Bad Bergzabern Jean-Yves Dousset: Meister des Scherenschnitts bei der Buchlese

Kaum zwei Minuten brauchte Jean-Yves Dousset für seine kleinen Kunstwerke.
Kaum zwei Minuten brauchte Jean-Yves Dousset für seine kleinen Kunstwerke.

Die Buchlese ist in vollem Gange. Und mit einer Veranstaltung aus der Reihe getanzt. Denn Jean-Yves Dousset kam mit Schere, Papier und sehr viel Charme. Und einem Rekord.

Mehr als 30 Gäste nehmen etwas mit nach Hause, das man sonst nirgendwo bekommt. Die Buchhandlung „Lesezeit“ ist Schauplatz der ungewöhnlichen Aktion, bei der das Profil der Besucher im Vordergrund steht. Vor und mit ihnen arbeitete der Künstler Jean-Yves Dousset. Sein jeweiliges Modell steht aufrecht und möglichst reglos mit dem Profil zu ihm, dann greift der Scherenschnittkünstler zur Schere und einem kleinen Stück schwarzen Karton. Er wiegt sich hin und her, geht mal näher mal weiter weg und schneidet sehr schnell an dem Stück Papier, das er immer wieder dreht, da und dort kurz hineinschneidet, das Papier weiterdreht und sorgfältig einen Mund, eine Nase oder eine Haarlocke herausformt. Manchmal holt er mit dem Arm weit von rechts nach links oder von oben nach unten aus.

Im Guinness-Buch der Rekorde

Welchem Muster Jean-Yves Dousset folgt, kann der Laie nicht nachvollziehen, es geht zu schnell. „Manchmal brauche ich eine Minute, manchmal drei“, sagt Dousset. Es geht ruckzuck und fertig ist der Scherenschnitt, der erkennbar das Gesicht der jeweils vor ihm stehenden Person abbildet, mit Brille, mit Locken, Hochfrisur, kurzen Haaren oder Hut. Seit Jahrzehnten fertigt der 1945 in der Bretagne geborene Künstler Scherenschnitte, Zehntausende müssen es gewesen sein, meint er. Und dass es viel Übung war und ist. Die 1983 mit einem Eintrag in das Guinness-Buch der Rekorde honoriert wurde. 225 Scherenschnitte in zwei Stunden und zwei Minuten fertigte Dousset damals. Er wurde oft für diverse Feiern gebucht und hat viele Prominente mit dieser sehr alten Papierkunst festgehalten.

In Bad Bergzabern wirkt er einerseits hochkonzentriert, aber trotzdem locker und entspannt. Sein Scherenschnitt ziert auch die Jubiläumsmarke der Deutschen Zuckerindustrie von 1992, die die Deutsche Bundespost damals drucken ließ.

Jean-Yves Dousset hat ein abwechslungsreiches Leben geführt. Nicht nur als Meister des Scherenschnitts und der Porträt-Karikaturen, auch als Musiker und Dichter. Seine Kindheit hat er in der Bretagne verbracht, mit 14 Jahren begann er eine Lehre als Bäcker. 1965 trat er wegen seines Interesses an Schriftstellern wie Victor Hugo oder Baudelaire, die stark von der deutschen Romantik beeinflusst waren, in die französischen Streitkräfte ein. Er wurde nach Trier versetzt, wo er die Zeit beim Militär für literarische Studien nutzt. 1971 verließ er die Streitkräfte und zog nach Berlin, verdiente unter anderem auf dem Kurfürstendamm mit seinen Scherenschnitten und Karikaturen Geld. Und lernte 1979 Gaston, den Straßenmusiker, kennen. Eine Freundschaft, die bis heute hält und keiner der beiden konnte damals wissen, dass sie beide einmal in Weißenburg wohnen sollten, Jean-Yves Dousset seit 2010. „Wir haben uns nie aus den Augen verloren“, sagt Gaston, der bei der Buchlese dabei war. Er bietet heute Flammkuchen und Crêpes auf Mittelaltermärkten an.

Ein Multitalent

Jean-Yves Dousset ist ein Multitalent, er hat unter anderem drei zweisprachige Gedichtbände verfasst. Wie die „WissemTour“, einen speziellen Reiseführer durch seine Stadt. Eine kleine Kostprobe: „Die Leute von hier mit denen von dort zu vermengen ist der Wochenmarkt besser geeignet als der Supermarkt. Und wenn einer von denen euch angerempelt hat, kann das der Anfang eines großen Glücks sein“. Seine Frau Susanne Dousset ist Mitglied des Organisationsteams der Buchlese. „Es geschah in Recklinghausen“, sagt sie lachend auf die Frage, wo sie ihren Mann kennengelernt hat.

Gut 300 Euro sind an diesem Nachmittag zusammengekommen, das heißt etwa 30 Besucher durften einen Scherenschnitt von ihrem Profil mit nach Hause nehmen. Der Erlös ist für die Buchlese im kommenden Jahr bestimmt, die dann ihr 25-jähriges Bestehen feiert.

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