Landau
Klimarat übergibt Gutachten: Bürger fordern weniger Autos in der Stadt
Das erste Bürgergutachten für den Klimaschutz in Landau beleuchtet verschiedene Themen. Neben Energiegewinnung, Boden und Stromsparen geht es auch um die Reduzierung des privaten Autoverkehrs in der Innenstadt und die Stärkung des Umweltverbundes.
Der Klimarat fordert, dass die Stadt entschlossener auf Bus, Bahn, Fahrrad und Carsharing setzt, um eine echte Verkehrswende zu ermöglichen. Zu den konkreten Vorschlägen gehört eine stärkere Bewerbung bestehender Angebote im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV), sowohl online als auch analog, um alle Zielgruppen zu erreichen. Informationsschilder an öffentlichen Parkplätzen und Kampagnen über soziale Medien könnten dabei helfen. Auch das Carsharing soll in Landau gefördert und ausgeweitet werden. Besonders wichtig sei es, die Verbindungen ins Umland – etwa nach Bad Bergzabern – besser auszubauen und die Taktung zu verdichten. Darüber hinaus soll die Stadt ihren Einfluss im Zugverkehr nutzen, um das Angebot weiter zu verbessern.
Anreize zur Reduktion des Autoverkehrs
Der Klimarat empfiehlt außerdem, Anreize zur Reduktion des privaten Autoverkehrs zu schaffen. Als Beispiel wird das Marburger Modell genannt, bei dem eine Prämie für die Abmeldung des eigenen Autos vergeben wurde. Ein Drittel der Autobesitzerinnen in Städten mit gutem Mobilitätsangebot gab dort an, kein Auto mehr zu benötigen. In Landau, wo bereits seit Jahren der „Landau-Takt“ den ÖPNV verbessert, sei es naheliegend, ähnliche Programme zu prüfen. Ein Auto stehe im Durchschnitt 23 Stunden am Tag still und belege wertvolle Flächen, die für andere Zwecke genutzt werden könnten.
Neben dem Verkehrsthema enthält das Gutachten auch zahlreiche weitere Empfehlungen: mehr Bäume und Fassadenbegrünung, die Verdopplung von Grünflächen im Straßenraum auf mindestens zehn Prozent sowie eine Stärkung von Energieberatung und Gebäudesanierungen. Insgesamt gliedert sich das Gutachten in vier Handlungsfelder: Ernährung/Landwirtschaft, Wärme, Energie/Strom und Mobilität. Das Gutachten führt Fachwissen und Alltagserfahrungen zusammen.
Bürgermeister: Größte Bedrohung für Gesellschaft
Bürgermeister Lukas Hartmann betonte, dass die Klimakrise die größte Bedrohung für die freiheitlich-demokratische Gesellschaft sei. Kinder, die 2025 geboren werden, hätten eine Lebenserwartung bis weit ins 22. Jahrhundert hinein und würden die Folgen heutiger Entscheidungen unmittelbar spüren. Hartmann warnte vor zwei großen Irrtümern: der Verharmlosung der Verantwortung („Wir verursachen doch nur zwei Prozent der globalen Treibhausgasemissionen in Deutschland“) und der Hoffnung auf noch zu erfindende Technologien („zukünftige Erfindungen lösen alles“). „Das eine ist die Verantwortungslosigkeit, das andere Technikgläubigkeit“, erklärte Hartmann im Grußwort zu den Handlungsempfehlungen. Verantwortung bedeute, den eigenen Handlungsspielraum heute auszuschöpfen.
Auch die Vorsitzende des Klimarates, Verena Hofmann, fand deutliche Worte. In einer Welt, die sich Copernicus-Daten zufolge im Vergleich zum vorindustriellen Durchschnitt um 1,64 Grad Celsius zwischen Juli 2023 und Juli 2024 erhitzt hat, wundert sie sich, dass noch immer über den Zusammenhang von Hitzewellen und Klimakrise diskutiert werde. Europa sei betroffen, Landau sei betroffen. Landau wolle bis 2040 klimaneutral werden, mit dem Ziel, die Pro-Kopf-Emissionen bis 2030 von 10 Tonnen auf 4,5 Tonnen zu reduzieren. „Seien Sie mutig und treffen Sie solche wichtigen Entscheidungen anhand wissenschaftlicher Erkenntnisse und Ihrem Gewissen“, appellierte Hoffmann an Politik und Verwaltung.
Mitglieder machen Perspektiven klar
Weitere Mitglieder des Klimarates machten gegenüber der RHEINPFALZ ihre Perspektiven klar: Katharina Steg sieht Potenzial in einer umweltschonenden Landwirtschaft, Luca Hartkorn und Ursula Kliewer betonten die Chancen der Geothermie, während Ingenieur Eberhard Gühr eine stärkere Förderung von Energieberatung und den Solidargedanken forderte. Rolf Lücho plädierte für Photovoltaik und Windkraft, er selbst betreibt ein Balkonkraftwerk, das bereits 220 Kilowattstunden Strom erzeugt hat. Christophe Cauet, 41-jähriger Physiker und Familienvater, hob hervor, dass viele Grundlagen, die das Klima beeinflussen, längst bekannt seien – es gehe nun um die Umsetzung. „Das Wissen ist da, aber wie geht die Gesellschaft damit um?“, fragte er. Rolf Müller hob hervor, dass das Thema „Klima“ dringlich sei und er sich deshalb in dem Rat engagiert habe.
Hartmann kündigte an, die Stadtverwaltung werde nun eine Zeit brauchen, um die Vorschläge zu prüfen. Nicht alle würden Mehrheiten im Stadtrat finden, doch das sei Teil repräsentativer Demokratie. Wichtig sei, dass sich der Stadtrat auf dieses neue Instrument eingelassen habe.
Info
Das gesamte Gutachten ist online auf www.mitredeninld.de einsehbar.