Landau / Germersheim
In Südpfalz deutet sich Bankenfusion an
Die Zeichen stehen auf Fusion: Am Dienstag, 9. Juni, befasst sich der Landauer Hauptausschuss (anstelle des Stadtrats) im nicht-öffentlichen Teil seiner Sitzung mit dem Thema Zusammenschluss der Sparkassen. Dafür sind bis zu anderthalb Stunden vorgesehen, bevor die öffentliche Sitzung beginnt. Vorausgegangen ist eine Verbandsversammlung des Sparkassen-Zweckverbandes Landkreis Südliche Weinstraße, Stadt Landau, Stadt Edenkoben am vergangenen Mittwoch in der Landauer Festhalle. Für kommenden Mittwochabend haben die beiden Banken abermals dorthin eingeladen, zu einem Pressegespräch. Das tut man mutmaßlich nicht, wenn man das Scheitern von Verhandlungen mitteilen will.
Die Sparkassen Südliche Weinstraße und Germersheim-Kandel hatten im Januar mitgeteilt, über eine Hochzeit zu reden. Begründet hatten sie dies mit der anhaltenden Niedrigzinsphase, die den Banken das Geschäft verhagelt, aber auch mit der fortschreitenden Digitalisierung und der zunehmenden Regulierung der Sparkassen. Beide hatten auch betont, sehr gesund zu sein und nur aus strategischen Erwägungen ein Zusammengehen zu prüfen also nicht auf eine Fusion angewiesen zu sein. Betriebsbedingte Kündigungen hatten die beiden Vorstandsvorsitzenden Bernd Jung (Südliche Weinstraße) und Siegmar Müller (Germersheim-Kandel) ausgeschlossen.
Müller hatte allerdings kürzlich angekündigt, dass sein Haus zum 1. Juli neun Filialen schließen will. 17 Geschäftsstellen sollen erhalten bleiben. Jung hatte dies für die Sparkasse SÜW als derzeit nicht erforderlich bezeichnet.
Neue Sparkasse Südpfalz auf Rang 61
Unter den bundesweit 379 Sparkassen – 2015 waren es noch 413 – liegen die beiden Geldinstitute bei der Größenordnung auf mittleren Plätzen: die Landauer Sparkasse mit einer Bilanzsumme von knapp 3,3 Milliarden Euro, 430 Mitarbeitern und 37 Sparkassenstellen (einschließlich Selbstbedienung) auf Platz 129, die Kandeler auf Platz 215. Letztere kommt auf eine Bilanzsumme von knapp zwei Milliarden Euro, hat 378 Beschäftigte und derzeit noch 28 Standorte. Die Rangliste des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes datiert von Ende 2019. In diesem Jahr haben bereits die Sparkassen Göttingen und Hannoversch-Münden eine Fusion beschlossen.
Mit einer gemeinsamen Bilanzsumme von knapp 5,3 Milliarden Euro würde die neue Sparkasse Südpfalz, oder wie immer der neue Name lauten soll, in dieser Rangliste auf Platz 61 vorrücken. Zum Vergleich: Spitzenreiter ist die Sparkasse Hamburg mit einer Bilanzsumme von 46,6 Milliarden Euro – aber auch fast 5000 Mitarbeitern. Größte in der Pfalz ist die Sparkasse Vorderpfalz in Ludwigshafen mit knapp 5,5 Milliarden Euro Bilanzsumme. In Rheinland-Pfalz gibt es derzeit noch 23 Sparkassen.
Aufwands-Ertrags-Relation hat sich verschlechtert
Dass die Sparkassen trotz noch positiver Geschäftsentwicklung vor der Corona-Krise unter Druck stehen, zeigt die Aufwands-Ertrags-Relation, die 2018 bei 69,9 gelegen hatte. Das heißt, dass durchschnittlich 69,9 Cent aufgewandt werden mussten, um einen Euro zu verdienen. 2011 lag der Wert noch bei 62,5. Jung hatte kürzlich für sein Haus als aktuellen Wert – vor Corona – 66,2 genannt, bei einem Durchschnittswert von 67,6 in Rheinland-Pfalz.
Die sich verändernde Geschäftslage wird aber auch daran deutlich, dass die Sparkasse Südliche Weinstraße im Herbst beschlossen hat, für Girokonten von Privatkunden ab einem Guthaben von 250.000 Euro ein Verwahrentgelt in Höhe von 0,5 Prozent pro Jahr zu berechnen, also Negativzinsen. Den betroffenen Kunden wurden aber alternative Anlageformen angeboten, um dies zu vermeiden. Das Verwahrentgelt wird nach Angaben der Sparkasse SÜW auch fällig bei Kunden, „die ein Girokonto nur zur Vermeidung von Verwahrentgelten bei anderen Banken oder Sparkassen bei der Sparkasse SÜW führen“. Bei ihnen greift es bereits ab 100.000 Euro.