Landau / SÜW RHEINPFALZ Plus Artikel Kein Public Viewing zur Fußball-WM

Im Jahr 2018 war das neue Messegelände in Landau anlässlich der Weltmeisterschaft in eine Fußball-Arena verwandelt worden.
Im Jahr 2018 war das neue Messegelände in Landau anlässlich der Weltmeisterschaft in eine Fußball-Arena verwandelt worden.

Bald rollt der Ball auf der großen Fußballbühne. Dann kämpft die deutsche Elf bei der Weltmeisterschaft in Katar um den Titel. Zu einer ungewöhnlichen Zeit: Statt im Sommer ist das Ereignis im Winter.Warum die Spiele hier nicht gemeinsam verfolgt werden können.

Die Fußball-Weltmeisterschaft werden Südpfälzer wohl nur im heimischen Wohnzimmer verfolgen. Das Massen-Mitfiebern vor einer Großbildleinwand wird es Stand heute weder in der Stadt Landau noch im Landkreis SÜW geben. Und das hat nicht nur mit den kühleren Temperaturen zu tun. Sind solche Ereignisse doch in der Regel nur im Sommer, wenn es die Menschen nach draußen auf öffentliche Plätze oder in die Lokale und Biergärten zieht. Wenn das Ereignis für ein Massenpublikum übertragen werden sollte, dann eher in Hallen oder Dorfgemeinschaftshäusern.

Aber da die Supermarkt-Regale im Herbst wieder mit Lebkuchen und Glühwein bestückt wurden, wird mehr an Weihnachten als an solch ein großes internationales Fußballturnier gedacht. Dass selbst bei eingefleischten Anhängern keine Stimmung aufkommt, liegt nicht zuletzt auch an den gesellschaftlichen Bedingungen in Katar, dem Gastgeberland der WM. Es steht wegen Menschenrechtsverstößen und des Umgangs mit Gastarbeiten in der Kritik.

Viele Krisen, keine Feier

So haben sich bereits einige französische Städte wie Straßburg und Lille gegen die als Public Viewing bezeichneten Veranstaltungen entschieden. Für Alexander Kurz vom Edenkobener Cateringunternehmen und Veranstaltungsprofi Gaumenfreunde Event GmbH ist das eine der Gründe, nicht tätig zu werden. „Die Situation in Katar ist natürlich nicht schön, das muss man nicht unterstützen“, betont er auf Anfrage der RHEINPFALZ.

Kurz hatte noch bei der Fußball-Europameisterschaft im vergangenen Sommer auf dem Landauer Untertorplatz eine Großbildleinwand aufgebaut, um die Spiele für die Masse öffentlich zu übertragen – trotz Corona-Auflagen. Es diente wie ein Testlauf für andere Feste, das angenommen wurde. Allerdings konnten die Besucher damals im Freien mit ausreichend Abstand zueinander Platz nehmen. „Eine Veranstaltung unter freiem Himmel bei diesen Temperaturen wird vermutlich nicht so gut angenommen werden“, ist Kurz überzeugt. Zumal nicht klar ist, ob und welche Einschränkungen diesen Winter zu erwarten sind. Zwar könnte das Public Viewing auch in einem beheizten Zelt stattfinden, doch dafür würde wiederum Energie benötigt. Und die ist nicht nur teurer geworden, sondern soll derzeit eingespart werden, weshalb Kommunen genauer auf den Verbrauch achten.

Der größte Veranstalter von Events ist in Landau die Eventschmiede von Timo Gerach. Im Sommer gibt es auf dem neuen Messegelände immer mindestens eine Aktion des Landauers - wenn Corona mitspielt. Großveranstaltungen müssen monatelang vorbereitet werden, erklärt Gerach. Dabei muss ein Veranstalter finanziell in Vorleistung treten. Aber: Stand heute gebe es immer noch keine verbindlichen Regeln seitens der Politik für Veranstaltungen in vier Wochen. Folglich kann nichts geplant werden.

„Kein Boykott-Gedanke“

Die Stadt Landau wird nicht einspringen, sie wird kein Public Viewing auf die Beine stellen: „Allerdings haben wir das bei vorangehenden unverfänglichen Fußballfesten im Sommer auch nicht getan“, teilt Stadtsprecherin Sandra Diehl mit. Und bislang gab es weder bei der Stadt Landau noch bei der Kreisverwaltung SÜW eine Anfrage, eine öffentliche Fläche für Public Viewing zu nutzen. Wenn eine Veranstaltung angemeldet würde, werde sich in Landau der Stadtvorstand mit der Frage beschäftigen, ob sie zugelassen wird oder nicht. „Dann müssten viele Aspekte berücksichtigt werden, etwa die Energie- oder Corona-Krise“, teilt Diehl mit. Geklärt werden müsste beispielsweise auch, wie das Ereignis in die Vorweihnachtszeit in Landau passen würde. Der Boykott-Gedanke spiele dementsprechend in erster Linie keine Rolle.

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