Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Intensivmedizinische Versorgung verbessert

Chefarzt Dirk Piorko in einem der neuen Zimmer.
Chefarzt Dirk Piorko in einem der neuen Zimmer.

Das Vinzentius-Krankenhaus in Landau hat einen weiteren großen Schritt bei seiner 35 Millionen Euro schweren Rundum-Erneuerung getan: Die neue Intensivstation ist fertig. Davon profitiert die ganze Südpfalz. Licht und Farben spielen eine große Rolle.

Es sind die schweren Fälle, die auf der neuen Intensivstation ankommen. In der Regel mit Blaulicht, oft auch mit dem Rettungshubschrauber, der auf dem Dach der Klinik landet. Dann rollt eine medizinische und pflegerische Betreuung an, die stark von Technik geprägt ist und Patienten und Angehörigen Angst machen kann. Dem setzt das Vinzentius-Krankenhaus der Caritas Trägergesellschaft Saarbrücken (CTS) schon mit der Gestaltung der komplett erneuerten Station elf etwas entgegen: mit einem Farbkonzept, das mit erdigen und lilafarbenen Tönen, mit den Umrissen von Lavendelpflanzen auf Glastüren und mit Holzoptik der großen Schiebetüren zu den Patientenzimmern eine beruhigende Stimmung schaffen soll. Und mit Lichttechnik, die Chefarzt Dirk Piorko demonstriert. Die Beleuchtung der Patientenzimmer ahmt den natürlichen Wechsel des Tageslichts draußen nach, von der Morgenstimmung über Sonnenschein zur Mittagszeit bis hin zum warmen Licht am späten Nachmittag. Den Notfallschalter für volle Beleuchtung gibt es allerdings auch.

Schwieriger Umbau bei laufendem Betrieb

Mehrere Jahre lang hat die Klinik an der Station geplant und gebaut, im laufenden Betrieb. Das ist logistisch ebenso eine Herausforderung wie durch Lärm und Staub. Jetzt stehen nach einer Teileröffnung schon 2021 alle 16 Intensivbetten zur Verfügung, die meisten in Zweibettzimmern, vier aber auch in Einzelzimmern, die mit einer zusätzlichen Eingangsschleuse versehen sind. Geplant war dies schon vor Covid, aber die Pandemie hat den Bedarf drastisch aufgezeigt, wie Joachim Gilly, der stellvertretende Geschäftsführer, anmerkt. Auch bei multiresistenten Keimen werden Patienten in diesen Zimmern betreut.

Neben jedem Bett findet sich eine Säule mit Spritzenpumpen, die die Patienten automatisch mit den benötigten Medikamenten versorgen. Es gibt ein Dialyse- und ein Beatmungsgerät sowie zwei Monitore zur Überwachung aller Patientenwerte, die neben den Betten hängen. Und es gibt ein großes Maschinenlager, in dem weitere Medizintechnik vorgehalten wird. „Wir können intensivmedizinisch fast alles bieten“, betont Piorko. Mehr geht nur in den Häusern der Maximalversorgung, wie zum Beispiel Unikliniken.

Stadt und Kreis gut versorgt

Der Ausbau sei wichtig für die Stadt und den Kreis, denn nun stünden zusammen mit denen im Klinikum Landau-SÜW 27 Intensivbetten pro 100.000 Einwohner zur Verfügung, leicht mehr als im Bundesschnitt. Vorher war die Region unterversorgt, sagt Piorko. Er schätzt, dass auf der neuen Station künftig rund 600 Patientinnen und Patienten pro Jahr betreut werden können, gegenüber 360 bis 400 zuvor.

Intensive Betreuung bedeutet auch intensive Dokumentationspflichten. Auf Papier sei das gar nicht mehr zu leisten, betont Piorko. Alle Daten der Überwachungsgeräte werden automatisch in der digitalen Patientenakte abgelegt, alle pflegerischen oder medizinischen Maßnahmen werden am Bildschirm ergänzt. Denn am Vinzentius wird gerade für das komplette Haus ein Patienten-Daten-Manangement-System aufgebaut, das bis zum Jahresende voll einsatzbereit sein soll. „Dann sind wir ein papierloses Krankenhaus“, berichtet Gilly. Derzeit laufen noch Schulungen, und auch die neu besetzte Kinderklinik ist noch nicht angeschlossen.

Ein Raum für den Abschied

Schaltzentrale der Intensivstation ist ein langer Tresen, ebenfalls in Holzoptik, mit vier PC-Arbeitsplätzen. Daneben liegen eine Apotheke und ein Labor. Die Radiologie mit den bildgebenden Verfahren wie Röntgen oder MRT befindet sich einen Stock darunter. Eine Station der kurzen Wege. Dennoch ist der Flächenbedarf immens: „Zwei Drittel der Flächen dienen der Logistik, ein Drittel der Patientenversorgung“, so Piorko, „Wir konnten neu planen und das ideal umsetzen.“

Ein besonderer Wunsch ist dabei berücksichtigt worden: ein Abschiedszimmer. Denn auf einer Intensivstation kommt es auch zu Todesfällen. Piorko ist es wichtig, dass Angehörige dann nicht in einer von Medizintechnik geprägten Umgebung Abschied von Verstorbenen nehmen müssen.

Personalgewinnung aufwendig

Der Personalbedarf ist hoch: Das Pflegeteam zählt 50 Köpfe, das Ärzteteam zehn, berichten der Pflegerische Leiter Tobias Jäger und Pflegedirektor Blerim Hetemi. Um die Station auch fürs Personal attraktiv zu machen, gibt es einen großen, hellen und freundlichen Aufenthaltsbereich. Solche weichen Faktoren seien wichtig für die Personalgewinnung, sagt Gilly. Qualifiziertes Personal zu finden, sei schwer geworden; die Suche dauere länger, aber bisher komme man ohne Leiharbeitskräfte aus, so Hetemi. Immer wieder gebe es sogar Anfragen von Beschäftigten großer Kliniken, die in einem schönen Umfeld, interdisziplinär und in einem guten Team arbeiten wollen, berichten Jäger und Hetemi. Jäger versucht, seinen Teil dazu beizutragen durch eine Dienstplangestaltung, die Rücksicht auf die familiären Verhältnisse nehme.

Nach Angaben von Geschäftsführerin Ilona Fleischer-Klisch ist der gesamte Klinikumbau auf einem guten Weg. Das Gesamtvolumen von zunächst etwa 32 Millionen Euro 2018 hat sich auf jetzt 35,7 Millionen Euro erhöht, wozu Planänderungen, aber auch Unvorhersehbares beigetragen haben. Gebaut wird noch gleich neben der Intensivstation: Dort ist noch der zweite Bauabschnitt des OP-Bereichs in Arbeit. Fünf Operationssäle sind bereits seit 2021 fertig und in Betrieb. Nun wird noch der Hubschrauberlandeplatz auf dem Dach um einen zweiten Rettungsweg ergänzt, eine außen angebaute Treppenanlage.

Eine freundliche Ausstrahlung soll den Stress lindern.
Eine freundliche Ausstrahlung soll den Stress lindern.
Der große Tresen ist die Schaltzentrale der Station.
Der große Tresen ist die Schaltzentrale der Station.
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