Landau / Südliche Weinstrasse RHEINPFALZ Plus Artikel Illegales Gruppentreffen im Park endet im Krankenhaus

Der Schein trügt: So friedlich war es nicht immer im Südpark.
Der Schein trügt: So friedlich war es nicht immer im Südpark.

Es gibt sie doch noch: Menschen. Pünktlich zur Osterzeit kriechen sie vereinzelt aus ihren Quarantänelöchern, treffen sich in Parks, genießen die Sonne. Das führt zu skurrilen Momenten und spektakulären Festnahmen. Fangen die Südpfälzer wieder an zu leben? Und halten sie sich dabei trotzdem an die Regeln?

Ostern ist das Fest der Auferstehung. Wie passend also, dass der strahlend blaue Himmel und die sommerlichen Temperaturen den öffentlichen Plätzen wieder etwas Leben eingehaucht haben. Die Leute sind wieder draußen. Zu zweit oder mit Angehörigen des selben Haushalts. So sind die Regeln – auch in der Osterzeit.

Vier jungen Männern im Südpark scheint das egal zu sein. Sie sitzen am Samstag gegen 15.30 Uhr dicht beieinander. Als Polizeibeamte sie darauf aufmerksam machen, ergreift einer die Flucht, ein anderer wirft eine volle Wasserflasche nach dem verfolgenden Gesetzeshüter.

Platzwunde und Strafanzeige

Die Verfolgungsjagd dauert nicht lange. Der flüchtende Mann stürzt nach einem Sprung über die Mauer eines Wohnhauses vier Meter in die Tiefe – in die Tiefgarageneinfahrt. Er bleibt in seiner eigenen Blutlache liegen und wird kurz darauf mit einer Platzwunde am Kopf ins Krankenhaus eingeliefert. Der Flaschenwerfer ist sein Bruder und will ihn begleiten, droht sogar, mit Gewalt ins Krankenhaus einzudringen. Die Polizisten haben genug: Handschellen, Abführen, Strafanzeige.

Das Ereignis zieht schaulustige Massen an. Bewohner kommen aus ihren Häusern. Jogger, Radfahrer, Spaziergänger bleiben stehen. Löblich: Selbst beim Gaffen halten die meisten den Abstand ein. Auch die Polizisten, ausgerüstet mit Handschuhen, halten Abstand zum gefesselten Verdächtigen. Verhaften zu Corona-Zeiten eben.

Liebe und Privatkonzert

Aber auch ohne Polizeispektakel herrscht am Wochenende wieder ansatzweise Leben. Viele Pärchen liegen sich auf den Wiesen der Landauer Parks in den Armen. Liebe liegt in der warmen Frühlingsluft. Im Schillerpark sind wieder Gitarrenklänge zu hören, auch wenn es ein Privatkonzert für eine Person ist. Und im Goethepark sonnt sich ein Mann, Mitte 40, oberkörperfrei. Fraglich, ob sich ohne Corona-Krise jemand neben ihn gelegt hätte.

Daneben spielt ein Vater mit seinen beiden Söhnen Fußball. Ein kleiner Yorkshire-Terrier will mitmachen und zieht sein im Rentenalter befindliches Frauchen hinterher. „Mathilda stop“, ruft die Dame aus der potenziellen Risikogruppe, die nun mitten im Geschehen ist. Ein anderer Gassi-Weg wäre wohl sinnvoller gewesen.

Ruhiger geht es ein paar Meter weiter bei den Spielplätzen zu. Logisch, sie sind ja gesperrt. Trotzdem sitzt ein kleines Mädchen in der Korbschaukel, ihr Vater ruht sich mit dem Rücken zu ihr auf einer Bank aus. Um vorwurfsvollen Blicken zu entgehen, starrt er auf sein Handy.

Ferngespräch im Freien

Auch auf kleineren Plätzen wie dem am Bürgergraben, der kleinen Häusersiedlung unterhalb der Universität, gehen die Leute vor ihre Tür. Drei Bänke gibt es, sie sind schnell besetzt. Jede mit einer Person. Abstand eingehalten. Prima. Zwei weitere Nachbarn kommen und setzen sich auf die Blumenkästen. Unbequem, aber für einen kurzen Plausch in Ordnung. Ein sechster will sich einklinken. Jetzt wird es schwierig. Er bleibt auf der Treppe vor seinem Haus sitzen. Muss etwas schreien, um an der Unterhaltung teilnehmen zu können. Funktioniert aber auch irgendwie.

Ansonsten sind viele Menschen in Bewegung, die meisten mit dem Fahrrad. Die Trendsportart Spazierengehen hat wohl langsam ihren Reiz verloren. In der Regel radeln sie zu zweit, manche auch in Gruppen. Auf dem Ochsenweg in Herxheim nutzt eine Vierergruppe auch mal die ganze Breite des Weges. Frech.

Ein paar Meter weiter im kleinen Park neben der Festhalle stehen sie zu zehnt auf einem Fleck und teilen sich ihr Essen sogar direkt von Mund zu Mund. Zu ihrer Verteidigung muss gesagt werden, dass die Entenfamilie vom Coronavirus wohl nichts mitbekommen hat. Und mit Brottüten ausgestattete Passanten waren in den vergangenen Tagen auch eher die Seltenheit. Es sei ihnen gegönnt.

Spaghettieis nur übers Telefon

Auch in Edenkoben, das vor zwei Wochen noch einer Geisterstadt glich, wird wieder fleißig flaniert, Sonne getankt und Eis gegessen. Moment: Eis gegessen? Haben Eisdielen nicht geschlossen? Rund 20 Leute sitzen verteilt am Werner-Kastner-Platz und schaufeln sich in Ruhe ihr Spaghettieis und ihren Erdbeerbecher rein.

Was hier passiert, ist schon skurril. Der Straßenverkauf ist untersagt. Als Bestell- und Abholservice sind die beiden fast nebeneinander liegenden Eiscafés La Piazza und Rialto aber weiterhin geöffnet. Keiner darf rein. Vor La Piazza steht ein Mann. „Zwei Bällchen. Erdbeere und Stracciatella“, sagt er in sein Telefon. Hinter einer Glasscheibe nimmt ein Verkäufer die Bestellung entgegen. Beide trennen zwei Meter Luftlinie. Die Übergabe erfolgt kontaktlos über einen kleinen Tisch. Daneben fährt ein kleines Mädchen nach 20-minütiger Anstehzeit betrübt auf seinem Tretroller nach Hause. Ohne Eis. Sie hatte kein Handy. Es wirkt wie ein Straßenverkauf unter erschwerten Bedingungen, der die Leute zum Verweilen anregt. Irgendwie absurd und nicht wirklich coronapräventiv.

Alles in allem ziehen die Ordnungskräfte eine positive Bilanz. „Die meisten halten sich an das Kontaktverbot, allerdings kommt es auch immer wieder vor, dass unsere Ordnungskräfte größere Gruppen in den Parks antreffen“, informiert der Landauer Ordnungsdezernent Lukas Hartmann. Viele zeigten Einsicht, wie fünf feierwütige Jugendliche mit unterschiedlichen Wohnanschriften in der Kramstraße, die ihre Party am Samstag auflösen mussten und jetzt mit einer Ordnungswidrigkeitenanzeige rechnen müssen.

Ab aufs Rad: Viele machten Touren auf den Wirtschaftswegen.
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Freie Fahrt: Motorradfahrer heizten auf den leeren Straßen.
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