Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Im Palais Landau beeindrucken vor allem die Künstler

Serggey Mishchurenko (Mitte) mit den Togni-Brüdern.
Serggey Mishchurenko (Mitte) mit den Togni-Brüdern.

Ein Varieté lebt von schönen Frauenbeinen, muskelbepackten Männern, einer charmanten Moderation – und natürlich atemberaubender Akrobatik. Das ist auch beim Palais Landau so. Große Kunst ist das, was drei junge Männer leisten.

Wer in der Adventszeit außer der geschmückten Stadt noch große, bunte Plakate entdeckt, wer außer Weihnachtseinkäufen noch Zeit für genussvolle Abende hat, der lässt sich vielleicht zum Varieté im Palais Landau im ehemaligen Gloria-Kino verführen – und wird auf hohe Unterhaltungskunst, gepaart mit erlesener Kulinarik, stoßen.

Zu den Künstlern, die seit dem 23. November täglich auftreten und bis 31. Dezember unter Vertrag stehen, zählen auch drei junge Männer, die ihre Kraft anmutig einsetzen. Sergey Mishchurenko stammt aus einer Seefahrerfamilie aus der Ukraine. Mit elf Jahren entdeckte er 2010 den Kampfsport. Nach dem dreieinhalb Jahre dauernden Studium der Navigation konnte ihn seine Freundin zum Tanzen animieren.

Die Freundin ist schuld

Der besondere Sport faszinierte den 31-Jährigen von Anfang an. So waren seine Eltern sehr stolz auf ihn, dass er trotz anderer Vorstellungen ihrerseits die Artistenlaufbahn einschlug, denn Erfolge stellten sich bald ein. 2015 schaffte er es bei einem Fernsehwettbewerb bis ins Finale. Ein Praktikum auf einem Frachtschiff und artistische Darbietungen auf einem Kreuzfahrtschiff brachten ihm die Erkenntnis, dass er „nicht umsonst studiert“ hat, erzählt er im Gespräch mit der RHEINPFALZ im Hotel Kurpfalz in Edenkoben, wo die Truppe für die Spielzeit einquartiert ist.

In Landau tanzt Sergey Mishchurenko an einer schwebenden Pole-Stange in der Luft, zwei Meter über dem Boden. Sein Auftritt dauert genau dreieinhalb Minuten, und die Zeit bis zum Finale vertreibt er sich mit Dehnübungen. Mishchurenko bewegt sich so elegant und an der Stange, dass der Betrachter nur erahnen kann, wie viel Krafttraining der Ukrainer dafür hinter sich haben muss. Die Bewegungen sind fließend, die Akrobatik am schwingenden Stab faszinierend.

Als Kinder schon auf der Bühne

Der Atem stockt dem Zuschauer, wenn er den Togni-Brüdern bei ihrem Auftritt zuschaut. In der griechischen Mythologie ist Ikarus, der Sohn des Dädalus, wohlbekannt. Er entflieht dem kretischen Labyrinth mithilfe künstlicher Flügel. Im Zirkusmilieu macht man sich diese Tatsache zunutze: Die ikarischen Spiele benötigen einen Porteur und einen Flieger.

Meist werden diese Nummern von Vater und Kind dargeboten. In Landau sind es die aus einer veronesischen Zirkusfamilie stammenden Togni-Brüder, die mit der Besonderheit aufwarten, dass der „Flieger“ ein 1,86 Meter großer und 84 Kilo schwerer Mann ist. Schon als Kinder haben beide ihre Karriere begonnen. Doch der Vater, der eine Zirkusschule besitzt, bestand darauf, dass beide Söhne eine „ordentliche“ Ausbildung absolvieren. Das war Elektronik für den einen und Mathematik für den anderen.

Jeder Salto sitzt

Auf der Bühne agieren sie, als hätten sie nie etwas anderes gemacht als Artistik. Michael, 26, und Dario, 25, vertrauen sich blind. Ihre Bewegungen sind präzise, jede Übung, jeder Salto genau kalkuliert. Und doch sitzt dem Zuschauer die Angst im Nacken: Was, wenn Michael Dario nicht auffängt? Einmal geht es tatsächlich schief und der junge Mann landet auf dem Boden. Ein Schockmoment, doch wenig später steht und fliegt er wieder. Auch eine Übung?, fragt sich der Zuschauer. Immerhin haben die Beiden den Segen des Papstes, genauer gesagt von zwei Päpsten. Denn sie sind vor Benedikt XVI. und vor Franziskus aufgetreten.

In Pandemiezeiten ist das Leben auch für diese drei Künstler schwer. In Italien gibt es keine staatliche Unterstützung. Wenn man nicht auftreten kann, entstehen zudem Motivationsprobleme. So bleibt ihnen die Hoffnung, dass die geplanten Gastspiele in Essen, Bremen, Bonn und Mailand stattfinden können. Markus Schwöbel, Stagemanager und Künstlerbetreuer, Übersetzer und „Mädchen für alles“, lächelt, als die Drei von den „Standing Ovations“ und dem begeisterungsfähigen Landauer Publikum schwärmen.

2G-plus-Regel

Im Palais gilt die landesweit verordnete 2G-plus-Regel. Das heißt, dass Besucher geimpft oder genesen und zusätzlich getestet sein müssen. Wer geimpft ist und eine Booster-Impfung hat, für den entfällt die Testpflicht. Gleich mit der ersten Vorstellung in dieser Spielzeit waren zudem die Sitzplätze von 200 auf 150 reduziert worden, um noch mehr Abstand zwischen den Tischen zu ermöglichen. Auch eine neue hochmoderne Belüftungsanlage wurde in Betrieb genommen.

Info

  • Spielzeit im Palais in der Industriestraße 3 bis 5 ist bis 31. Dezember. Showbeginn ist um 19.30 Uhr, sonn- und feiertags um 18 Uhr.
  • Besucher können zwischen einem klassischen und einem vegetarischen, auf Nachfrage auch einem veganen, Menü wählen.
  • Tickets ab 99 Euro gibt es unter Telefon 06341 681268, per E-Mail an info@palais-landau.de und im Internet unter www.palais-landau.de.

Die Togni-Brüder sind Meister der Präzision.
Die Togni-Brüder sind Meister der Präzision.
Sergey Mishchurenko an einer Pole.
Sergey Mishchurenko an einer Pole.
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