Landau Keine Angst vor 480 PS und engen Kurven
HAGENBACH. Silke Zangmeister aus Hagenbach ist eine echte Powerfrau. Ihren 38-Tonner Diesel samt den 480 Pferdestärken beherrscht sie mindestens ebenso gut, wie jeder Durchschnittsfahrer seinen Kleinwagen.
„Er fährt’n 30 Tonner Diesel – und ist die meiste Zeit auf Tour. Und gibt dabei sein Bestes, Tag für Tag rund um die Uhr“. Wer erinnert sich nicht an Gunter Gabriels Song für alle Truckerfahrer auf den Asphaltpisten Europas. Doch die Zeiten ändern sich – „er ist ein Kerl ein ganzer Mann, und sein Zuhause ist die Autobahn“, das war einmal. In dieser Männerdomäne sind längst einige Frauen zuhause, nicht unbedingt um Emanzipation, Selbstbewusstsein oder Gleichberechtigung zu demonstrieren, sondern weil solche „Kraftwagen“ mit viel Geschick und bestem Orientierungsvermögen auch von zarten Frauenhänden gelenkt werden können. Wie eben von Silke Zangmeister. Dabei entzündete sich ihre Liebe zu diesen großen Brummis natürlich nicht an Gunter Gabriels Loblied, denn seit der Hitparade 1974 ist viel Dieselruß durch den Auspuff geweht, und Silke war damals erst zarte 12 Jahre alt. Ihre ersten Erfahrungen machte sie auf Fahrzeugen aushilfsweise im Baugeschäft ihres Vaters. Beruflich hat es sie jedoch mehr zu den schönen kreativen Tätigkeiten hingezogen. „Als Damenschneiderin in Bad Bergzabern konnte ich mit modischen Kleidern und ausgefallenden Accessoires meine anspruchsvollen Kundinnen glücklich schneidern, und andererseits mich im eigenen Atelier auch selbst verwirklichen.“ Doch der zunehmende Trend, Kleider von der Stange zu kaufen, und eine Scheidung machten dieser Selbstständigkeit ein Ende und Silke Zangmeister musste sich umorientieren. Nach zwei Jahren Fabrik-Näherin entschloss sie sich für die große Freiheit, allerdings nicht europa- sondern nur deutschlandweit, „abends möchte ich im eigenen Bett liegen“. Eintrittskarte ins Truckerleben waren der CE- und der Bus-Führerschein. Nach einigen Jahren nächtlicher Postfahrten von Nord nach Süd fährt sie inzwischen für ihren Karlsruher Arbeitgeber regelmäßige Touren zu Kunden in ganz Süddeutschland. Dass um ein Uhr nachts bereits der Wecker klingelt, findet sie gar nicht so schlimm. „Nachts sind die Straßen leerer und Glatteis kommt erfahrungsgemäß oft erst gegen Morgen.“ Doch auch bei winterlichen Wetterkapriolen, wie kürzlich im Januar Schneeverwehungen auf der A 81 Richtung Singen, weiß sich Silke mit Schneeketten unter den Antriebsreifen sehr wohl zu helfen. Und für einige junge Kollegen, die mit ihren LKWs bereits an den Steilstrecken hingen, hatte sie nur ein mitleidiges Lächeln und den Ratschlag: „Jungs, immer Schneeketten mitnehmen.“ Umgekehrt muss sich die attraktive 54-Jährige natürlich auch manch markige Männersprüche anhören, wenn sie mit wehenden schwarzen Haaren aus der Kabine steigt, oder mit Krafteinsatz ihre Frachten ein- und auslädt. Über Sätze wie: „Das kann wohl nicht wahr sein“, oder „zeig’ mal, ob du auch unter den Auflieger fahren kannst“, ist sie höchstens amüsiert. Ansonsten kann sie weder ein Verkehrsstau noch eine enge Kurve im Kreisverkehr aus der Ruhe bringen. Auch bei engen Einfahrten die Nerven bewahren, oder rückwärts einparken, alles kein Problem. Technische Probleme gibt es kaum, zumal große Fahrzeuge heute mit Automatikgetriebe sowie viel Fahr- und Sicherheitstechnik ausgestattet sind. Einzig und allein vor Wildunfällen hat sie Scheu, „die sind einfach unberechenbar“. Von ihrem Beruf schwärmt sie, denn für sie bedeutet es Freiheit, durch sonnige verschneite Landschaften zu fahren, dabei Musik zu hören. Das hört sich anders an als Gunter Gabriels „große lange Straße der Einsamkeit und das Zuhause ist die Autobahn“. Silke Zangmeister fühlt sich weder einsam, weil sie ihre Strecken und Kunden kennt, noch bezeichnet sie die Autobahn als ihre Heimat. „Das ist meine Familie in Hagenbach und das passt auch prima mit den Arbeitszeiten zusammen.“ |bp