Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Keine Außendämmung in der Innenstadt?

An der Ringstraßen-Architektur wird auf einen Blick deutlich, dass eine Außendämmung der Fassade keine Option sein kann.
An der Ringstraßen-Architektur wird auf einen Blick deutlich, dass eine Außendämmung der Fassade keine Option sein kann.

Gibt es einen Widerspruch zwischen Klimaschutz auf der einen und Stadtbild- oder Denkmalschutz auf der anderen Seite? Nein, sagt die Stadt, beides lässt sich unter einen Hut bringen. Wärmedämmungen an historischen Fassaden bleiben deshalb verboten.

Mit einem Paukenschlag hatte der Landauer Einzelhändler Peter Postleb im Mai auf ein Problem mit dem Bauamt der Stadt aufmerksam gemacht: Erst den Klimanotstand ausrufen und dann eine nur 16 Zentimeter dicke Fassaden-Wärmedämmung verbieten, passe nicht zusammen. Postleb hatte bei der SPD Gehör gefunden, die umgehend einen Antrag auf Aufweichung der Landauer Gestaltungssatzung gestellt hatte. Die Genossen wollten geringfügige Abweichungen von der zuletzt 2013 überarbeiteten Satzung ebenso genehmigen wie Solaranlagen auf Dächern und an Fassaden.

Doch davon will die Verwaltung nichts wissen, wie Denkmalpfleger Jörg Seitz und Bauamtsleiter Christoph Kamplade am Dienstag im Bauauschuss erläuterten. Seitz warf eine Reihe von Bildern an die Wand, die Häuser in allen Teilen der Bundesrepublik vor und nach dem Anbringen einer Wärmedämmung zeigten – keine wertvollen Baudenkmale, wohl aber Zeugen des Bauens vergangener Zeiten. Dabei wies er darauf hin, welche Baudetails hinter einer solchen Dämmung verschwunden sind: Zierfachwerk, Fenstergewände, Schmuckelemente, Fassadengliederungen, Sandsteinmauerwerk oder farbige Klinker. In Deutschland seien nur vier Prozent aller Gebäude geschützt, beispielsweise durch Denkmalschutz, Bebauungspläne oder Satzungen, führte Seitz aus.

„Innendämmung zumutbar“

Kamplade sieht die Bau- und Stadtkultur in Gefahr, wenn solche Sanierungen Schule machen sollten. Vor allem aber argumentiert er aus einer anderen Richtung: Klimaschutz und Stadtbildpflege seien keine Gegensätze, der vermeintliche Konflikt sei lösbar. Bauherren könnten auf eine Außendämmung verzichten, indem sie fast gleichwertige Alternativen umsetzten, beispielsweise eine Innendämmung anbrächten. Das könne „ein paar Euro teurer“ werden oder auch ein paar Quadratmeter Nutzfläche kosten, sei aber zumutbar. Die Wohnungsbaugesellschaft der Stadt hat dies zum Beispiel in der neuen Kita Ponyhof im Wohnpark am Ebenberg so gehandhabt, um das äußere Erscheinungsbild des ehemaligen Pferdestalls möglichst zu erhalten. Es gebe aber auch andere Möglichkeiten der energetischen Ertüchtigung von Gebäuden.

Kamplade will Bauherren intensiv beraten und begleiten lassen, um ihnen andere Möglichkeiten der Energieeinsparung aufzuzeigen. Eine einfache Liberalisierung der Altstadtsatzung würde dagegen keinen Beitrag zum Klimaschutz leisten, aber sie würde das für Landau extrem wichtige Stadtbild gefährden.

Verwaltung warnt vor Bauschäden

Die Verwaltung weist auch darauf hin, dass Außendämmungen zwar von der Industrie stark beworben würden, dass bei der Produktion der Dämmstoffe aber oftmals so viel Energie eingesetzt werde, dass das Ziel der CO-2-Einsparung ad absurdum geführt werde. Und insbesondere bei Gebäuden aus den 1960er- und 1970er-Jahren könne die Außendämmung sogar zu Bauschäden führen, die die Lebensdauer der Gebäude drastisch verringere.

Auch für Solaranlagen in der Altstadt will die Verwaltung keine Lockerung der Regeln. Grundsätzlich seien sie zugelassen, und für Härtefälle gebe es Ausnahmemöglichkeiten. Mit einer guten Beratung könne auch für solche Anlagen eine passgenaue Lösung gefunden werden.

SPD-Fraktionschef Florian Maier zeigte sich nicht überzeugt. Eine Innendämmung sei immer nur die zweitbeste Lösung, die Verwaltung sei nicht besser als Energieberater, Solaranlagen seien in der Innenstadt bisher erfolgreich verhindert worden. Er bezeichnete den Beschlussvorschlag der Verwaltung, wonach die Satzung so bleiben soll wie bisher, als unrichtig, nicht angemessen und nicht klimafreundlich. Es sei „totverwaltet“. Den Bauausschuss überzeugen konnte er aber nicht.

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Verdämmt noch mal

Die Debatte über Wärmedämmungen und Solaranlagen einerseits und der Altstadtsatzung andererseits ist in die Hose gegangen. Beim Für und Wider Wärmedämmung haben die SPD auf der einen und die Verwaltung mitsamt Koalition auf der anderen Seite gewaltig aneinander vorbei diskutiert.

Völlig richtig ist, dass man in alten Städten wie Landau Außendämmungen von Fassaden nicht einfach zulassen kann, Klimaschutz hin oder her. Wenn all das, was unsere Vorfahren an Architekturdetails ersonnen und gebaut haben, hinter dicken Styroporschichten verschwindet, dann schaut man nicht mehr auf ein in Würde gealtertes Stadt-Antlitz, sondern in eine geliftete, glattgezogene und austauschbare Allerweltsvisage.

Aber das hatte die SPD auch weder beabsichtigt noch beantragt. Sie wollte „geringfügige Abweichungen von den Festsetzungen“ der Altstadtsatzung zulassen, jeweils als Einzelfallentscheidung von Bauausschuss oder Stadtrat. Der Auslöser dieser Forderung war ein eher unscheinbares Wohn- und Geschäftshaus ohne besondere Architektur, das zwischen seinesgleichen steht, nicht etwa neben einem Gründerzeit-Juwel. Bei diesem ziemlich sachlichen Bau wäre es nur um jene 16 Zentimeter gegangen, die die gedämmte Fassade künftig vorspringen würde. Das allein ist kein Drama, weil es in der Nachbarschaft bereits leichte Fassaden-Vor- und Rücksprünge gibt, vor allem aber deshalb nicht, weil der Bauherr angeboten hat, im Gegenzug ein weit vorspringendes modernes Vordach zu beseitigen.

Die Absicht der Stadtverwaltung, das Stadtbild zu schützen, ist völlig richtig, aber das Ergebnis der Debatte ist es nicht. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Florian Maier hat recht mit seiner Kritik: „totverwaltet“. Letzten Endes dürfte es darum gegangen sein, dass sich die Verwaltung nicht von Rat oder Ausschuss reinreden lassen will.

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