Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Geißler oder Ingenthron: Wen wählt Landau?

Maximilian Ingenthron (vorn) und Dominik Geißler sind sich in vielen Punkten nicht einig.
Maximilian Ingenthron (vorn) und Dominik Geißler sind sich in vielen Punkten nicht einig.

Die Ansichten von Dominik Geißler und Maximilian Ingenthron unterscheiden sich teils deutlich. Das zeigte das Streitgespräch der beiden Kandidaten in der RHEINPFALZ-Redaktion.

Gas-Krise und die Folgen für Landauer, Bürgerbeteiligung, Baugebiete, die Zukunft des La Ola – diese Themen bieten Zündstoff. Die RHEINPFALZ hat die beiden Kandidaten für das Amt des Oberbürgermeisters, Dominik Geißler (CDU) und Maximilian Ingenthron (SPD), in die Redaktion eingeladen, um ihnen wenige Tage vor der Stichwahl am Sonntag auf den Zahn zu fühlen. Los ging’s aber mit dem Eingeständnis eines Fehlers.

An dieser Stelle finden Sie ein Video via Glomex.

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Er habe, so sagte Ingenthron, die Intention hinter seiner umstrittenen „Landauer“-Kampagne beim RHEINPFALZ-Podium am 1. Juni schlecht erklärt. Er habe hervorheben wollen, dass er seit 33 Jahren in der Stadtpolitik aktiv sei, aus der Stadt stamme und auch hier verwurzelt sei. Ein „großes Pfund“, mit dem er wuchern wolle – ausschließen habe er aber niemanden wollen. Ingenthron hatte auf der Bühne in der Festhalle seinen Slogan „Landauer“ derart erläutert, dass nur ein gebürtiger Landauer ein richtiger Landauer und für das Amt geeignet sei. Gegenkandidat Geißler, der mindestens sehr irritiert reagiert und den Ingenthronschen Auftritt mit Kopfschütteln und dem Wort „Wahnsinn“ quittiert hatte, wertete diesen mit Abstand als „unglücklich“. Aber er habe sich nicht diskriminiert gefühlt. Er verwies nochmals darauf, dass der „extrem erfolgreiche Oberbürgermeister Christof Wolff“ auch nicht in Landau geboren wurde – und darauf, dass man sich mittlerweile im Abstammungsrecht von der „Blutabstammung“ gelöst habe. Leute, die sich hier einbrächten und engagierten, seien Landauer.

Gas-Krise: Was tun mit armen Menschen?

Aktuell drückt auch die Landauer die Sorge um den Energiemangel und die Folgen. Sofern nichts wirklich Überraschendes passiert, werden die Preise für Gas und Strom deutlich steigen. Was wollen die Kandidaten machen, wenn plötzlich ein Rentner im Rathaus steht, der seine Gasrechnung nicht mehr zahlen kann? Zunächst setzen beide darauf, dass Lösungen für das bundesweit zu erwartende Problem auch auf anderen Ebenen gefunden werden. Ingenthron sichert aber zu, dass im Fall der Fälle die Verwaltung eine Möglichkeit finden werde, den Menschen zu helfen – notfalls unter Einbezug des Job-Centers. Geißler hingegen wirft in den Raum, dass Energieschecks kommen könnten, aber auf jeden Fall werde er sich bei der Energie Südwest dafür einsetzen, dass den Menschen zumindest nicht das Gas abgedreht werde.

Wohnraum schaffen

Menschen stehen aber auch auf anderer Ebene unter Druck. Stichwort: Wohnraum. Die Diagnose Ingenthrons ist klar: Die Bürger hätten pro Person mehr Wohnfläche als früher, dazu kommt, dass weniger Menschen in einer Wohnung leben. Auch ohne Zuzug von außen wird es weiter Druck auf dem Wohnungsmarkt in Landau geben. Doch wie damit umgehen? Das neue Gebiet im Südwesten schneller entwickeln als bisher geplant? Ingenthron mag sich nicht festlegen. Wie sich der Druck genau entwickelt, sei „unabsehbar“, es spielten so viele Faktoren eine Rolle. Und: Wohngebiete könne man nur einmal entwickeln. Klar wurde: Um die Menschen mit einem dicken Geldbeutel machen sich beide keine Sorgen, diese fänden Möglichkeiten. Die Wohnraumfrage sei eine mit „sozialem Sprengstoff“, sagt Ingenthron. Auch Geißler betont, es gehe nicht darum, Reiche aus Heidelberg nach Landau zu locken, sondern den Menschen, die die Stadt am Laufen halten – Krankenschwester, Pflegerin, Kassiererin, Polizist – bezahlbaren Wohnraum anzubieten.

