Landau Es klimpert ordentlich in der Büchse
Rüdiger Thomaschewski ist wieder draußen an seinem angestammten Platz, an der Ecke Gerberstraße/Kronstraße in Landau. Noch bis 25. November wird er bei Wind und Wetter dort stehen, jeweils drei Stunden am Tag. Der 78-Jährige sammelt Spenden für den Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge. Die Initiative hat es sich zur Aufgabe gemacht hat, Soldatengräber im Ausland zu pflegen und so für die Angehörigen einen Ort der Trauer zu erhalten. Für die gute Sache lassen sich immer weniger Ehrenamtliche gewinnen. Thomaschewski ist nicht der Einzige, der – in Offiziersuniform gekleidet und mit der Spendendose in der Hand – in der Stadt zu sehen ist. Der ehemalige Bundeswehrsoldat ist einer von zehn Männern, die hier und dort anzutreffen sind. In Mörlheim und Offenbach wandern sie auch von Haustür zu Haustür, um Geld für den guten Zweck zusammenzubekommen. Sie alle sind Mitglieder der Reservistenkameradschaft (RK) Landau, die seit 2004 in der Stadt sammelt. Zuvor haben sich die Schulen in Landau für die Aktion engagiert. Vor einigen Jahren hat die Aufsichts- und Dienstleitungsdirektion aber noch einmal klargestellt, dass Spendensammler mindestens 16 Jahre alt sein müssen und von einem Erwachsenen zu begleiten sind. „Somit war es praktisch nicht mehr möglich, dass Schüler die Spenden sammeln, zumal sie ihre Freizeit opfern müssen“, sagt Gerhard Blumer vom städtischen Friedhofsamt, der in Landau Ansprechpartner für die Initiative ist. Nur noch Mädchen der Maria-Ward-Schule beteiligten sich neben der RK an der Spendensammlung. Die Truppe um Thomaschewski ist sehr erfolgreich, da braucht man nur einen Blick auf das Sammelergebnis der vergangenen Jahre werfen. Konnte sie 2004 rund 700 Euro Spenden generieren, kam vergangenes Jahr knapp das Zehnfache zusammen. Unterm Strich waren es damals rund 6400 Euro. „Dabei muss man bedenken, dass wir anfangs, als wir die Spendensammlung durchführten, zu zweit waren“, sagt Thomaschewski. Den ersten Vorsitzenden der RK, Volker Paul, der samstags auf dem Wochenmarkt Spenden für den Volksbund sammelt, überraschen die Ergebnisse nicht. Er erzählt: „Es ist schon etwas anderes, wenn wir Erwachsenen mit unseren Offiziersuniformen sammeln. Das macht schon einen anderen Eindruck.“ Darüber hinaus habe man Menschen wie Thomaschweski in seinen Reihen, die in Vereinen vertreten sind und Ehrenämter übernommen haben, sodass sie als vertrauenswürdig angesehen werden. Die Mitglieder der RK waren zudem selbst bei der Bundeswehr – Paul zehn, Thomaschewski zwei Jahre –, sodass sie auf Fragen zum Volksbund auch Antworten parat haben. Der Kreis Südliche Weinstraße liegt in Sachen Spenden sogar an der Spitze: 27 Cent pro Einwohner wurden hier im Schnitt vergangenes Jahr gesammelt (2016: 29 Cent). In den neun anderen Landkreisen im Bezirksverband Rheinhessen-Pfalz liegt der Schnitt bei neun Cent pro Einwohner, sagt der ehrenamtliche Beauftragte für den Kreis SÜW, Sebastian Christill. Es fehlt jedoch an Ehrenamtlichen. „Auch gibt es Menschen, die mit dem Vergangenen nichts mehr zu tun haben möchten oder nicht genau wissen, was der Volksbund leistet.“ In einigen Orten wie Steinfeld können Spendenwillige nur noch per Banküberweisung einen Beitrag zum Erhalt der Kriegsgräber leisten. Ortsbürgermeister Marc Steinbrecher begrüßt zwar das Engagement des Volksbunds. „Allerdings hat sich im Ort keiner gefunden, der bereit war, diese Aufgabe zu übernehmen.“ In Birkweiler etwa sieht es Ortsbürgermeister Bernd Flaxmeyer als Selbstverständlichkeit an, dass Ratsmitglieder mit der Sammelbüchse unterwegs sind: Bislang waren sie auch immer erfolgreich. „Doch einfach ist die Aufgabe nicht“, sagt Flaxmeyer. Die Bürger würden es als Aufgabe des Staates ansehen, den Erhalt der Soldatengräber im Ausland zu sichern. In Leinsweiler war die Straßensammlung gar so frustrierend, dass sie dort bereits abgeschafft wurde. Ortsbürgermeister Thomas Stübinger erzählt: „Bei einem Seniorennachmittag hatte ich mal eine Spendendose aufgestellt, mit dem Hinweis, dass das Geld dem Volksbund zugutekommt.“ Fünf Euro seien damals zusammengekommen. Hohe Wellen schlug die Entscheidung des Rates Niederhorbach, nicht mehr von Haustür zu Haustür zu gehen. Das war 2014, also noch vor der Amtszeit von Ortschef Ralf Lorenz. Er honoriert die Arbeit des Volksbunds. „Aber der Rat war der Meinung, dass sich der Staat über die Finanzierung des Volksbundes Gedanken machen muss.“ Kriege hätten nicht die Bürger, sondern Vater Staat zu verantworten. Demzufolge könne es nicht sein, dass ältere Menschen, darunter Kriegerwitwen, spenden sollen. „Die haben schon genug Opfer getragen“, sagt Ortschef Lorenz. „Es kam nicht selten vor, dass uns Bürger nur deshalb Geld in die Spendendose einwarfen, weil sie uns kannten.“