Landau Helfer in Not

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Faschingssamstag 2016. Zwei Polizisten versuchen, einen stark betrunkenen Mann davon zu überzeugen, dass er den Fasnachtsumzug in Germersheim besser sofort verlässt. Aber der Mann will nicht. Als die Polizeibeamten ihn wegbringen wollen, wehrt sich der Mann so heftig, dass alle drei zu Boden stürzen. Der Mann fällt auf einen Polizisten – und bricht ihm dabei zwei Rippen. Außerdem zieht sich der Beamte noch Schürf- und Schnittwunden an Ellbogen und Hand zu. Fälle wie dieser häufen sich in der Südpfalz. Im vergangenen Jahr wurden 58 Polizisten in Landau und den Landkreisen Südliche Weinstraße und Germersheim während ihrer Einsätze verletzt. 23 mussten sich von Ärzten behandeln lassen. 2015 waren es 57 verletzte Beamte, von denen 16 medizinisch behandelt werden mussten. Die Täter: in mehr als der Hälfte der Fälle unter Drogen oder betrunken (73 von 128). Von den 128 Tätern waren 22 weiblich. Insgesamt 123-mal wurden die Polizisten vergangenes Jahr beleidigt, bedroht oder angegriffen. 2015 waren es noch 89 Gewalttaten gegen Polizeibeamte, wie sie die Polizeidirektion Landau in ihrer aktuellen Kriminalstatistik bezeichnet. Das ist ein Anstieg um 38,2 Prozent. Allein in 91 Fällen wurden Polizeibeamte beleidigt (2015: 53), 72 Personen leisteten Widerstand. „Diese Entwicklung macht uns Sorgen“, sagt Hans-Jürgen Lutz, stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Landau, bei der Präsentation der Statistik. Es sei ein neuzeitliches und bundesweites Phänomen, so Polizeidirektor Thomas Sommerrock, dass Polizisten, Sanitäter und Feuerwehrleute Ziel aggressiver Anfeindungen würden. Sommerrock verweist auf ein Pilotprojekt des rheinland-pfälzischen Innenministeriums, bei dem Polizeibeamte in Trier seit Anfang des Monats Distanz-Elektroimpulsgeräte, also Elektroschock-Pistolen, im Polizeialltag testen (wir berichteten mehrfach im überregionalen Teil). Ein Jahr lang führen die Streifenpolizisten dort testweise ein Gerät pro Einsatzwagen mit sich. Bislang dürfen nur Beamte von Spezial- oder Sondereinsatzkommandos diese „Taser“ benutzen. Wie berichtet, überwältigten Trierer Polizisten fünf Tage nach der Einführung einen 27-Jährigen mit einem Stromstoß. Der Landauer Polizeichef ist überzeugt davon, dass die „Taser“ helfen. Einen Schlagstock gegen kräftige und renitente Menschen unter Alkohol- oder Drogeneinfluss einzusetzen, sei oft genauso wenig wirksam wie Pfefferspray. „Ein Impulsgerät wirkt bei jedem“, weiß Sommerrock. Zudem seien Elektroschock-Pistolen ein guter Mittelweg zwischen dem Schlagstock und dem Einsatz einer Waffe. Sie verursachten keine Verletzungen, der Täter werde damit lediglich bewegungsunfähig gemacht. „Im besten Fall müssen wir die Geräte aber gar nicht erst nutzen, weil allein ihr Anblick einschüchtert“, sagt Sommerrock. Er hofft, dass auch Bodycams, kleine Kameras an den Uniformen, Menschen davon abhalten, Polizisten zu attackieren. Kommt es doch zu Angriffen, helfen sie bei der nachträglichen Aufklärung. Derzeit tragen vier dafür geschulte Polizisten der Inspektion Landau Bodycams. Bis Ende des Jahres sollen landesweit alle Inspektionen und Wachen damit ausgerüstet werden.

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