Landau
Große Feier zur Diamant-Hochzeit wird nachgeholt
Es war die Arbeit, die Edmund und Ingrid Wünstel zusammengeführt hat. Beide arbeiteten bei der Firma Gillet in Edenkoben, die heute Teil des amerikanischen Autozulieferers Tenneco ist. Er war gelernter Schweißer, sie Bürokauffrau. „Mit 16, 17 Jahren sind wir uns zum ersten Mal über den Weg gelaufen. Dann waren es die Betriebsfeiern, auf denen wir uns nähergekommen sind“, erinnert sich Ingrid Wünstel mit einem Lächeln. Einmal in seinen Armen, sollte es nie mehr einen anderen geben.
Unter die Haube kam das Paar dann 1961, da waren beide 21 Jahre alt. Drei Jahre später nahm Ingrid Abschied von Gillet, weil der erste Sohn auf dem Weg war. Ein Jahr später sollte der zweite folgen. Auch Edmund hielt es nicht viel länger in der Firma. Obwohl er dort gut verdiente und eine sichere Stelle hatte, er war inzwischen in die Betriebsplanung aufgestiegen, sattelte er um.
Mit 55 Jahren aufgehört
Eine Bekanntschaft aus einem Fortbildungskurs bot ihm eine Stelle in einem Betrieb an, der sich auf die Montage und Reparatur von Jalousien und Markisen spezialisiert hatte. In diesem Feld machte er sich einige Jahre später selbstständig. Mit großem Erfolg. Einer seiner ersten Aufträge führte ihn in die Bethesda-Wohnanlage in Landau. Auch bei vielen Schulen in der Stadt sowie zumeist größeren Firmen, wie der Siemens in Karlsruhe, verrichtete er seine Dienste. Ingrid war ihm auch in dieser Sache eine gute Partnerin, erledigte neben ihren Pflichten als Mutter und Hausfrau auch die Büroarbeit für den Betrieb ihres Mannes. Das lief so gut, dass Wünstel 1995 bereits mit 55 Jahren die Arbeitsschuhe an den Nagel hängen konnte. Seine Firma Wünstel Sonnenschutz übernahm Sohn Frank, auch ein Enkel hat inzwischen im Familienbetrieb angeheuert.
Auch im Ruhestand wurde es für die Wünstels nie langweilig. Mit vier Enkeln wird man schließlich immer mal gebraucht. Besonders, wenn man wie Edmund Wünstel „Häuser bauen“ zum Hobby hat. Schon während der Berufszeit hatte er einige Häuser gebaut. Da lässt er sich nicht zweimal bitten, wenn Freunde und Verwandte eine helfende Hand benötigen. Wenn mal keine Arbeit anstand, so war das Paar vor der Pandemie auf den Campingplätzen Europas unterwegs. Oder auf dem Kreuzfahrtschiff an den Küsten Südamerikas. Oder am anderen Ende der Welt, bei der Familie ihres zweiten Sohnes, der inzwischen eine deutsche Firma in Australien leitet.
Im Bethesda glücklich
Edmund ist inzwischen 81 Jahre alt. Seine Ingrid wird ihn in wenigen Wochen wieder eingeholt haben. Im Februar sind sie in eine Wohnung im Bethesda gezogen, wo er vor 45 Jahren einer seiner ersten Aufträge als Selbstständiger hatte. „Wir sind sehr glücklich und zufrieden mit unserer neuen Wohnung“, sagt Ingrid Wünstel. Von ihrem Fenster aus kann sie halb Landau überblicken.
Eine größere Feier zum Jubeltag scheitert unter anderem daran, dass ihr Sohn samt Familie derzeit nur schwer Australien verlassen kann. Wenn einmal wieder der ganze Clan beisammen seien kann, soll das nachgeholt werden.
Haben die beiden einen Tipp für ein erfolgreiches Eheleben? „Von anderen lernen – wie man’s macht, und wie man’s lieber nicht macht“, sagt Edmund Wünstel. Außerdem gebe es zwischen Arbeits- und Familienleben immer einen Zusammenhang. „Ich war immer zuverlässig, habe genau kontrolliert, das alles richtig läuft. Wenn’s im Betrieb gut läuft, das Leben stabil ist, dann steht auch die Beziehung auf guten Füßen.“