Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Fördert die Sommerschule die richtigen Kinder?

Der Schwerpunkt der Sommerschule liegt auf den Fächern Mathe und Deutsch.
Der Schwerpunkt der Sommerschule liegt auf den Fächern Mathe und Deutsch.

Vierzehn Tage vor Schulstart gehen in Landau 293 Kinder der Klassen eins bis acht zur Sommerschule, um sich fürs kommende Schuljahr fit zu machen. Dort können sie das nachholen, was beim Lernen in der Corona-Zeit vielleicht zu kurz gekommen ist. Doch das Angebot wird auch kritisiert.

Haben Sie Interesse an einer Förderung Ihrer Kinder? Das wollte das Bildungsministerium 14 Tage vor den Sommerferien bei einer Umfrage von Eltern wissen. Und das Interesse der Landauer Eltern war groß. „Das Land hat uns mitgeteilt, dass zwischen 300 und 340 Kinder die Sommerschule nutzen wollen“, berichtet Bürgermeister und Schuldezernent Maximilian Ingenthron auf Nachfrage. „Wir müssen alles dafür tun, dass Corona die soziale Schere nicht weiter öffnet“, erklärt er. Die Sommerschule kann ein Instrument sein, um Teile des Lernstoffs, der während der Corona-Krise nur zu Hause vermittelt wurde, gemeinsam aufzuarbeiten und nachzuholen.

„Standort sicherlich nicht ideal“

Das sieht Eva Schübel, ehrenamtliche Leiterin des Altstadt-Kindertreffs, genauso. Bis zu 50 Kinder nutzen das Angebot, das vom Haus der Familie der Evangelischen Stiftskirchengemeinde organisiert wird, wie Schübel berichtet. Viele der Kinder leben unter schwierigen Bedingungen, haben kein Internet, müssen Schulaufgaben am Küchentisch machen – und die Eltern können ihnen selten dabei helfen. Diese Kinder, erklärt Schübel, brauchen Förderung und Unterstützung. Die Sommerschule sei ein ideales Angebot, doch für viele dieser Kinder sei es nicht erreichbar. Für Grundschüler wird sie in der Horstringschule veranstaltet. Dorthin könnten Kinder aus der Altstadt nicht laufen, und die meisten Eltern hätten kein Auto, um sie zu bringen. Deshalb hätten viele ihre Kinder gar nicht erst angemeldet, vermutet Schübel.

„Der Standort Horstring ist für die Kinder aus der Stadt sicherlich nicht ideal“, bestätigt Ingenthron Schübels Kritik, aber es habe kurzfristig keinen besseren gegeben, denn die Schulen in der Innenstadt werden renoviert. Bei der Pestalozzi-Schule werden die Fassaden saniert, bei der Thomas-Nast-Grundschule das Dach neu gedeckt, und im Otto-Hahn-Gymnasium werden die Treppenhäuser gestrichen. So bleibt die Grundschule Horstring. Einen Busshuttle so kurzfristig zu organisieren, sei auch nicht möglich, da die Kinder nicht nur aus Landau, sondern auch aus dem Landkreis kommen, ergänzt Stadtpressesprecherin Sandra Diehl.

Kritik am Anmeldeverfahren

Unzufrieden ist Schübel auch mit dem Anmeldeverfahren. Viele Eltern der Kinder aus dem Spieltreff sprechen kaum Deutsch oder könnten als Deutsche kaum lesen. Der Elternbrief sei auch für deutsche Eltern nur schwer zu verstehen gewesen, kritisiert Schübel. „Er hätte in leichter Sprache geschrieben werden müssen.“

Ingenthron nimmt Schübels Kritik ernst, will diese auch ans Land weitergeben, das für die Einladung und die inhaltliche Gestaltung der Sommerschule zuständig sei. Das Bildungsministerium hatte wenige Tage vor den Ferien eine Internetplattform geschaltet. Dort konnten Eltern ihr Interesse für die Sommerschule anmelden. Parallel dazu motivierte das Jugendamt Eltern, ihre Kinder zur Sommerschule anzumelden. Aus dem Rathaus heißt es, dass am Montag auch nicht angemeldete Kinder kamen und dass für die nächste Woche noch einige Plätze frei seien.

Innerhalb von vier Wochen wurden 22 Freiwillige – überwiegend Lehramtsstudenten sowie aktive und pensionierte Lehrkräfte – gefunden, die die Sommerschule durchführen und für 14 Tage Einsatz 300 Euro vom Land erhalten. Ihre fachliche Qualifikation musste geprüft und die persönliche Geeignetheit mit einem Führungszeugnis belegt werden. Dann mussten 16 Fördergruppen à zehn Kinder gebildet, die Corona-Auflagen angepasst und die Aufsicht organisiert werden. „Ein Kraftakt“, meint Ingenthron – „und ein Experiment.“ Kritische Hinweise seien wichtig, auch wenn er sie bei dieser Sommerschule kaum noch umsetzen könne.

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