Landau / SÜW RHEINPFALZ Plus Artikel Glasfaser-Ausbau: Klinkenputzen für die Lichtgeschwindigkeit

Im Landkreis ist nicht zu übersehen, was derzeit das Thema ist, hier Birkweiler.
Im Landkreis ist nicht zu übersehen, was derzeit das Thema ist, hier Birkweiler.

Die Südpfalz ist Entwicklungsgebiet. Zumindest für die Deutsche Glasfaser. Die kann zwar die Funklöcher nicht füllen, aber sie möchte die Haushalte mit schnellem Internet aufrüsten. Bevor es so weit ist, hilft Humor und Ausdauer.

Oberhausen von der Deutschen Glasfaser, guten Tag.“ x-mal am Tag sagt der 49-Jährige sein Sprüchlein auf. Marco Oberhausen ist einer von 18 Mitarbeitern der Firma Deutsche Glasfaser, die derzeit in allen Landauer Stadtteilen und vielen Orten im Kreis Südliche Weinstraße das schnelle Internet anpreisen. Oberbürgermeister Thomas Hirsch und Landrat Dietmar Seefeldt begrüßen das Engagement des Unternehmens ausdrücklich. Die Kommunen können die Leistung selbst nicht anbieten. Schnelles Internet aber ist heute ein wichtiger Standortvorteil. Glasfaser ist die Zukunft.

Marco Oberhausen ist an diesem Nachmittag in einem Landauer Stadtteil unterwegs. Die Frau, mit der er durch das schmiedeeiserne Hoftor hindurch spricht, ist kritisch. Sie sieht Probleme bei der Rufnummernmitnahme, hat so viel Negatives im Netz gelesen. Da sie beruflich viele Anrufe bekommt, gefällt ihr das gar nicht. „Dann sprechen wir drüber“, sagt Oberhausen. Probleme gebe es überall. Aber bei 1,1 Millionen Hausanschlüssen habe es im Internet mal gerade 600 schlechte Bewertungen gegeben. Das Unternehmen übernimmt auf Wunsch die Abwicklung des Altvertrags mit Rufnummernübernahme für den Kunden.

„Bin grad im Homeoffice“

Es gebe ja noch andere Anbieter, setzt die Frau nach. Auch da widerspricht Oberhausen. Wenn die Deutsche Glasfaser den Ausbau übernehme, werde kein anderer Anbieter überbauen. Das gelte auch umgekehrt. Dort, wo es schon FTTH-Punkte gebe, lasse die Deutsche Glasfaser die Finger davon. FTTH steht für Fiber to the Home, also Glasfaser bis in die Wohnung. Oberhausen bietet der Frau an, ein anderes Mal vorbeizukommen, wenn sie mehr Zeit für ihn hat. Sie nickt mit dem Kopf und nimmt seine Karte entgegen.

Im Haus nebenan steckt eine junge Frau den Kopf aus dem Fenster im ersten Obergeschoss. Sie sei gerade in einem Meeting im Homeoffice und habe keine Zeit. Ja, der Mann könne sich gerne wieder melden. Ein Nachbar dagegen winkt sofort ab. Er habe zwar Internet, nutze es aber nur ab und zu. Er komme zurecht und wolle den Hof nicht aufgerissen haben. „Nee, der wird nicht aufgerissen“, sagt Oberhausen und erklärt dem Mann, dass nur der Bürgersteig oder die Straße aufgemacht werde, um die Leitungen zu legen. Von der Straße bis ans Haus wird das Kabel per Erdrakete geschossen. Höchstens ein paar Pflastersteine vor der Tür müssten raus, damit das kleine Loch in die Hauswand gebohrt werden könne. Der Gesprächspartner bleibt dabei, er will nicht. Auch das Argument der Wertsteigerung des Hauses zieht nicht. „Was nach mir kommt, interessiert mich nicht mehr.“

Noch wach werden

Dem Vertriebsmitarbeiter fehlen in diesem Ort noch 60 Adressen, bis die magischen 40 Prozent erreicht sind. Denn erst dann wird das schnelle Internet Realität. Das heißt Klinkenputzen, denn nicht immer melden sich die Leute von sich aus. Vor Wochen schon hatte jeder Haushalt ein dickes Paket mit Informationen im Briefkasten. Oberhausen ist wiederholt in den Ortschaften unterwegs. Wo er die Bewohner nicht erreicht, wirft er seine Karte in den Briefkasten.

„Manches Dorf muss erst noch wach werden“, sagt Torsten Knauf aus Erfahrung. Der Projektleiter Vertrieb hat die Zahlen genau im Blick. Jeden Freitag werden sie auf der Homepage aktualisiert. Die Landauer Stadtdörfer liegen bei 22 Prozent Zuspruch. „Das ist kein schlechter Wert.“ Und bis zum Stichtag am 17. Juli sind es noch fünf Wochen. Queichheim, die Wollmesheimer Höhe, Nußdorf und Godramstein hinken mit 9, 11, 14 und 16 Prozent noch hinterher. Dammheim ist Spitzenreiter mit 35 Prozent Vertragsabschlüssen.

Hinterher alles wie vorher

Lachen-Speyerdorf profitiert bereits von der Datenübertragung in Lichtgeschwindigkeit. In Klingenmünster und Niederotterbach beginnen die Bauarbeiten. Auch der Ausbau in der Verbandsgemeinde Landau-Land sei bereits gesichert, Ilbesheim und Impflingen fehlen noch wenige Verträge. Dort ist der 1. Juli der Stichtag. In der Verbandsgemeinde Edenkoben läuft der Ausbau zum Teil schon, in Edenkoben wird noch geworben, berichtet Knauf. Ebenso in der Verbandsgemeinde Maikammer. Herxheim steht als nächstes auf der Liste.

