeigen“ der Nachbarn
Eigentlich mag Armin Schowalter keine Konflikte. Der gläubige Christ ist seit Jahrzehnten in Landau ehrenamtlich aktiv, saß für die SPD im Stadtrat und organisiert unter anderem die Fête de la Musique. Doch seit rund 20 Jahren, genau genommen seitdem das Haus Südstern auf seinem Gelände eingezogen ist, sei er in einen Streit mit einem Menschen aus der Nachbarschaft verwickelt. In dieser Zeit habe die Person „bestimmt 100 Anzeigen“ gegen den Verein erstattet, dazu diverse Ämter eingeschaltet. Doch erst jetzt beginne man sich zu wehren, weil eine rote Linie überschritten sei.
„Man geht nicht gegen Kinder“
Denn vor wenigen Wochen sei die Person gegen Kinder vorgegangen. Schowalter hat in einer Information an die Vereinsmitglieder davon berichtet und auch die RHEINPFALZ informiert. Sechs Kinder hätten auf dem Gelände des Hauses Südstern nahe der Shell-Tankstelle im Süden der Stadt einen 9. Geburtstag gefeiert und dabei auch gecampt. Am Morgen um 5 Uhr habe der Mann dann mit einem Megafon mit einem Alarmsignal alle aus dem Schlaf gerissen und anschließend aufgefordert, das Gelände zu verlassen – so hätten es ihm die Eltern geschildert, berichtet Schowalter. Diese hätten auf die Person eingewirkt, genutzt habe es nichts: Das Ganze habe sich gegen 6 Uhr wiederholt. Das sei der Grund gewesen, aus dem Schowalter zur Anzeige gegriffen habe.
„Ich hoffe, dass der Mann zu der Erkenntnis kommt, dass man nicht gegen Kinder geht“, sagt der Chef des Südstern-Vereins. „Solches Verhalten darf nicht normal werden. Will man denn, dass Kinder solche Erfahrungen machen?“ Wenige Wochen später habe der Mann dann 5 Kinder aufgefordert, nicht mehr im Pool zu spielen – das sei verboten und man befinde sich nicht in einem Freibad, sagt Schowalter.
Konflikt seit Südstern-Einzug
Der Mann aus der Nachbarschaft habe Hausverbot und auch schon mehrfach dagegen verstoßen – und er mache mit Unwahrheiten und Übertreibungen Stimmung gegen das Haus. So habe er beispielsweise bei einer Veranstaltung der Partei Die Linke auf dem Haus-Gelände behauptet, es gebe eine richterliche Anordnung, die das Spielen von Musik verbiete. Diese gebe es nicht, sagt Schowalter, aber der Gitarrist habe die Akustikgitarre trotzdem weggepackt.
Warum die Auseinandersetzung des Mannes mit dem Verein begonnen hat, wisse er nicht, sagt Schowalter weiter. Möglicherweise habe der Mann das Grundstück selbst haben wollen und dann sei es an Südstern vermietet worden, mutmaßt er. Aber: Bereits am dritten Tag sei der Verein angezeigt worden – weil Bauschutt auf dem Grundstück war.
Anwalt weist Vorwürfe zurück
Auch nicht alle der bestimmt 100 Anzeigen seien aus der Luft gegriffen, gibt Schowalter zu. Man habe gerade in der Anfangszeit Probleme mit der Einhaltung des Lärmschutzes gehabt. „Aber was Veranstaltungen angeht, sind wir mittlerweile wirklich gut geworden.“ Er suche oft das Gespräch und sende Signale, dass er keinen Ärger wolle. Weil im Corona-Sommer 2022 pandemiebedingt viele Veranstaltungen im Freien gewesen seien, habe man 2023 alle drinnen im Haus gemacht.
Der Mann weist die Vorwürfe Schowalters größtenteils zurück. Das teilt sein Anwalt Thomas Seither mit. „Die zum Teil ehrenrührigen Beauptungen sind überwiegend unzutreffend. (...) Auch ist nicht zutreffend, dass unser Mandant frühmorgens ein Megafon mit einem Alarmsignal zum Einsatz gebracht habe“, antwortet der Justizrat und promovierte Jurist mit Kanzlei am Landauer Rathausplatz auf Anfrage der RHEINPFALZ.
Öl-Altlasten im Boden?
Auch sei der Konflikt nicht durch die Anmietung des Geländes durch Südstern ausgelöst worden – das Grundstück sei seinem Mandanten damals zum Kauf angeboten worden, darauf habe dieser verzichtet. Der Grund: Dort seien „Hunderte von Schrottfahrzeugen“ abgestellt gewesen. Die seien „zum Teil verschrottet, manchmal auch abgefackelt“ worden, „sodass man von einer erheblichen Altlastenproblematik durch Öl im Erdreich ausgehen musste“. Das sollte der Verein prüfen, „bevor er das Gelände Familien zum Campen zugänglich macht“, antwortet Anwalt Seither.
Nachbarpaar sind Senioren
Seine Kanzlei sei erstmals im Jahr 2022 beauftragt worden, weil es auf dem Südstern-Gelände oft zu Musikveranstaltungen spät in der Nacht gekommen sei. Und die Nachtruhe sei für die Mandanten, ein Ehepaar im Alter von 83 und 77 Jahren „mit altersentsprechenden gesundheitlichen Problemen dringend erforderlich“. Laut Baugenehmigung dürften nur Indoor-Veranstaltungen abgehalten werden, aber keine draußen.
Zudem müsse Südstern 15 Parkplätze nachweisen, die es wegen der aufgestellten Zelte nicht gebe. Das Bauamt habe bei einem Ortstermin verfügt, dass die monierten Outdoor-Veranstaltungen nicht mehr stattfinden dürfen. Für die Zelte sei eine Baugenehmigung notwendig oder sie seien abzubauen. Es sei kein Bauantrag gestellt worden, der Verein habe die Zelte abgebaut – elf Monate nach Einleitung des Verfahrens sei die Meldung beim Bauamt eingegangen, berichtet Seither.
Großveranstaltungen mit 300 Übernachtenden?
„Aktuell wurden wir beauftragt, nachdem während des Sommers mehrere Großveranstaltungen auf dem Außengelände durchgeführt wurden, unter anderem Familienfreizeiten mit bis zu 300 Personen, die in Wohnmobilen oder Camping-Zelten übernachteten. Es wurden Grillstationen, ein mobiler Pool und Trampoline aufgebaut. Nach den Feststellungen unserer Mandanten waren seitens des Vereins Aufsichtspersonen nicht eingesetzt oder nicht regulierend tätig“, so Seither.
Das sind Vorwürfe, die Schowalter wiederum zurückweist. Ein Zelt stehe noch, meldet Seither – und Schowalter hat in der Vereinsinfo bereits mitgeteilt, dass er das wohl werde abbauen müssen.
Gibt es einen Ausweg aus dem Konflikt? Schwierig. Schowalter sagt, er wünsche sich ein normales nachbarschaftliches Verhältnis. Denn manchmal sei der Kontakt „echt nett und gut“. Und dann komme plötzlich „aus dem Nichts die volle Breitseite“. Seither schreibt, dass sich in den vergangenen Jahren die Situation auf dem Grundstück von Südstern verbessert habe und beispielsweise die Nachtruhe eingehalten werde. Also wollen eigentlich beide Parteien ihre Ruhe.