Südpfalz
In der Kirchenbank soll keiner schlottern
Besucher der Landauer Stiftskirche werden wohl kaum merken, dass es drinnen im Vergleich zu den Vorjahren etwas kälter sein wird. Um Heizkosten und Energie zu sparen, beträgt die Grundtemperatur unter der Woche sieben statt neun Grad, zu Gottesdienstzeiten zwölf statt 14 Grad. Das teilt Dekan Volker Janke im Gespräch mit der RHEINPFALZ mit. Man laufe keine Gefahr, dass die Orgel einen Schaden nimmt. Dies sei eher bei zu hoher Luftfeuchtigkeit zu befürchten.
Entgegen der Empfehlung der Landeskirche, die Heizung in den Gotteshäusern möglichst auch im Winter auszuschalten, möchte die Stiftskirchengemeinde einen anderen Weg beschreiten. Allerdings behalten sich die Verantwortlichen vor, bei veränderten Rahmenbedingungen zu reagieren. Wenn die Gasmangellage sich verschärft oder die Preise weiter durch die Decke schießen, sei eine Schließung der Stiftskirche und eine Art Winterkirche im Gemeindehaus als Alternative denkbar, beispielsweise für Januar und Februar, wenn es wieder richtig kalt werden sollte. Die Versöhnungskirche in Germersheim hat schon Erfahrungen gemacht. Laut Dekan Michael Diener werden wie im Vorjahr die Veranstaltungen von November bis März im Gemeindesaal sein, möglichst von Freitag bis Sonntag.
Neue Warmluftheizung zu teuer
Abgesehen von diesen Überlegungen befasst man sich im Landauer Kirchenbezirk auch mit der Frage, wie die Stiftskirche langfristig beheizt werden soll. Die bestehende Warmluftheizung sei veraltet, mit Energieeffizienz habe sie nichts mehr zu tun. „Warm ist es im Bereich des Altars. Also dort, wo keine Kirchenbesucher sind, was gar nicht sinnvoll ist“, sagt Janke. Die Technik durch eine neue und effektivere zu ersetzen, würde kostspielig: Dann müsste man rund 500.000 Euro investieren.
Die Stiftskirchengemeinde möchte von diesem Betrag am liebsten eine Null wegstreichen. Das würde auch gelingen – wenn sie auf mit Akku betriebene, mobile Heizgeräte umsteigen würde. Damit würde sie auf den gleichen Zug aufspringen wie manch andere Kirchengemeinde. Die Stadtkirchen-Gemeinde Durlach beispielsweise wird ab November probeweise elektrisch beheizbare Sitzkissen einsetzen. Gelagert werden sie in einem Schrank, in dem sie zugleich auch aufgeladen werden. Sie sollen die Wärme dahin bringen, wo sie gebraucht wird: an die Besucher.
Das Ziel: körpernahe Wärme
Sibylle Wiesemann, die Umweltbeauftragte der Evangelischen Kirche der Pfalz, erklärt: „Bei einzelnen Akku-Sitzkissen gibt es eine mehrstufige Schaltung.“ Heißt, dass jeder sein Gerät nach individuellen Vorlieben einstellen kann. Allerdings müssen die Geräte jedes Mal neu aufgeladen werden, und sie sind nur bei Gottesdiensten mit geringen Besucherzahlen sinnvoll. Jenach Ausführung müssten pro Kissen zwischen 80 und 200 Euro ausgegeben werden.
Generell sei das Interesse für Alternativen zur Warmluftheizung beziehungsweise körpernahe Temperierung da, weiß Wiesemann. Mobil beheizbare Sitzkissen seien nicht nur eine klimaschonende, sondern auch die sparsamste Möglichkeit, über eine begrenzte Zeit in der Kirche für Wärme zu sorgen, ohne sie komplett zu beheizen. Wobei auch dann darauf geachtet werden müsse, dass die Luftfeuchtigkeit niedrig bleibt, um Schäden am Gebäude oder an der wertvollen Ausstattung zu vermeiden.
Auch Fußmatte wird beheizt
Schon lange in der Pfalz üblich sind laut Wiesemann Unterbankheizungen, die mit recht hohen Temperaturen Behaglichkeit schaffen, aber nur zu Gottesdiensten angeschaltet werden. Mit einem Verbrauch von 2000 bis 5000 Kilowattstunden im Jahr seien sie im Vergleich zu einer Umluftheizung relativ sparsam. In der Landauer Stiftskirche ist diese Technik zwar vorhanden, aber seit einigen Jahren wegen Sicherheitsbedenken nicht mehr in Betrieb.
Deutlich weniger Energie werde bei einer Sitzpolster-Heizung benötigt, betont Wiesemann. Sie wird stationär installiert und wirkt ähnlich wie eine Sitzheizung im Auto. Bei diesem System bleiben der Kirchenraum komplett kalt und die Heizkosten gering. Der Nachteil: die relativ hohen Investitionskosten, vor allem bei einer neuen Verkabelung. Je nach Aufwand und Menge müsse mit 15.000 Euro gerechnet werden, sagt Wiesemann. In der Südpfalz setzt die Kirchengemeinde Jockgrim seit zwei Jahren auf diese Technik. Nicht nur aus finanziellen, sondern auch aus Umweltschutzgründen, berichtet Pfarrerin Heike Krebs, die damit „sehr zufrieden“ ist. Etwa acht Personen pro Sitzreihe hätten es auf diese Weise wärmer als zuvor. Damit auch die Seelsorgerin selbst nicht friert, weil die Kirche sonst kalt ist, wird die Fußmatte am Altar beheizt.