Bad Bergzabern Gedenkveranstaltung zur Pogromnacht: Erschreckende aktuelle Bezüge

David Rosenberg spricht am Synagogen-Mahnmal in Bad Bergzabern.
David Rosenberg spricht am Synagogen-Mahnmal in Bad Bergzabern.

Das Gedenken an die Pogrome des 9. November 1938: Redner der Veranstaltung in Bad Bergzabern haben erschreckende Bezüge zur Gegenwart hergestellt.

„Was kann man in der Gegenwart gegen das Erstarken rechter Gesinnung tun? Eine Gegenwart, in der jüdische Mitbürger überlegen, Deutschland zu verlassen und in der Fackelzüge rechter Gruppierungen stattfinden.“ Rund 80 Anwesende diskutierten das im Anschluss an die Gedenkveranstaltung in Bad Bergzabern. Ein Gedenkstein erinnert an die Synagoge, die 1938 von SA-Trupps verwüstet und später abgerissen wurde.

Bei einer landesweit von den Nazis koordinierten Aktion, wurden Synagogen verwüstet und in Brand gesteckt, Friedhöfe geschändet und jüdische Geschäfte und Wohnungen verwüstet. Menschen jüdischen Glaubens wurden misshandelt und getötet. Seit vielen Jahren organisiert der SPD-Ortsverein die Veranstaltung am Gedenkstein.

Erstmalig war einer der Redner David Rosenberg, Vorsitzender des jüdischen Studierendenverbandes für Rheinland-Pfalz und das Saarland. Hinenu heißt der Verband, das bedeutet so viel wie „hier sind wir“. Rosenberg blickt mit Sorge auf die Gegenwart, den Hass auf Juden und Minderheiten in der Gesellschaft. Er habe mit Freunden in Israel telefoniert, die ihn gefragt hätten, was er denn noch in Deutschland wolle. „Ich möchte so lange hier bleiben, wie es funktioniert“, so Rosenberg. Im Gespräch mit der RHEINPFALZ sprach sich Rosenberg für den Austausch aus. Menschen sollten Israel besuchen, um Leben und Kultur seiner Landsleute zu erleben.

An Edith Stein erinnert

„Die Kirche hätte damals widersprechen müssen“, meint Pfarrer Stefan Häußler von der katholischen Pfarrei Heilige Edith-Stein. Er erinnerte daran, dass die damalige Mitbürgerin Edith Stein Jüdin gewesen sei und 1942 in Auschwitz umgebracht wurde. An die Deportationen der drei letzten Juden, die 1938 noch in Bergzabern gewohnt haben, in das Internierungslager Gurs in Südfrankreich und an die vielen Dörfer in der Südpfalz, in denen jüdische Mitbürger gelebt haben, erinnerte der Kreisbeigeordnete Werner Schreiner.

„Auf das Wohlwollen der Mitbürger haben damals die Juden in Bergzabern gesetzt. Dann kamen die braunen Hemden“, so Dekan Dietmar Zoller von der protestantischen Kirche. Keiner habe geschrien „hört auf, das sind doch meine Nachbarn“.

Vielfalt als Stärke

Die Bürgermeisterin der Verbandsgemeinde Bad Bergzabern, Katrin Flory (SPD), sprach sich dafür aus, die Vielfalt der Menschen als Stärke einer Gesellschaft zu begreifen. „Ich werde mir von Jahr zu Jahr unsicherer, ob so etwas wieder passiert“, äußerte Stadtbürgermeister Hermann Augspurger (FWG) seine Zweifel daran, ob das „nie wieder“ halten wird.

Die leichten einfachen Lösungen, die manche anbieten würden, bräuchten einen Sündenbock, wie damals, so Hermann Augspurger. „Was kann ich tun“, frage auch er sich, sagte der Stadtbürgermeister, verbunden mit der Hoffnung auf ein „nie wieder“.

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