Landau „Ich werde nicht älter, ich werde immer besser“

Michael Neuner ist bei allem, was er anfängt, ein Durchstarter.
Michael Neuner ist bei allem, was er anfängt, ein Durchstarter.

36 Jahre lang war seine Praxis im Landauer Ostring-Center eine gefragte Adresse für schwierige Zahnpatienten aus der gesamten Pfalz. Weil er sich über seine praktische Tätigkeit als Arzt hinaus in besonderem Maße für seinen Berufsstand eingesetzt hat, verleiht Ministerpräsidentin Malu Dreyer dem verdienten Mediziner heute den Ehrentitel Sanitätsrat.

Hinter wohnlichen Wartezimmern mit farbenfroher Glaskunst und Aquarien hat er in grob geschätzten 55.000 Eingriffen Jugendlichen und Erwachsenen die Weisheitszähne gezogen, „schebbe“ Kiefer begradigt, Zähne implantiert, Nasen korrigiert und Botox gespritzt. Weil er die Kunst der Hypnose und autogenes Training beherrscht, ging vieles gar ohne eine Spritze. Im Alter von 70 Jahren hat Michael Neuner Ende April damit Schluss gemacht. Wer denkt, ein arbeitswütiger Mediziner wie Neuner könne sich einfach so zur Ruhe setzen, täuscht sich gewaltig: „Ich werde nicht älter, ich werde immer besser“, lautet einer seiner Lieblingssprüche. Seit März drückt der Mediziner aus Leidenschaft noch einmal die Schulbank und büffelt für die Prüfung zum Allgemeinmediziner: „Angesichts des Landärztemangels wird jeder Mediziner, der Bereitschaftsdienst übernimmt, gebraucht“, erklärt er und schiebt die persönliche Erklärung hinterher: „Ich brauch immer was zu tun, den Umgang mit Menschen, das Gespräch mit Patienten.“ Als wäre die Liste seiner beruflichen und privaten Ehrenämter nicht schon lange genug, um die Tage zu füllen: Viele Jahre war er Vorsitzender der Ärzte in der Kreisvereinigung und Landesvorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (MKG). In der Ärztekammer war er als Fortbildungsreferent und in Prüfungsausschüssen für Fachärzte aktiv. Vor 20 Jahren war er der Gründungspräsident des Lions-Clubs Edenkoben Schloss Villa Ludwigshöhe, vor wenigen Wochen ist er für zwei Jahre zum „Zonen-Chairman“ ernannt worden. Als Belegarzt im Klinikum SÜW in der Landauer Bodelschwinghstraße macht er weiter, operiert Unfallopfer mit Mund-, Kiefer- und Gesichtsverletzungen, weil MKG-Spezialisten rar geworden sind und sich kein Nachfolger gefunden hat. Das besondere Interesse an der Frakturversorgung und der rekonstruierenden Gesichtschirurgie führte im Laufe der Jahre auch Menschen in die Praxis, die sich durch Botoxbehandlungen oder Schönheitsoperationen ewige Jugend erhoffen. „Warum sind Sie mit diesem Lebenslauf nicht kriminell geworden“, sei er bei der Vorstellung bei der Studienstiftung des Deutschen Volkes, die ihm ein Stipendium gewährte, gefragt worden. Seine Antwort lautete: „Weil ich eine Mutter hatte, die immer zu mir gehalten hat“. Als Ältester von vier Geschwistern war er gerade mal zehn Jahre alt, als Mutter Thea mit den Kindern vor dem gewalttätigen Ehemann und Vater floh. Als Gitarrist und Harp-Spieler einer Band namens Mods hat er die Mutter finanziell unterstützt. „Mit Beat-Musik konnte man in den 1960er-Jahren gutes Geld verdienen“, blickt er lachend zurück. Ein Praktikum bei einem Facharzt für Zahn-, Mund- und Kieferkrankheiten verdrängte den ursprünglichen Berufswunsch U-Boot-Kapitän oder Hubschrauberpilot. Schon während des Wehrdienstes hat er seinen Vorgesetzten den Zahnstein entfernt. Von 1970 an hat er in acht Jahren an der Uni in Mainz Human- und Zahnmedizin studiert und in beiden Fächern promoviert. Am 1. November 1982 ging in Landau die eigene Praxis an den Start. Die Liste der Hobbys ist noch länger als die der beruflichen Laufbahn und beweist, dass Neuner bei allem, was er anfängt, ein Durchstarter ist: Er war zweimal hessischer Juniorenmeister im Eiskunstlauf und hessischer Landesmeister im 1000-Meter-Lauf. Für seine Schießkünste, mit denen er mehrere Deutsche Meistertitel erzielte, hat ihn Landau mit der Silbernen und Goldenen Sportplakette ausgezeichnet. Als Hubschrauberpilot flog er 1997 den dritten Platz bei den Deutschen Meisterschaften ein. Seit dem Erwerb des Jagdscheines 2009 übernimmt er Führungsaufgaben im Landesjagdverband. Ministerpräsidentin Malu Dreyer wird ihn heute zum Sanitätsrat ernennen. Geld gibt es dafür nicht, aber die Ehrung an sich macht den 70-jährigen Vollblutmediziner stolz: „Es ist eine wohltuende Wertschätzung von Kollegen und Menschen aus der Bürgerschaft, die mich für diesen Ehrentitel vorgeschlagen haben“, sagt er.

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