Landau
„Keine wirtschaftliche Schieflage“ bei Studierendenwerken
„Zwar ist aufgrund des digitalen Sommersemesters die Nachfrage nach Mensaessen und Wohnheimplätzen stark gesunken, nach genauer Prüfung der betriebswirtschaftlichen Daten ist jedoch deutlich geworden, dass gegenwärtig keine wirtschaftliche Schieflage der Studierendenwerke besteht“, heißt es in einer Pressemitteilung des Mainzer Wissenschaftsministeriums. Die Begründung für diese Einschätzung liefert das Ministerium auf Nachfrage: Ja, die Einnahmenseite sei deutlich eingebrochen, aber der größte fixe Ausgabenpunkt, nämlich die Personalkosten, sinke auch deutlich durch das Kurzarbeitergeld. Deshalb: derzeit keine Schieflage. Gleichwohl gebe es die Herausforderung, die Studierendenwerke so aufzustellen, „dass sie auch bei einer möglicherweise schwächeren Nachfrage durch die Corona-Pandemie wirtschaftlich arbeiten können“ – die Schieflage drohe also bei Auslaufen der Kurzarbeit. Das Ministerium kündigt Maßnahmen an. Diese sollen in einem Gespräch am 17. August im Mainzer Ministerium beschlossen werden. Eingeladen seien die Geschäftsführer der Studierendenwerke, die Vorsitzenden der Verwaltungsräte und der Personalvertretungen.
Was heißt wirtschaftliche Schieflage?
Der Begriff wirtschaftliche Schieflage sei zwar nicht eindeutig definiert, aber wenn die Ausgaben und Einnahmen deutlich auseinandergehen, sei dies eine Schieflage, erklärt Wirtschaftswissenschaftler Werner Sesselmeier. Die Daten, die das Werk nennt – über 96 Prozent weniger Essensverkauf in der Mensa, 40 Prozent Leerstand in den Wohnheimen – deuteten auf einen hohen Einnahmeneinbruch hin. Es seien noch Fragen offen, beispielsweise die Höhe der Fixkosten und des Fremdkapitals, aber „eine Schieflage ist mittelfristig vorstellbar“, sagt der Professor an der Landauer Uni.
Wenn die Personalkosten steigen ...
Die Stammbelegschaft sei derzeit wegen der Kurzarbeit sicher vor dem Jobverlust, sagt Andreas Schülke, Geschäftsführer des Studierendenwerks Vorderpfalz und Sprecher der Studierendenwerke im Land. Die entscheidende Frage sei, wie es nach dem Auslaufen der Kurzarbeit Ende des Jahres weitergehe. Das hänge vom Pandemiegeschehen ab und sei nicht vorhersagbar. Viele Hochschulen rechnen nur mit einer teilweisen Rückkehr der Studierenden in die Bildungseinrichtung. In Landau will man zehn Prozent der Veranstaltungen mit Präsenzpflicht anbieten, 90 Prozent sollen digital absolviert werden. Heiße für das Studierendenwerk: Die Nachfrage nach Mensa-Essen und Wohnraum erhöht sich nicht deutlich. Stiegen aber die Personalkosten wieder auf 100 Prozent, komme ein finanzielles Problem auf die Werke zu. Für diesen Fall hoffe Schülke auf Hilfe vom Land für die Studierendenwerke. Man erarbeite mit dem Ministerium ein Konzept, um betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden. „Der Übergang und die Umsetzung werden sicherlich auch finanzielle Kraftanstrengungen des Landes erfordern.“
Asta: Lippenbekenntnissen sollten Taten folgen
Die 51 Mitarbeiter seien als Saisonarbeitskräfte angestellt. Die Verträge laufen bis Ende des Sommersemesters, in normalen Jahren würden sie zum Wintersemester wieder eingestellt. Bedarf für die Mitarbeit gebe es nur, wenn die Studierenden da und die Mensen voll sind. Erhielten die Mitarbeiter nun wie üblich einen neuen Vertrag zum Wintersemester, könne man sie nicht in Kurzarbeit schicken. Dann drückten die Personalkosten voll aufs Budget.
Der Landauer Allgemeine Studierendenausschuss, der zuerst auf die Situation aufmerksam gemacht hatte, ist verwundert über die Einschätzung des Ministeriums. Aber die Studierenden sähen es positiv, dass man in Mainz finanziellen Handlungsbedarf erkannt habe. Es sei zu hoffen, „dass den Lippenbekenntnissen zukünftig auch Taten folgen werden“, sagt Vorsitzender Moritz Ranalder.
Anfang Juli war bekanntgeworden, dass sich das Studierendenwerk Vorderpfalz von 51 der 212 Mitarbeiter an den Standorten Landau, Germersheim, Worms und Ludwigshafen trennen werde. Die Verträge werden nach Ende des Sommersemesters nicht verlängert.