Landau / SÜW RHEINPFALZ Plus Artikel Heinrich Braun verabschiedet sich beim Kinderschutzbund

Einen Großteil seines Berufslebens hat Heinrich Braun dem Kinderschutz gewidmet.
Einen Großteil seines Berufslebens hat Heinrich Braun dem Kinderschutz gewidmet.

Er war sogar bereit, in einen blauen Plüschanzug mit Ohren und Rüssel zu schlüpfen, um für die gute Sache des Blauen Elefanten zu werben. Heinrich Braun hat 24 Jahre lang als Geschäftsführer die Geschicke des Kinderschutzbundes Landau-Südliche Weinstraße gelenkt. Jetzt nimmt er Abschied.

Nahezu ein Vierteljahrhundert hat er unermüdlich Kontakte geknüpft, Verhandlungen geführt, Konzepte verfasst, Sponsoren und öffentliche Fördermöglichkeiten aufgespürt und Anträge gestellt, Personal verwaltet und immer wieder sprichwörtlich Klinken geputzt. Immer unterwegs für den Kindesschutz. Wer dringend und ungeplant mit ihm sprechen wollte, traf ihn garantiert zur Mittagszeit in seinem Stammlokal am Weißquartierplatz an. Wer mit ihm plaudern will, muss Zeit mitbringen für ausladende gesellschaftspolitische Diskussionen. Im Einsatz für das Wohl von benachteiligten Kindern sind der Geschäftsführer und der Mensch Heinrich Braun authentisch.

Die Redegewandtheit indes kommt nicht von ungefähr: Beeindruckt vom Schulleiter und Lehrer im Leistungskurs Religion wäre er nach dem Abitur am evangelischen Trifelsgymnasium in Annweiler beinahe Pfarrer geworden. Doch während des Theologiestudiums in Heidelberg sei die Erkenntnis in ihm gereift, „dass nicht alles so war, wie es in der Bibel steht“. Dass er Latein, Altgriechisch und Hebräisch gelernt hatte, habe ihm Vorteile und den Respekt seines Professors während des anschließenden Studiums der Erwachsenenbildung an der Uni in Berlin gebracht.

Um Eltern gekümmert

Die Abschlussarbeit zur Erlangung der Urkunde als Diplom-Pädagoge lautete „Qualifizierungs- und Beschäftigungschancen von ehemals drogenabhängigen Jungen Erwachsenen“. Die Erfahrung aus der Position des stellvertretenden Geschäftsführers in diesem Projekt sowie Zusatzausbildungen in Sozialmanagement und Körpertherapie habe ihm die Tür zur Rückkehr in die Heimat geöffnet, als die damalige Vorsitzende des Landauer Kinderschutzbundes, Anne Himmelein, 1998 einen Geschäftsführer einstellen musste.

„Mein Bruder lebte damals schon nicht mehr in Deutschland, also lag es an mir, mich um die alternden Eltern zu kümmern“, nennt er als einen Grund für die Bewerbung und die Rückkehr aus einem bewegten Leben in der Großstadt in die geruhsame Pfalz.

Die Einstellung eines professionellen Geschäftsführers war ein Bestandteil der Voraussetzungen für die Ortsgruppe des Kinderschutzbundes zum Erhalt des Gütesiegels „Kinderhaus Blauer Elefant“. Dieses Qualitätsmerkmal und die Anerkennung als Familienbildungsstätte wiederum sind wichtige Qualitätsmerkmale auf dem Weg zu öffentlichen Geldern für die Angebote in den Kernbereichen Kinderschutzdienst, Jugend- und Familienberatung und in der Erwachsenen- und Familienbildung.

Sozialer Bienenstock

Darüber hinaus hat Heinrich Braun als Geschäftsführer viele zeitlich begrenzte Projekte wie die Frühen Hilfen, den Elternbesuchsdienst, den Begleiteten Umgang oder das Mobile Jugendbüro für den Kinderschutzbund an Land gezogen, die durch den Anschub von Fachkräften und zahllosen Ehrenamtlichen aus dem „Kinderhaus Blauer Elefant“ nachhaltig eine Lobby für Kinder geblieben sind. Wer je das Konzept verfasst hat oder einen Antrag auf finanzielle Mittel aus dem Europäischen Sozialfonds gestellt hat, der weiß, wie viel geistige Kreativität und Lebensenergie in durchgearbeiteten Nächten Heinrich Braun investieren musste, bis beispielsweise das Quartiersmanagement am Danziger Platz von der damaligen Familienministerin Ursula von der Leyen im November 2007 persönlich zum fünf Jahre lang mit 40.000 Euro geförderten „Mehrgenerationenhaus“ ernannt wurde.

