Landau „Jeder ist für jeden da“
Bad Bergzabern. Seit Anfang November vergangenen Jahres ist Helga Schreieck neue Leiterin im Haus der Familie. Eine berufliche Neuorientierung für die 40-Jährige, die zuvor ehrenamtlich in der protestantischen Kirchengemeinde tätig war. Nach den obligatorischen „100 Tagen Welpenschutz“ erzählt Schreieck im Gespräch mit unserer Mitarbeiterin Vera Allmann-Stübinger, wie sie sich im neuen Job eingelebt hat und welche Ziele sie sich gesteckt hat.
Danke, sehr gut. (lacht) Die neue Arbeit ist aufregend. Es ist viel zu tun und es macht Spaß. Im Sommer 2015 war die Zeit der Veränderung für mich gekommen. Als ich von der vakanten Stelle hörte, sagte ich sofort zu. Seit 2008 bin ich Presbyterin und war eine der Mitinitiatoren des Projekts „Mahlzeit – die Bergzaberner Suppenküche“. Das machte mir die Überlegungen zu dieser Entscheidung leichter. Sie waren beim SWR-Radio, Standort Landau, engagiert und ständig unterwegs. Wie sehen Sie nun diese Aufgabe im Vergleich? Erst mal bin ich froh, dass mein Arbeitsplatz nahe an meinem Zuhause liegt. Das genieße ich, da ich früher ständig unterwegs war. Seit 2001 bin ich für das SWR-Radio als Korrespondentin unterwegs. Irgendwann hatte ich das Gefühl, ich bräuchte mal eine andere Aufgabe für mich. Es war alles immer ein wenig hektisch, wenn ich fast jeden Tag über zwei Stunden auf der Autobahn verbracht habe. Ich liebe diesen Beruf, aber ich wollte eine Veränderung. Wie gehen Sie diese neue Aufgabe an? Ehrlich gesagt, ich habe immer gesagt, der Radio-Job sei stressig. (schmunzelt) Doch da hatte ich immer meine Schlusspunkte nach jeder Reportage – kurz: meinen Feierabend. Hier ist die neue Herausforderung im Umgang zum Beispiel mit Bedürftigen und Flüchtlingen, die Fragen, Ängste haben, groß. Die Aufgaben im Umgang mit den Behörden sowie das fehlende Stück Geborgenheit vermitteln, das alles nehme ich sehr gern an. Es ist wichtig, aber auch zeitaufwendig. Mir gefällt die ausgeprägte Gemeinschaft im Haus der Familie, die Zusammenarbeit, sehr gut. Jeder ist für jeden da. Sie sind verheiratet und haben zwei Kinder. Was sagt Ihre Familie zu Ihrem neuen Job? Ich arbeite 50 Prozent. Leider reicht das meist nicht aus. Mein Mann hätte gern schon mal, dass mein Handy nach Feierabend schweigt. Dem ist aber nicht immer so. Dafür liebt meine jüngste Tochter Frieda meine neue Arbeitssituation. Sie hilft manchmal beim Tischdecken im Haus der Familie, wenn die „Mahlzeit-Termine“ sind. Ich finde, das Kennenlernen von Menschen aus anderen Kulturen ist gut für die Herzensbildung. Sie sind für ein Jahr in dieser Beschäftigung. Wissen Sie, was danach kommt? Wollen Sie hier bleiben oder wieder zurück auf die „Piste“? Ich habe ein Sabbatjahr, eine Auszeit vom Beruf, in Anspruch genommen. Meine Stelle als Korrespondentin für das SWR-Radio besteht weiterhin. Die Arbeit und das Helfen an der „Basis“ haben mich gereizt am neuen Engagement. Wir haben noch so viel vor. Ehrlich gesagt – ich weiß es noch nicht. Dieses Jahr will ich mit den vielen ehrenamtlichen Helfern füllen und mich dann entscheiden.