Landau Geschichten von der Straße
„Und jeden Morgen kehrt er wieder“, lautete die erste Schlagzeile der ersten Ausgabe von „Marktplatz regional“. Erschienen ist sie am 18. Oktober 2000, also vor fast genau 15 Jahren. Gemeint war Ludwig Glatz, der damals in der Bad Bergzaberner Innenstadt für Sauberkeit sorgte. Seitdem hat sich viel getan: Der Mann von der Straßenreinigung ist inzwischen in Rente gegangen, sein Nachfolger ist Marc Specogna – doch der Ärger bei der täglichen Arbeit ist der gleiche geblieben. „Schon die Zehnjährigen laufen heute mit Zigaretten rum“, empörte sich Ludwig Glatz vor 15 Jahren. Überall würden Kippenstummel, Bierdosen und leere Flaschen herumliegen. „Das ist auch heute noch so“, berichtet Marc Specogna. In den vergangenen Jahren sei immer mehr Müll auf der Straße gelandet. Besonders ärgert den Bad Bergzaberner, dass viele Leute ihren Hausmüll in den öffentlichen Mülleimern entsorgen. Immerhin habe die Straßenreinigung ein neues Fahrzeug bekommen: einen kleinen Kipplaster. „Der erleichtert mir die Arbeit schon sehr“, sagt Specogna erfreut. Blättern, die die Bäume zu dieser Jahreszeit abwerfen, begegnet er mit einem Laubsauger. „Aber wie mein Vorgänger komme auch ich nicht ohne einen Besen aus.“ Trotz allem Ärger über achtlos auf die Straße geworfenen Müll – Marc Specogna liebt seinen Job. Genau wie Ludwig Glatz ist er längst ein bekanntes Gesicht in der Kurstadt. Viele Menschen, die ihn bei der Arbeit antreffen, winken ihm zu und grüßen freundlich. „Daran hat sich zum Glück nichts geändert.“ Ebenfalls in der ersten Ausgabe von „Marktplatz regional“ schilderte Karl-Heinz Konrad, welchen Einfluss der Mond auf Mensch und Natur hat. Auch heute noch glaubt der von der Landesanstalt für Pflanzenanbau und Pflanzenschutz in Mainz zertifizierte Pflanzendoktor an die Wirkung des Mondes: „Wenn ich an die Nordsee fahre, dann gibt es dort Ebbe und Flut – das war vor 15 Jahren so und das ist auch heute noch so. Daran hat sich nichts geändert.“ Die Mondphasen hätten Einfluss auf alles, was mit Wasser zu tun hat. „Salat besteht beispielsweise zu 99 Prozent aus Wasser, der Mensch zu 70 Prozent“, gibt der Inhaber der „Garten-Praxis“ in Hayna zu bedenken. Für Pflanzen bedeute dies: Bei Ebbe sinkt der Wasserstand. „Dann bewegen sich die Säfte zur Wurzel hin.“ Dies sei der richtige Zeitpunkt, um Bäume zu schneiden. Andernfalls könne der Baum „ausbluten“ und werde anfälliger für Krankheiten und Pilzbefall. Vier Tage bevor die erste „Marktplatz regional“-Ausgabe das Licht der Welt erblickt hat, ist auch der vierte Band der Harry-Potter-Reihe erschienen – und die ganze Welt war im Harry-Potter-Fieber. Dies nahmen viele Büchereien zum Anlass, Motto-Partys zu Ehren des Zauberschülers mit dem ausgeprägten Gerechtigkeitsempfinden zu organisieren. Überwiegend junge Leser hüllten sich in schwarze Umhänge, setzten sich spitze Hüte auf den Kopf und trafen sich, bepackt mit Kissen, Decken und Isomatten, in Buchhandlungen, um pünktlich um Mitternacht die Ersten zu sein, die den frisch gedruckten Band „Harry Potter und der Feuerkelch“ in den Händen halten. Auch die Buchhandlung „Das Buch“ bei „Spiel & Spaß“ in Bad Bergzabern hatte eine solche Party organisiert. Und „Marktplatz regional“ feierte mit. „Die Harry-Potter-Party war die Idee einer meiner Töchter“, erinnert sich die Inhaberin der Buchhandlung, Renate Winstel-Krebs. Natürlich sei auch sie selbst damals dem Harry-Potter-Fieber erlegen. „Als 1997 das erste Buch erschien, war das so noch nicht abzusehen. Aber dann wurde der Hype riesengroß.“ Auch heute noch kämen Fantasy-Geschichten bei jungen Lesern gut an, versichert Winstel-Krebs. Als Beispiele nennt sie die Romanreihe „Warrior Cats“ und die Trilogie „Die Tribute von Panem“. An den „Marktplatz regional“-Artikel kann sie sich noch gut erinnern: „Den habe ich natürlich aufgehoben.“ Auch in Landau wurden Harry-Potter-Partys gefeiert. „Marktplatz regional“ berichtete damals über eine Party bei „Buch Kaiser“. Doch wo früher Fans des Zauberlehrlings übernachteten, gibt es heute Schuhe und Accessoires zu kaufen. „Buch Kaiser“ wurde zunächst von „Thalia“ geschluckt, Anfang 2014 übernahmen zwei Modefirmen den Laden in der Marktstraße 89. Anfangs gab es in jeder „Marktplatz regional“-Ausgabe eine Kolumne der fiktiven Figuren „Hamecker Heiner“ und „Mark T. Platz“. Letzterer berichtete am 18. Oktober 2000 vom Börsengang der Telekom: „Klar, da habe ich Aktien gezeichnet, habe mich vom Fieber anstecken lassen, erstmals übrigens.“ Zur Erinnerung: Vor 15 Jahren war ganz Deutschland im Aktienfieber. Selbst Menschen, die vorher noch nie etwas mit Wertpapieren zu tun hatten, kauften nun Aktien, allen voran die T-Aktie. Bis die Blase platzte. Allein der Wert der T-Aktie stürzte in der Folgezeit von 200 auf 20 D-Mark ab. Unser Kolumnist dagegen war im Oktober 2000 noch fest davon überzeugt, mit seinen Aktien den großen Wurf gelandet zu haben. Für ihn war klar, dass die T-Aktie abgehen würde „wie eine Rakete“. Schließlich habe heutzutage jeder ein Telefon „und Handys gehören ja zur Grundausstattung in jedem Kinderzimmer“. Zumindest letzteres ist auch heute, 15 Jahre später, noch gültig – auch wenn sich die Handys inzwischen zu Smartphones entwickelt haben und die Kinder von damals längst erwachsen sind.