Landau RHEINPFALZ Plus Artikel IHK-Umfrage: Landau ein guter Standort

Goldige Aussichten: Blick auf die Landauer Innenstadt.
Goldige Aussichten: Blick auf die Landauer Innenstadt.

Die IHK hat Unternehmen befragt, wie wohl sie sich in Landau fühlen. Gegenüber 2018 hat sich die Stimmung leicht eingetrübt, aber die Stadt gilt noch immer als Top-Adresse. Beim Thema Wohnraum und ÖPNV hat sich schon viel getan, muss aber auch noch einiges passieren.

Bei der nunmehr sechsten Standortumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Pfalz hat sich Landau als starker Wirtschaftsstandort behauptet. Die Stadt gehört mit einer Gesamtnote von 2,6 (Zahlen in Klammern geben den pfalzweiten Durchschnittswert an: 2,8) zu den am besten bewerteten kreisfreien Städten in der Pfalz, gleichauf mit Speyer und Frankenthal. In Landau haben 68 Prozent (36) der befragten Unternehmen ihren Standort als sehr gut oder gut beurteilt – ein Wert, der 2018 noch bei 85 Prozent gelegen hatte. Nur etwa sechs Prozent der Unternehmen finden den Standort mangelhaft oder ungenügend (28,5). Fast zwei Drittel der örtlichen Unternehmen sind zudem der Meinung, dass sich Landau in den vergangenen fünf Jahren überwiegend positiv oder positiv entwickelt habe.

33 Faktoren abgefragt

Die IHK hatte im Februar und März 15.000 Unternehmen in der Pfalz angeschrieben, 1200 hatten geantwortet, wie Regionalleiter Thorsten Tschirner am Freitagvormittag in Landau erläuterte. Dabei wurden 33 Standortfaktoren in sechs Gruppen (Infrastruktur, Verkehr, Arbeitsmarkt, Wirtschaftsförderung, Verwaltung/Kommunalpolitik sowie weiche Standortfaktoren) abgefragt. Benotet wurde mit Werten von eins bis sechs.

Landau und Speyer haben sich gegenüber 2018 verschlechtert: Sie waren damals noch auf 2,4 gekommen. Die Gründe für die Verschlechterung wurden nicht untersucht; eine Eintrübung durch Corona hält die IHK für eine Erklärung. So dürfte sich nach Einschätzung von Pressesprecherin Sonja Mohn die Qualität der digitalen Infrastruktur ausgewirkt haben: Die ist zwar ein entscheidender Standortfaktor, wurde aber nirgendwo besser als mit 3,0 bewertet. Landau kam auf 3,1. Das dürfte während der Lockdowns bei Homeoffice und Fernunterricht besonders negativ aufgefallen sein.

Gute Noten für Wirtschaftsförderung

Pfalzweit beste Noten bekam Landau für seine Wirtschaftsförderung: Die kam auf 2,8 (Durchschnitt Pfalz: 3,2) und schnitt bei Kundennähe, Qualität und Kompetenz, Reaktionsgeschwindigkeit, Standortmarketing und digitalem Angebot vielfach deutlich besser ab als im Schnitt der anderen untersuchten Städte. Angesichts der dicht zusammenliegenden Ergebnisse ist ein Vorsprung von 0,4 ein sehr hoher Wert, und „ein echter Wettbewerbsvorteil“, so Tschirner.

Aber: Bei der Verfügbarkeit von Wohnraum, einem laut Tschirner entscheidenden Faktor bei der Gewinnung von Fachkräften, kommt Landau nur auf eine 3,6. Wesentlich besser schneiden aber auch die anderen kreisfreien Städte nicht ab (3,5), und immerhin hat sich Landau hier schon in die richtige Richtung entwickelt: 2018 lag der Wert noch bei 3,8. „Die Stadt hat den richtigen Weg eingeschlagen“, meint Tschirner. Details nennt er nicht, aber er dürfte an das geplante neue Stadtviertel, Neubaugebiete bei den Stadtdörfern und auch die auf 33 Prozent angehobene Quote für geförderten Wohnraum denken.

Arbeitskräfte fehlen – überall

Bei der Verfügbarkeit von Gewerbeflächen erreicht Landau eine 3,2 (3,4): Der Gewerbepark am neuen Messegelände ist ein attraktiver und begehrter Standort, und vermutlich zahlt sich auch das geplante Gewerbegebiet an der Autobahn hier schon aus.

Schlechte Werte gab es in Landau auch für die Verfügbarkeit von Fachkräften und von Auszubildenden oder Berufseinsteiger. Doch die Noten von 3,7 und 3,6 entsprechen exakt dem pfalzweiten Ergebnis und sind Ausdruck eines generellen Problems, beziehungsweise des demografischen Wandels. „40 Prozent der Ausbildungsstellen sind unbesetzt“, sagt Tschirner.

Mit 3,2 kommt auch die Stadtverwaltung auf keinen berauschenden Wert, doch das ist relativ: In den anderen Kommunen liegt der Wert bei deutlich schlechteren 3,5.

ÖPNV stark verbessert

Wenig überraschend: Gut abgeschnitten hat Landau bei der Anbindung ans Fernstraßennetz: 2,0 (2,2). Beim Schienenfernverkehr kommt die Stadt dagegen nur auf 3,3 (2,9), beim ÖPNV auf 3,0 (2,9). Hier habe es die steilste Verbesserung gegeben, lobt der IHK-Regionalleiter, denn 2018 hatte der Wert noch bei 3,5 gelegen. Dennoch: Der ÖPNV sei „noch ausbaufähig“. Daher dürfte es spannend werden, ob der Landau-Takt genannte neue Busverkehr ab Dezember hier noch einmal messbare Verbesserungen bringt.

Viel geschimpft wird über Baustellen im Stadtgebiet, die den Verkehr behindern. Tatsächlich ist eine 3,5 bei der Baustellenkoordination kein grandioser Wert, aber pfalzweit gibt es dafür nur eine 3,8. Beim Punkt Erreichbarkeit der Innenstadt schneidet Landau mit 2,8 (2,7) leicht unterdurchschnittlich ab. Woran das liegt, kann die IHK nicht beantworten. Tschirner gibt nur zu bedenken, dass Landau als Mittelzentrum in diesem Punkt auch seinem Umland gegenüber in der Pflicht steht. Stichwort E-Mobilität: Bei der Verfügbarkeit von Ladeinfrastruktur erreicht Landau eine 3,2 (3,4).

Landau hat ein Superimage

Wenig überraschend, aber man hört es trotzdem immer wieder gerne: Landau schneidet bei den sogenannten weichen Standortfaktoren mit 2,6 (3,0) gut ab: Beispielsweise gab es für die Attraktivität der Innenstadt eine 3,0 (3,7), für die Nahversorgung 2,4 (2,7), für Freizeitangebote 2,6 (2,9) und für das Image eine 2,6 (3,4).

Bei Betreuungsangeboten für Kinder und dem Schulangebot, die zwar unter weichen Faktoren eingeordnet sind, aber durchaus auch Auswirkungen auf den „harten“ Standortfaktor Arbeitsmarkt haben (Fachkräfte ziehen solche Überlegungen bei der Wahl eines Arbeitsplatzes stark ins Kalkül), kommt Landau auf 2,6 (3,0) und 2,3 (2,5).

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