Landau
Geothermie: Verkauft die Stadt Land für dritte Bohrung?
Eine Gretchenfrage: Bekommt das Landauer Geothermiekraftwerk weitere Flächen für das Herstellen der anvisierten dritten Bohrung? Nach Unternehmensangaben wird mehr Platz gebraucht, um das Bohrloch spülen zu können. Bereits zum 22. Juni haben Stadtverwaltung und Lokalpolitik eine Frist des Kraftwerkseigentümers IKAV verstreichen lassen – nun steht das Thema im Stadtrat auf der Tagesordnung. Dieses Gremium könnte dem Betreiber den Wunsch erfüllen – oder verwehren. Doch der Reihe nach.
Hirsch: „Noch zu viele Fragen offen“
Die Geschichte der Geothermie in Landau ist lang – und sie ist noch keine Erfolgsgeschichte. Es gab Erschütterungen, später massive Erdhebungen. Das Kraftwerk war jahrelang stillgelegt, eine später in zwei Teile zerfallene Bürgerinitiative hat sich gegen die Kraftwerke in Landau und Insheim gegründet, das Werk lief eine ganze Zeit im Probebetrieb, es gab Eigentümerwechsel, unter anderem die Energie Südwest AG ist abgesprungen. Nun läuft das Kraftwerk wieder unter Volllast – und eine dritte Bohrung soll Effizienz und Ertrag steigern. Angestrengt hat dies IKAV, eine Gesellschaft mit Sitz in Luxemburg und seit dem Jahreswechsel 2019/2020 Eigentümer des Kraftwerks. Um diese dritte Bohrung möglichst optimal umzusetzen, hätte IKAV gerne Land von der Stadt.
Dort sollen vor allem Tanks oder Becken entstehen, in denen die dritte Bohrung gereinigt werden soll. Zudem verspricht IKAV, dass dann Platz da wäre, den man mit Lärmschutzmaßnahmen füllen könnte – auf dem eigentlichen Kraftwerksgelände sei das nicht möglich. In einem auf den 15. Juni datierten Brief erklärte IKAV gegenüber Oberbürgermeister Thomas Hirsch (CDU), dass man am besten Teile von zwei benachbarten Grundstücken brauche, sonst könne man nur ein kleines Becken zur Reinigung der dritten Bohrung auf dem eigenen Grundstück bauen. Und das Kraftwerk müsse die Fernwärme abschalten. Zudem war von einem möglichen Sicherheitsrisiko die Rede. Die Stadt solle bis zum 22. Juni zustimmen, hieß es – an diesem Tag war eine Sitzung des Hauptausschusses. Hirsch hatte dort noch die Empfehlung abgegeben, nicht sofort zuzustimmen. Er rate dazu, noch abzuwarten – da noch zu viele Fragen offen seien.
50 Lkw-Fuhren täglich?
In einem weiteren Brief vom 25. Juni, der der RHEINPFALZ vorliegt, bietet die IKAV an, die technischen Details offenzulegen. Der Eigentümer wiederholt, dass bei einer Installation von kleineren Becken auf dem eigenen Gelände die Fernwärmeversorgung abgeschaltet werden müsse. Laut Hirsch wäre das kein Problem, die Blockheizkraftwerke der Energie Südwest könnten den Bedarf auffangen. Aber: Bei der Lösung mit den kleineren Becken auf dem eigenen Grundstück müsste das geförderte Thermalwasser abtransportiert und entsorgt werden, erläutert IKAV. Es fielen Mengen von „durchaus mehr als 1000 Kubikmeter in weniger als 24 Stunden“ an. Resultat: „gut 50-Lkw-Fuhren innerhalb von 24 Stunden“, schreibt Geschäftsführer Gregor Gruber. „Dies wäre eine für die Anwohner belastende Lösung, welche wir gerne vermeiden würden.“ Man gehe davon aus, dass eine logistisch aufwendige Kombination aus Abtransport und Verarbeitung auf eigenem Grundstück möglich wäre. Dennoch wäre mit „einer erheblichen Anzahl an Lkw-Transporten zu rechnen, um eine mögliche Schädigung des Reservoirs durch unzureichende Bohrlochreinigung in jedem Fall zu vermeiden“. Gruber bittet erneut um Zustimmung.
Wasser „schwach wassergefährdend“
Unter den offenen Fragen zu dem Vorgehen war die nach dem geförderten Wasser. Vorsicht sei vor allem wegen der Temperatur des Wassers geboten – das werde aber auf dem Grundstück des Kraftwerks vorgefiltert und auf unter 100 Grad Celsius abgekühlt, teilt Gruber gegenüber der RHEINPFALZ mit. Es sei mit Wasserdampf zu rechnen. Dieser solle die Anwohner nicht beeinträchtigen, deshalb werde nur bei entsprechender Witterung gearbeitet. „Der Wasserdampf selbst ist unproblematisch.“ Das Wasser sei auch abgekühlt nicht zum Trinken geeignet – es enthalte eine geringe Menge an Schwermetallen. Rechtlich sei es „schwach wassergefährdend“, aber nicht als „umweltgefährlich“ einzustufen, betont Gruber. Radioaktive Strahlung gehe von dem Wasser nicht aus, das sei durch Studien bestätigt.
Auch eine Gefahr durch das Becken sei nicht zu befürchten. Der Bereich sei umzäunt, gearbeitet werde unter ständiger Aufsicht des Fachpersonals. Die Außenwände seien fast zwei Meter hoch, Tiere könnten eigentlich nicht hineingeraten, erläutert Gruber. Umfallen oder Auslaufen werde durch Außenwandungen aus stabilem Wellblech verhindert. „Solche Speicherbecken werden seit vielen Jahren ohne bekannte Zwischenfälle in Bohrprojekten eingesetzt“, sagt der Geschäftsführer.
Hirsch: Offene Fragen nicht geklärt
Hirsch hält seine offenen Fragen noch immer nicht für geklärt. „Ich kann auch beim zweiten Brief der IKAV nicht erkennen, ob das im Interesse der Landauer Bürger ist“, sagt er. Ohne belegbare Vorteile für die Anwohner werde er auch weiterhin von einer Flächenveräußerung abraten, ebenso von einer Freigabe zur temporären Nutzung der Fläche. Aber: Grundsätzlich ist der Oberbürgermeister der Ansicht, dass die Sicherheit für die Bevölkerung gewährleistet sein muss. Zudem sollte das Becken und dessen Inhalt auch keine Gefährdung für die Tier- und Pflanzenwelt in direkter Nachbarschaft zum Naturschutzgebiet Ebenberg darstellen. Er erinnert nochmals an den Grundsatzbeschluss, dass das Geothermie-Kraftwerk nur dann neue Flächen erhält, wenn dadurch Vorteile für die Anwohner entstehen – was von IKAV versprochen wird.
Der Landauer Stadtrat will in seiner Sitzung am Dienstag darüber entscheiden, ob Flächen verkauft oder zeitweise zur Verfügung gestellt werden – oder ob das nicht passiert.