Also vielleicht eine neue Runde Wohngebiete in den Stadtdörfern entwickeln? Er werde schon darauf angesprochen, sagt Geißler. Die einen hofften auf mehr Bauland, die anderen seien dagegen. Er wäre froh, wenn einige der geplanten Neubaugebiete Anfang kommenden Jahres erschließbar und vergabefähig wären – es warteten schließlich Menschen drauf. Ansonsten wäre Geißler für Nachverdichtung, vorzugsweise in der Höhe, nicht in der Fläche. Und eine Lösung wären auch Tiny Houses – wobei Geißler hier betont, dass sich seine Einschätzung in diesem Fall mit der seines Konkurrenten deckt. Aber auch die sollten nicht in bisher unbebaute Flächen gestellt werden.

Was passiert mit dem La Ola?

Die Landauer SPD hatte zu Jahresbeginn angesichts der zu erwartenden Kosten für die Sanierung des Hallenbads La Ola den Stein ins Wasser geworfen, das Bad vornehmlich als Schul- und Sportbad weiterzubetreiben. Eine Idee, die Ingenthron in sein Wahlprogramm aufgenommen hat. Das bedeute nicht, dass das La Ola nicht auch weiter als Spaß- und Freizeitbad betrieben werden könne – „aber man muss auch auf die Folgekosten schauen“, sagt der Bürgermeister. Man müsse das auch mit Blick auf die Einnahmen „fein austarieren und sehen, was geht und was nicht geht“. Geißler hingegen spricht sich klar für die Erhaltung des Bads in seiner jetzigen Funktion aus. Gerade mit Blick auf die Corona-Zeit sei festzuhalten, dass das Bad unter Freizeitaspekten für Familien eminent wichtig sei. „Die Leute wollen das, und ich verteidige das mit Zähnen und Klauen“, betont der 57-Jährige. Die Idee: Geld sammeln wo es geht – auch über die Bildung einer Genossenschaft oder Crowdfunding im Netz – und dann schauen, was geht. Der Vorteil einer Genossenschaft wäre laut Geißler, dass die Halter von Anteilen auch ein Mitspracherecht hätten. Sein Beispiel: Wenn nun die Mehrheit der Genossen sich für eine weitere Rutsche ausspreche und diese finanziell darstellbar wäre, könnten sie sie auch durchsetzen.

Mehr Bürgerbeteiligung?

Die Bürger stärker einzubinden ist Geißlers Wahlkampfthema Nummer 1. Bürgerbeteiligung. Die Bürger seien unzufrieden damit, wie es derzeit laufe. Es gibt eine Beteiligungsplattform, aber bis der Bürger eine Rückmeldung erhalte, „zieht es sich hin“. Geißler nennt hier die Beispiele Schneiderstraße, Radbrücke und gegenläufiger Radverkehr in der Königstraße: Im Rathaus ausgetüftelte Projekte, die danach meist in Infoveranstaltungen der Bevölkerung präsentiert worden seien. In solchen Fällen spricht er sich für eine Beteiligung der Landauer vor einer Entscheidungsfindung aus. Geißlers Beispiele sind alles Projekte des Beigeordneten Lukas Hartmann – also des Koalitionspartners der CDU im Stadtrat. Was direkt zur nächsten Frage führt.

Wie geht’s nach der Wahl weiter?

Wie wird es denn nun weitergehen, wenn der neue Oberbürgermeister kommt? Geißler betont, er werde überparteilich agieren – die Wahl sei schließlich eine Personen- und keine Parteienwahl. Dass Teile der CDU mit den Grünen fremdelten, gehöre zur Natur der Sache. Es handele sich schließlich um unterschiedliche Parteien. Zwei Zitate: „Ich fremdele nicht mit den Grünen.“ Und: „Ich bin kein Klon der CDU-Fraktion.“ Ingenthron, der zumindest rund zwei Jahre als Oberbürgermeister ohne eigene Mehrheit im Rücken regieren müsste, sieht das nicht als Problem an. Das habe SPD-Landrätin Theresia Riedmaier im Kreis SÜW auch erfolgreich geschafft. Der 54-Jährige wiederholt seine Aussage, dass es einen Wettbewerb der Ideen geben solle – die beste finde seine Unterstützung. Und: „Mehrheiten mögen sich ändern.“ 2024 ist Kommunalwahl, dann wird der Stadtrat neu gewählt.

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