Knauf rechnet ein Jahr vom Stichtag bis zur Freischaltung der Verbindungen. „Wir wollen es so schnell wie möglich umgesetzt haben, denn erst dann verdienen wir Geld.“ Die Bauarbeiten werden ausgeschrieben. Das Unternehmen verspricht, nach Abschluss des Projektes sei der Zustand des Bürgersteigs oder der Straße wie vorher. „Die Kommunen nehmen das ab.“

Marco Oberhausen drückt wieder auf eine Klingel. Eine Frau öffnet, erzählt sehr freundlich, ihr Mann habe sich schon mit dem Thema befasst. Die Kinder seien aus dem Haus. Man komme zurecht. Dasselbe bekommt Oberhausen auch ein Haus weiter zu hören. Beiden Frauen drückt er seine Karte in die Hand. Bei der nächsten Adresse öffnet ein junger Mann, Mitte 20, im Trainingsanzug. Er sei gerade im Homeoffice. „Wir haben schon Internet, es läuft.“ „Aber Sie haben keine Glasfaser“, versucht es Oberhausen. „Das hier ist nicht meins“, sagt der junge Mann. „Aber Sie zahlen doch die Telefonrechnung.“ Der junge Mann möchte nicht mal die Karte entgegennehmen. „Das Problem sind nicht die Alten“, erläutert der 49-Jährige, „die wissen meist um die Wertsteigerung ihres Anwesens.“ Das hier sei ein typischer Fall. „Kein Bezug zum Haus, kein Bezug zum Dorf.“

Schwachstelle Kupfer

„Wenn ich heute mit meiner Leitung noch klar komme, dann ist das Ende der Fahnenstange schon in Sicht“, sagt Torsten Knauf. Das Datenvolumen verdoppele sich alle 18 Monate. Bei anderen Anbietern liege der Upload, also das Hochladen von Infos, bei maximal 50 MBits, das sei zu wenig. In der Regel liegt dort die Glasfaser nur bis zu einem Verteilerkasten. Von dort aus führen Kupferkabel ins Haus, das ist die Schwachstelle, da geht Volumen verloren. „Man kommt an uns nicht vorbei“, sagt Knauf selbstbewusst.

Zurück an die Haustür. Oberhausen trifft auf zwei junge Männer, die am PC basteln. Aha, die wissen, um was es geht. Beide haben schlechte Erfahrungen mit ganz bestimmten Anbietern gemacht. „Ich leide an einer posttraumatischen Belastungsstörung“, scherzt der eine. Mit der Telekom läuft es jetzt. „Ich kriege meine Daten zuverlässig rein.“ Oberhausen spricht von Fachmann zu Fachmann mit den jungen Männern und nimmt sich viel Zeit. Sie wollen die Verträge abschließen. Dann wird es etwas komplizierter, denn der eine hat das Geburtsdatum der Mutter nicht parat. Auf die aber läuft der Anschluss. Der andere kennt seine Festnetznummer nicht: „Ich hab’ ein Handy.“

„Bei uns ist gar nichts“

Der Mann mit der kobaltblauen Umhängetasche von Deutsche Glasfaser findet immer den richtigen Ton und begegnet den Menschen mit Humor, unaufdringlich, aber verbindlich. Sein Moselfränkisch hat Charme. Er sagt „dat“ und „da gibdet nix“. Wie steht’s mit seinem Internetanschluss, hat er Glasfaser? „Leider nein“, gibt er zu. „Jeden Tag mache ich zehn Menschen glücklich, aber ich selbst habe keine Glasfaser. Bei uns ist gar nichts.“ Oberhausen kommt aus dem 700-Seelen-Dorf Hambuch im Kreis Cochem-Zell. Seit zwei Jahren wirbt er für die Glasfaser, hat zuvor Strom und Gas und noch früher Versicherungen verkauft. Seine Frau und die 19 und 21 Jahre alten Töchter sieht er nur am Wochenende. Die schöne Südpfalz war sehr nass in den letzten Wochen – und wegen Corona boten auch die geschlossenen Weinstuben keine Abwechslung. Da können die Abende im Hotelzimmer lang werden. Was schätzt der 49-Jährige an seinem Job? „Ich bin überzeugt vom Produkt. Und ich bin mein eigener Herr.“

An diesem Nachmittag zählt Marco Oberhausen sieben neue Verträge. Fehlen in diesem Stadtteil noch 53.

Info

  • Die Deutsche Glasfaser hat in Landau und SÜW vier Servicepunkte: in Arzheim im Dorfgemeinschaftshaus, dienstags und donnerstags, 13 bis 18 Uhr; in Landau, Marie-Curie-Straße 1 a, donnerstags und freitags, 11 bis 19 Uhr, und samstags, 10 bis 15 Uhr; in Billigheim-Ingenheim, Marktstraße 3, montags bis freitags, 11 bis 19 Uhr, samstags, 10 bis 15 Uhr; in Ranschbach, Weinstraße 50, montags und freitags, 11 bis 19 Uhr. Termine sollten vorab unter Telefon 02861 8133 410 vereinbart werden.
  • Wer einen Vertrag abschließt, kann einem Verein seiner Wahl etwas Gutes tun, in Landau gilt das bis zum 30. Juni. Das Unternehmen überweist dem Verein im Falle des Ausbaus zehn Euro. Infos unter www.deutsche-glasfaser.de

Marco Oberhausen geht in den Dörfern von Tür zu Tür.
Marco Oberhausen geht in den Dörfern von Tür zu Tür.
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