Landau Interview: Mensch braucht Begegnung

Die alternde Gesellschaft bedingt immer stärkeres Engagement. Neben vielen ehrenamtlichen Helfern, die Seniorenmittage organisieren oder Einkäufe und Arztfahrten erledigen, setzen manche Organisationen auch auf hauptamtliche Kräfte. So im protestantischen Dekanat Bad Bergzabern, wo Rainer Brunck seit zwei Jahren Seniorenbeauftragter ist. Über seine Arbeit haben wir mit ihm gesprochen.
Auf meine Erfahrung kann ich diesbezüglich noch nicht zurückgreifen, eher auf meine Empathie. Ich kann mich ansatzweise einfühlen und auch reindenken, wie sich ein alter Mensch empfindet. Durch viele Gespräche und Besuche habe ich verschiedene Einschränkungen des Alters „erlebt“ und traurige Aussagen über das Alter zu hören bekommen. Im Dekanat BZA gibt es Initiativen, wie das Seniorenbüro oder das Erzählcafé. Warum bieten Sie so etwas an? Wir möchten, dass Menschen, solange es irgendwie geht, zu Hause in ihrem gewohnten Umfeld selbstständig leben können. Deswegen bieten wir verschiedene Unterstützungshilfen zu Hause an. Das kann Essen auf Rädern sein oder eine Einkaufsfahrt, oder eine Begleitung zum Arzt oder eben eine Koch-Unterstützung ... Außerdem versuchen wir, individuell auf die Bedürfnisse der Senioren einzugehen. Deswegen haben wir auch im Oktober das ZAS-Büro Rat & Tat gegründet, wo auch kleine Hilfen gegen Entgelt gebucht werden können. Stichwort Seniorentreffen. Warum bieten Sie die eigentlich an? Der Mensch ist ein soziales Wesen, da ist es gleich, welches Alter er hat. Er braucht die andern, er muss sich austauschen, er braucht Rückmeldung, er braucht Begegnung. Dies versuchen wir mit unseren Angeboten zu gewährleisten. Welche Senioren kommen überhaupt, sind das überwiegend Alleinstehende? Wir haben bisher darüber noch keine Erhebung gemacht, aber meiner Einschätzung nach haben wir viele Alleinstehende und Witwen; für sie ist es sehr wichtig, den Kontakt zu anderen zu pflegen. Der Alltag muss auch für sie Abwechslung bieten, deswegen kommen sie ganz gerne zu unseren Treffen. Bieten Sie bei den Treffen auch ein Programm an oder werden die älteren Herrschaften nur verköstigt und gut ist? Wir versuchen, mit unserem Treffen die Menschen ganzheitlich anzusprechen und ihre Bedürfnisse ganzheitlich abzudecken. Es gibt neben Gaumenfreuden auch etwas für die Seele und den Geist, manchmal auch eine „sportliche“ Einheit für den Körper. Bewegung ist auch im Alter wichtig: „Wer rastet, der rostet“. Dem wollen wir etwas entgegensetzen! Herr Brunck, Sie waren bis vor zwei Jahren Familienreferent, haben sich dabei um die jungen Menschen in unserer Gesellschaft gekümmert. Gibt es nun – bis auf das Alter – einen großen Unterschied bei ihrer Arbeit mit alten Leuten, wenn ja, welcher? Die Arbeit mit älteren Menschen ist einfach anders, weil sie in einer ganz anderen Lebenssituation stecken. Die Arbeit mit ihnen ist oft für mich persönlich auch ein Gewinn. Sie sind überaus dankbar, wenn man sich ihnen zuwendet. Sie freuen sich über kleine Abwechslungen und Späße. Sie hören auch gerne zu und sind auch für tiefgreifende Gespräche empfänglich. Wenn Sie einmal alt sind, werden Sie dann auch zu Seniorentreffen gehen? Wenn es solche oder ähnliche Angebote gibt, werde ich sie sicherlich auch wahrnehmen. | interview: robert b. wilhelm