Durch den finanziellen Anschub und die professionelle Arbeit der Hauptamtlichen zum Schutz von Kindern und professioneller Familienberatung florierte der „soziale Bienenstock“, wie von der Leyen bei der Übergabe der Urkunde es ausdrückte. Dies ist nur ein Beispiel, das jene öffentlich nicht sichtbare Leistung des Geschäftsführers widerspiegelt. Seit dem Auslauf der Förderungen führt die Stadt Landau das Mehrgenerationenhaus in Eigenregie. In weiteren Projekten profitieren nun andere Träger von der Aufbauarbeit aus dem Kinderhaus Blauer Elefant.

In Brunnen gefallen

Dass die Politik in Sachen Kindesschutz, was die Finanzierung betrifft, eher kurativ statt präventiv handelt, regt Heinrich Braun immer wieder auf: „Die Kinder, die zu uns kommen, sind leider bereits in den sprichwörtlichen Brunnen gefallen. Diejenigen, die wir vorbeugend davor bewahren könnten, werden nicht berücksichtigt, weil sie in keiner Statistik auftauchen“. Die Politik reagiere lediglich auf erfasste Zahlen und mit zeitlich begrenzten Fördergeldern: „Alle drei bis vier Jahre wird eine neue Sau durchs Dorf getrieben, dann gibt’s kein Geld mehr.“ Kinder, deren gesunde Entwicklung durch prekäre Lebenssituationen oder zunehmende Armut gefährdet ist, könnten durch präventive Maßnahmen vor dem Absturz bewahrt werden. Doch was statistisch nicht erfasst sei, habe keine Berechtigung auf Förderung.

Gut die Hälfte des Jahreshaushalts akquiriert der Landauer Kinderschutzbund aus Zuschüssen von Kommunen, Land und Bund. Nach der ersten Dekade mit Braun als Geschäftsführer hatte sich das Haushaltsvolumen um eine halbe Million Euro auf eine dreiviertel Million Euro erhöht. Die Umrechnung ehrenamtlich geleisteter Stunden nicht mitgerechnet.

Sein selbst gesetztes Ziel, „den Landauer Kinderschutzbund völlig ausfinanziert“ zu sehen, habe er nicht erreicht, bedauert Braun im Rückblick auf 24 Jahre als Geschäftsführer, „aber dank gutem Fundraising und guter Arbeit von allen Mitarbeitern über all die Jahre hinweg“ sei die Lobby für Kinder für Landau und die Südliche Weinstraße gut aufgestellt: „Qualifiziertes Personal kostet Geld und nicht alles geht mit Ehrenamtlichen. Aber ohne die Ehrenamtlichen wäre vieles nicht leistbar.“

Stolzer Großvater

Nach persönlichen Höhepunkten in all den Jahren gefragt, antwortet der Kettenraucher Heinrich Braun nach einem tiefen Zug aus der Selbstgestopften: „Wenn ich gesehen habe, dass die Finanzierung vom letzten Jahr ausreichend war.“

Indes ging die unermüdliche Investition von Fachwissen und Herzblut in den Kindesschutz nicht spurlos an Heinrich Braun vorbei. Aus gesundheitlichen Gründen ist der 1958 geborene Pädagoge Ende August aus dem operativen Geschäft ausgeschieden.

In seinem Elternhaus in Schaidt will er sich vorrangig um die eigene Gesundheit bemühen und kümmert sich immer noch fürsorglich um die Mutter, die mittlerweile in einem Landauer Pflegeheim lebt. Als stolzer Großvater besucht Heinrich Braun so oft es geht Tochter Lara und die Enkelin auf der Schwäbischen Alb: „Es ist erstaunlich, wie schnell sich so ein kleines Wesen entwickelt“, schwärmt Opa Heinrich von der wenigen Wochen alten Lilia Margareta. Was hat er für Pläne? „Dies ist mein erster Ruhestand, ich übe noch“, antwortet er schlagfertig mit einem Zitat von Loriot.

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