Pro-Kommentar RHEINPFALZ Plus Artikel Hans-Stempel-Straße: Name muss weg

Hans Stempel
Hans Stempel

Hans Stempel hatte hohe Verdienste, aber das ist nur eine Seite der Medaille. Ein Namensgeber muss untadelig sein, sonst lässt man es besser.

Die Kirchenvertreter haben es sich nicht leicht gemacht bei ihrer Einschätzung, ob Hans Stempel ein würdiger Namensgeber für eine Straße sein kann.

Trotzdem ist der Fall eigentlich klar: Unkommentiert kann man das Straßenschild nicht lassen, doch auch ein Zusatz, dass man jemanden heute kritischer sieht als zum Zeitpunkt der Straßenbenennung, kann kein rundes Bild zeichnen. Die Defizite Stempels hat die Kirche gerade erst aufarbeiten lassen in der wissenschaftlichen Arbeit „Die Gefangenen leiden sehr unter ihrer Lage“ des Historikers Nicholas John Williams. Wenn man danach geht, hat die Kirche nicht nur mit Stempel, sondern auch mit Theodor Friedrich ein Problem. Der Hinweis, dass die Vorwürfe gegen Stempel bereits bei der Straßenbenennung bekannt gewesen seien, ist insofern richtig, als Stempel auch im Werk „Protestanten ohne Protest – Die evangelische Kirche der Pfalz im Nationalsozialismus“ von 2016 nicht gut weggekommen ist. Er zieht aber nicht. Dann wäre erstens das Williams-Buch überflüssig gewesen, zweitens hatte das Stadtarchiv bereits erklärt, damals nicht gut genug geprüft zu haben.

Auch ein sehr zwiespältiger Mensch mit hohen Verdiensten auf der einen, aber großen Defiziten auf der anderen Seite ist kein Vorbild. Gerade eine zeitgenössische Straßenbenennung muss passen oder geändert werden.

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