Landau
Gas-Aus und Anschlusspflicht: Was wird uns die Fernwärme kosten?
Gerechnet wird bei der Energie Südwest, den früheren Landauer Stadtwerken, schon länger, was das hier kosten könnte: die Wärmewende. Die hat der Bund beschlossen, konkreter: das Aus für Gas-Heizungen. 2045 wird der Hahn zugedreht. Landau hat angesichts dessen schon vor längerer Zeit eine kommunale Wärmeplanung vorgelegt. Die Stadt setzt auf die Fernwärme.
300 Millionen Euro soll das Projekt kosten. 40 Prozent, also 120 Millionen Euro, werden vom Staat gefördert. Stand heute. Bezahlen müssen es aber die Bürger am Ende, so oder so. Die Frage ist nur: Wie hoch ist der Preis? Um diese Frage genauer beantworten zu können, muss erst eine andere geklärt werden: Werden die Landauer zum Anschluss an das Fernwärmenetz verpflichtet – oder nicht?
Für die Kalkulation sei diese Entscheidung zentral, sagt Thomas Waßmuth, der Vorstandsvorsitzende der Energie Südwest (ESW). Nur so könne die ESW errechnen, was das Fernwärme-Projekt kosten werde. Waßmuth sagt, es gebe drei Punkte, mit denen sich der Endpreis bestimmen lasse – für alle Seiten. Erstens müsse geregelt sein, wer die Energie liefere. Diese Frage sei mit dem Vertragsabschluss mit Vulcan beantwortet. Nummer zwei seien die Kosten für den Netzausbau in der Stadt. Dazu sei die ESW mit Firmen in Gesprächen. Punkt drei sei eben die Frage der Anschlusspflicht. „Klar ist, wenn jeder mitmacht, wird es günstiger“, betont Waßmuth. Nicht nur der Anschlusspreis wäre bei einer Anschlusspflicht geringer für die Heizkunden, auch die Heizkosten würden niedriger ausfallen. Die Rechnung sei simpel: Je mehr Leute in Landau Fernwärme bezögen, desto besser wären die Preis-Konditionen.
Was der Hausanschluss kosten könnte
Technisch gesehen soll die Landauer Wärmewende in groben Zügen so ablaufen: Über die Vulcan-Geothermiekraftwerke wird Thermalwasser aus mehreren Tausend Metern Tiefe an die Oberfläche befördert. Über einen Wärmetauscher wird Energie abgezogen, damit normales Brauchwasser erhitzt. Das wiederum wird dann über in die Straßen der Stadt verlegten Rohre, Durchmesser 100 Zentimeter inklusive Dämmung, zu den Hausanschlüssen und damit in die Heizkreisläufe der Landauer Wohnungen und Wohnhäuser gebracht – mit einer Temperatur von 95 Grad Celsius.
Zurück zum Geld: Anfang vergangenen Jahres hatte Waßmuth erstmals im Gespräch mit der RHEINPFALZ grobe Zahlen vorgelegt. Über den Daumen gepeilt, sagte er damals, würden für einen Fernwärmehausanschluss bei einem Einfamilienhaus etwa 8000 Euro anfallen. Zusätzlich müsse der alte Gaskessel im Keller raus. Kosten: etwa 4000 Euro obendrauf. Ein Anteil der Kosten könne gefördert werden, so der ESW-Chef damals. Alternativ zur Fernwärme könnten Bürger zum Beispiel auch auf Wärmepumpen setzen, doch diese seien mit Blick auf die Kosten und auch ökologisch betrachtet gegenüber der Fernwärme im Nachteil.
Stadtrat: Kommt die Anschlusspflicht?
Ein Jahr später betont Waßmuth nun, er habe Zahlen genannt, doch die Berechnungsgrundlage sei doch noch recht ungenau. Es hänge eben vor allem an der Frage der Anschlusspflicht. Entscheiden darüber muss der Landauer Stadtrat. Bisher gab es noch keine eindeutigen Einlassungen seitens der Politik. Aus dem politischen Raum ist jedoch zu hören, dass es einige gibt mit großen Sympathien für eine Anschlusspflicht. Zudem ist zu hören, dass es nicht um eine flächendeckende Anschlusspflicht geht, sondern einzelne Gebiete abgestimmt würden. Denn nicht ganz Landau ist in den Fernwärmeplanungen hinterlegt. Betroffen sind vor allem die Kernstadt und das Gewerbegebiet Queichheim. Die Bürger in den meisten Stadtdörfern werden bis auf absehbare Zeit auf Wärmepumpen und Co. setzen müssen.
Unabhängig von der Frage der Anschlusspflicht hat der Fernwärmeausbau in Landau längst begonnen. In der Waffenstraße sind die Rohre schon verlegt worden, bald wird unter anderem die Reiterstraße an der Reihe sein. Bis große Teile der Stadt jedoch mit Fernwärme versorgt sind, sollte das Projekt kommen wie angepeilt, werden noch viele Jahre vergehen und viele Straßen für die Verlegung der Rohre aufgerissen werden. Waßmuth ist dennoch überzeugt von dem Vorhaben. Die Rohre seien nach 30 Jahren bezahlt, aber viel langlebiger. Sie hielten etwa 60 bis 80 Jahre. Deshalb werde die Fernwärme perspektivisch immer günstiger für die Verbraucher.
