Landau / SÜw
Kita-Akteure kritisieren Wegfall von Quarantäne-Zeiten
Solch eine Aufregung am Morgen haben schon einige Mütter und Väter erlebt: Gab es in der Kita ihrer Sprösslinge einen Corona-Fall, mussten sie diese kurzfristig abholen. In Einrichtungen ohne feste Gruppen hieß es dann für die meisten Kinder: ab in die Quarantäne. Nach fünf Tagen konnten sie wieder im Haus toben. Vorausgesetzt, sie hatten einen negativen PCR- oder Schnelltest dabei. Geht es nach dem rheinland-pfälzischen Bildungsministerium, sollen die Kleinen nun schneller zurückkehren. Schon am Tag nach Bekanntwerden des Corona-Falls soll ein negativer Schnelltest ausreichen. Diese Änderung ist geplant. Bei den Beteiligten löst sie aber keine Jubelschreie los.
Kita-Träger äußert Bedenken
Robin Schier, Geschäftsführer des Protestantischen Kindergartenverbands Landau und Umgebung, verweist darauf, dass die Neuregelung noch nicht schriftlich fixiert ist, damit auch keine Details vorliegen, um zu wissen, worauf man sich einzustellen hat. „Wir haben aber Bedenken“, betont Schier auf Anfrage, dessen Verband Träger von 19 Kitas ist. Sollte die Quarantäne für Kita-Kinder entfallen, könnten die Betreuungszeiten wohl nicht mehr aufrechterhalten werden.
Bislang sei es zu verkraften, wenn eine Fachkraft nach einem Corona-Fall fehlt. Dann sind auch weniger Kinder zu betreuen. Sollte aber nun die Neuregelung inkraft treten, könnte ein Teil der Kinder schon am darauffolgenden Tag wieder zu ihren Spielkameraden. Der personelle Ausfall im Team würde sich dann stärker bemerkbar machen und nur schwer zu kompensieren sein.
Elternschaft gespalten
Schon jetzt sei es schwierig, die Betreuungszeiten zu gewährleisten. Es gebe es immer wieder Kräfte, die erkältungsbedingt ausfallen, oft auch für längere Zeiträume. In einer größeren Kita wurde deshalb mit den Eltern vereinbart, sich vorübergehend nur um jene Kinder zu kümmern, bei denen es wichtig ist beziehungsweise wenn deren Familien die Betreuung nicht anders bewerkstelligen können. Nur so reiche dort das Personal aus, um von morgens bis spätnachmittags da zu sein. In anderen Kitas gibt es andere Lösungen. „Wir müssen einen Riesenpagat zwischen dem Betreuungsanspruch und den tatsächlichen Umständen meistern“, sagt Schier. Ziel sei es, den Rechtsanspruch der Eltern auf die durchgehende siebenstündige Betreuung ihrer Kinder samt eines Mittagessens aufrechtzuerhalten.
Christian Strecker vom Kreiselternausschuss SÜW teilt mit: „Die Elternschaft ist gespalten.“ Manche berufstätige Mütter und Väter sehnten die Neuregelung herbei. Sie hätten dann nicht mehr zu befürchten, dass sie mehrere Tage fehlen oder von zu Hause arbeiten müssen, weil sie ihre Kinder betreuen müssen. Andere Eltern haben hingegen Angst, dass nun die Infektionsgefahr in den Kitas steigt. Strecker: „Uns Eltern überrascht generell, wie schnell die Regelungen geändert werden.“ Für manche Familien sei es schwierig, sich immer wieder an neue Bedingungen anzupassen.
Kritik an Trefferquote von Schnelltests
Es wird nämlich oft über die Zuverlässigkeit der Schnelltests geklagt. Bei manchen Kindern schlugen sie selbst dann nicht an, wenn ihre Infektion per PCR-Test bestätigt worden war. Das war im Sommer vergangenen Jahres so, nach einem Corona-Ausbruch in der Kita Walsheim-Knöringen. Auch kürzlich nach positiven Fällen in einer Landauer Einrichtung wurde die Trefferquote der Schnelltests bemängelt.
Claudia Theobald vom Verband der Kita-Fachkräfte kann nicht verstehen, wieso Kita-Kinder nur einen Schnelltest benötigen, Schüler dagegen fünf. Es sei doch bekannt, dass sich Infektionen auch erst nach Tagen bemerkbar machen. Ihr Vorschlag: kleinere Gruppen bilden. Dann müssten zwar die Betreuungszeit verkürzt werden, um es personell stemmen zu können. Dadurch verringere sich das Infektionsrisiko aber um ein Vielfaches. „Das Ganze müsste mit einer Teststrategie gepaart werden, welche das Land für Kitas bislang hat vermissen lassen.“
