Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Kommentar: Abseits

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Das war Politikversagen auf allen Ebenen – leider. Die Organisationsprobleme zum Impfstart waren absehbar.

Die Anmeldung zur Corona-Impfung im Internet ist vergleichsweise einfach, aber viele Senioren nutzen allenfalls ein Handy. Nicht vergessen: Wir sprechen hier von Über-80-Jährigen. Ihnen bleibt nur der Griff zum Telefon. Doch wenn schon die Corona-Bürgertelefone immer wieder überlastet waren, liegt es auf der Hand, dass die Telefonleitung zur Impfanmeldung erst recht in die Knie geht. Mit der Folge, dass sich mutmaßlich Tausende Ältere immer besorgter bis tief in die Nacht die Finger wund wählen und am Ende doch keinen Termin ergattern.

Ja, der Aufwand für die Kommunen wäre hoch gewesen, aber eine dezentrale Anmeldung in „ihrer Verwaltung“ hätte den Menschen Vertrauen eingeflößt und viele Ängste genommen – auch wenn sie vielleicht nicht sofort durchgekommen wären. In diesem Fall wäre die kommunale Selbstverwaltung besser gewesen als der zentralistische Ansatz, bei dem sich die Senioren hilflos einem anonymen Moloch ausgesetzt fühlen, der sich keinen Deut um den Einzelnen schert.

Einfach nur zynisch

Aber der größte Fehler war, dass Landau und der Kreis Südliche Weinstraße auf ein eigenes Impfzentrum verzichtet haben. Schön, wenn die Zusammenarbeit mit dem Kreis Germersheim klappt, und auch die finanziellen oder personellen Gründe für eine Zusammenarbeit sind ja nachvollziehbar, aber ein Impfzentrum im äußersten Eck der Südpfalz ist seniorenfeindlich. Alten, die oft schon mit vielen Einschränkungen und Gebrechen zu kämpfen haben und für die eine Infektion lebensgefährlich werden kann, ist die Fahrt nach Wörth nicht zuzumuten – mit dem Auto nicht und mit dem öffentlichen Nahverkehr schon gar nicht. Dass sie bei ihrer Krankenkasse nach einem Taxischein nachfragen sollen ohne Garantie, ihn auch zu bekommen, schickt sie in die nächste Warteschleife und in die Verzweiflung.

Bei jedem Dorfladen heißt es, die wohnortnahe Versorgung müsse sichergestellt werden, weil Kinder und Enkel heute oft in alle Welt verstreut sind – aber ausgrechnet bei einer überlebenswichtigen Impfung soll das nicht mehr gelten? Und diesen alten Menschen zu sagen, sie könnten sich ja gedulden, bis ein unkomplizierter Impfstoff vorliegt, den der Hausarzt verabreichen kann, ist einfach nur zynisch.

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