Landau
Kinder finden Heroinspritzen auf Spielplatz
Vor den Corona-Lockdowns war ein Anwohner der Thomas-Nast-Straße öfter mit seinen Kindern auf dem angrenzenden Spielplatz unterwegs. Entsprechend hätten die Kleinen sich auch gefreut, als sie diesen nach den Lockerungen im Sommer wieder betreten durften. „Seit man wieder ein bisschen rausgehen kann, liegen dort aber immer häufiger Heroin-Spritzen herum. Meine Kinder haben sie gefunden und mir gezeigt“, sagt der Anwohner besorgt. Nach seinen Beobachtungen habe seit dem Sommer auch der Konsum von Marihuana auf dem Spielplatz zugenommen. Seine Kinder würden das mitbekommen und fragen, was das ist. „Was soll ich da sagen“, fragt sich der Mann, der auch immer wieder Drogenhandel beobachte.
Auch wenn er betont, dass er die Konsumenten nicht per se verurteilen möchte – eine Sucht sei schließlich nicht einfach zu bekämpfen – so mache er sich doch Sorgen: „Hier geht es um unsere Kinder, die lebensgefährlichen Gefahren ausgesetzt sind. Ich würde mir wünschen, dass endlich mal Ruhe einkehrt.“
Polizei bleibt unsichtbar
Für Ruhe müssen seiner Meinung nach die Polizei und das Ordnungsamt sorgen. Diese würden aber immer zu ungünstigen Zeiten patrouillieren – also vormittags oder abends, wenn keine Konsumenten vor Ort seien. Dem entgegnet Stadtsprecherin Sandra Diehl auf Anfrage: „Der gesamte Park wird regelmäßig und vor allem zu verschiedenen Zeiten von uns bestreift. Er ist ein fester Bestandteil der Nordstadt-Streife unseres Vollzugs – gerade weil wir wissen, dass es dort hin und wieder Probleme gibt.“ Diese Probleme gebe es aber in der Regel mit dem Konsum von Alkohol.
Bei Drogenkonsum sei die Polizei der richtige Ansprechpartner. Wieso aber sieht der Anwohner dann so selten Polizeistreifen? „Wir treffen dort Maßnahmen, die für Außenstehende nicht sichtbar sind. Das wäre sonst zu einfach“, erklärt Sebastian Burkhard, Sprecher der Polizeidirektion Landau.
Berufsschüler kiffen in der Pause
Die Problematik ist der Polizei bekannt. Anfang August sei bei der Kriminalpolizei ein ähnlicher Fall gemeldet worden, wie Burkhard verrät. Damals sei eine gefundene Spritze fachgerecht entsorgt worden. Ob sich darin Heroin oder ein anderes Betäubungsmittel befand, sei nicht untersucht worden. Finde man jedoch öfter Spritzen, müsse aber davon ausgegangen werden, sagt Burkhard.
Auch Johanna Dreisigacker, seit etwa drei Jahren Streetworkerin der Stadt, ist oft auf dem Thomas-Nast-Spielplatz unterwegs. „Es gehen immer wieder Schüler von der Berufsschule in den Park, um in den Pausen Alkohol oder Marihuana zu konsumieren“, sagt sie. Das Problem habe sich in den vergangenen Jahren jedoch gebessert. Über die Funde der Heroinspritzen wundert sich Dreisigacker ein bisschen: „Heroin ist in Landau eigentlich nicht mehr verbreitet. Man kann sich auch andere Drogen spritzen.“
Menschen akzeptieren, wie sie sind
Dreisigacker hat viel mit drogenabhängigen Obdachlosen in Landau zu tun. Ihre Aufgabe ist es, mit ihnen zu sprechen und sie zu unterstützen. Dabei sei es wichtig, die Menschen so zu akzeptieren, wie sie sind. „Sucht ist eine Krankheit. Wenn jemand davon nicht loskommen will, dann können wir auch erstmal nichts machen“, sagt sie. Gemeinsam mit einer Kollegin leistet sie akzeptierende Arbeit, hilft den Konsumenten durch Substitutionsverfahren oder vermittelt sie an Drogenberatungsstellen.
Der Drogenkonsum von Obdachlosen habe sich ihrer Meinung nach aber nicht nur im Thomas-Nast-Park gebessert. Ohnehin seien in den vergangenen Jahren eher Ost- und Goethepark sowie der Bahnhof die Haupttreffpunkte Landaus. „Im Ostpark haben sich früher viele nicht getraut durch zu gehen. Nach einer großen Razzia gibt es dort aber nur noch vereinzelt Probleme.“
Rauschgiftfälle sinken im Stadtgebiet
Die Fallzahlen der Rauschgiftkriminalität der Polizeidirektion Landau sind in den vergangnen drei Jahren in etwa gleich geblieben. 2018 (1082 Fälle) und 2019 seien die Zahlen leicht gestiegen aufgrund laufender Verfahren der Ermittlungsgruppe Ostpark, wo offener Cannabishandel betrieben wurde. 2020 (1118 Fälle) hätten vermehrt Kontrollen im Verkehrsbereich zu ähnlichen Zahlen geführt. Die Rauschgiftkriminalität im Stadtgebiet ist zwischen 2018 (319 Fälle) und 2020 (242 Fälle) aber gesunken.
Burkhard betont, dass die Bekämpfung der Drogenkriminalität einen großen Teil der Landauer Polizeiarbeit einnehme. Auch wenn der Thomas-Nast-Park nach polizeilichen Kontrollen nicht als Drogenschwerpunktplatz gilt, kann Burkhard die nachvollziehen, dass die Problematik eine Belastung für die Anwohner ist. „Die kriminellen Strukturen aufzudecken, ist aber ein langer Prozess. Die Treffpunkte verlagern sich immer in der Stadt. Deshalb brauchen wir Hinweise wie den des Anwohners in der Thomas-Nast-Straße“, sagt er.