Landau Frische Erde für die Toten

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Zur Umsetzung des Landauer Integrationskonzepts gehört für Bürgermeister Thomas Hirsch (CDU) die Möglichkeit für Muslime, ihre Verstorbenen nach ihren Ritualen beizusetzen. Auf dem Hauptfriedhof hat die Verwaltung dafür eine Fläche bereitgestellt. Der Haken: Das muslimische Ritual verlangt unberührte Erde – was dort nicht der Fall ist. Jetzt muss eine Lösung her.

Da im vorgesehenen Bereich auf dem Friedhof einst Menschen bestattet wurden, ist dort die Erde im Sinne der muslimischen Kultur nicht mehr „jungfräulich“. Sie muss ausgetauscht werden. Und das kostet. „Die Stadt ist bereit, das Feld zu roden und würde auch Hecken pflanzen, aber alles, was darüber hinausgeht, kann aus dem städtischen Haushalt nicht bezahlt werden“, sagt Bürgermeister Hirsch. „So wie wir Lebenden in einem sauberen Haus wohnen wollen, so sollen auch die Verstorbenen in reiner Erde liegen“, erklärt der Imam der türkisch-islamischen Gemeinde in Landau, Mehmet Ali Cendek. „In unserem irdischen Haus sind wir nur vorübergehend, im Haus der Toten werden wir ewig wohnen.“ Damit spricht der Geistliche einen weiteren Punkt an, der geklärt werden muss. Ein Moslem ruht für immer in seiner letzten Ruhestätte, seine Überreste dürfen nicht entfernt werden. In Deutschland gibt es jedoch eine Ruhefrist, nach der das Grab wiederverwertet werden kann. Auch dass verstorbene Moslems traditionell ohne Sarg begraben werden, kann zu Problemen führen: Die Sargpflicht ist Ländersache. Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Hessen haben sie bereits ganz aufgehoben. Rheinland-Pfalz lässt lediglich Ausnahmen aus religiösen Gründen zu. Die Größe des Grabs wird die Verwaltung ebenfalls beschäftigen: In der Regel sind Gräber auf deutschen Friedhöfen 1,70 Meter tief und 90 Zentimeter breit, mindestens ein Meter Erde muss den Sarg bedecken. In der Türkei liegen die Toten nur einen Meter tief und eine Breite von 60 Zentimetern scheint ideal, den Verstorbenen in die Haltung zu bringen, jederzeit für den Gang nach Mekka bereit zu sein. Ein weiterer Punkt: Das deutsche Gesetz verlangt zur Sicherheit der Bestatter die Verschalung des ausgehobenen Grabs mit Holzbrettern, die entfernt werden, bevor es mit Erde zugeschüttet wird. Dazu muss jemand hinabsteigen. Nachdem eine Gemeinde in Hessen festgestellt hat, dass es nicht möglich ist, einen Toten ohne Sarg würdig in die gesetzlich geforderte Tiefe abzulegen, wurde dort eine Art Stufengrab ausgetüftelt. In München hat man das Platzproblem gelöst, indem die Überreste lange Verstorbener am selben Ort tiefer vergraben werden und somit nach angemessener Frist inzwischen drei Moslems übereinander ihre ewige Ruhe finden können. In seinem Abschlussbericht sieht der Vorsitzende des alten Beirats für Migration und Integration, Aydin Tas, die Stadt Landau in der Pflicht, die Voraussetzungen für eine glaubenskonforme Bestattung zu erfüllen – koste es, was es wolle. „Wir können nur das bezahlen, was wir für die herkömmlichen Bestattungen aufbringen, mehr können wir als Stadt nicht leisten“, betont Hirsch. Er nennt drei umsetzbare Möglichkeiten: „Den sofortigen kompletten Bodenaustausch, erst mal einen Teil austauschen oder vor jeder Bestattung nur für das jeweilige Grab.“ Auftrag des bisherigen Beirats sei es gewesen, die beiden Imame der türkischen und arabischen Moschee mit der Verwaltung zusammenzubringen, damit die Geistlichen ihre Position erläutern. Die Beiratswahl im November habe den Prozess verzögert, vermutet der Bürgermeister. Der geistliche Vorstand der Abu-Bekr-Moschee in der Kronstraße bedauert, finanziell nicht helfen zu können: „Unsere Gemeinde hat lediglich 40 Mitglieder, wir können keine größere Summe aufbringen“, sagt Scheich Mostafa Yasmine. Der Imam der Eyüp-Sultan-Moschee in Queichheim zeigt sich entgegenkommend und sagt, seine türkisch-islamische Gemeinde sei bereit, in Eigenleistungen die Stadt zu entlasten. Eine der ersten und wichtigsten Aufgaben des neuen Beirats für Migration und Integration, der sich am Donnerstag zum ersten Mal traf, wird es sein, alle Beteiligten an einen Tisch zu bekommen, um eine für alle annehmbare Lösung zu finden.

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