Landau „Es geht mir nach, wenn die Lauterer verlieren“

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Am heutigen Montag vollendet Günther Lintz, der langjährige Mörzheimer Ortsvorsteher, das 90. Lebensjahr. So, wie er im blauen Winzerkittel mit dem SÜW-Emblem an der Brust am Küchentisch sitzt, rege über früher und heute plaudert und sein Interesse an vielen Dingen des täglichen Lebens erkennen lässt, glaubt man ihm auf Anhieb, wenn er sagt: „Mir geht es gut, ich fühle mich wohl.“

Lintz, früher von Beruf Landwirt und Winzer, hat sich 38 Jahre lang für seinen Ortsteil kommunalpolitisch betätigt. Sein Einsatz für „Mörzem“ in verschiedenen Ämtern ist bei den Bürgern unvergessen, auch wenn sich der Sozialdemokrat bereits 1994 aufs Altenteil zurückzog. Dass er noch sehr gut beieinander ist, führt er auf drei Punkte zurück: Er trinkt jeden Abend ein Gläschen Wein aus dem familieneigenen Weingut, er liest täglich die RHEINPFALZ, und er arbeitet noch stundenweise im Betrieb mit. Es vergeht kaum ein Tag, an dem Günther Lintz nicht Leergut zur Wiederverwendung sortiert. Er kam im vergangenen Jahr nach Angaben seines Sohnes auf 50.000 Flaschen. Und dann macht er bestellten Wein versandfertig. Wenn er nach drei Stunden Arbeit zu einer Pause gedrängt wird, reagiert er etwas unmutig. Er habe im hohen Alter keine Langeweile, gesteht er und betont rückblickend, das sei schon immer in seinem Leben so gewesen. In Edenkoben geboren und aufgewachsen, kam Lintz im Alter von sechs Jahren mit seinen Eltern nach Mörzheim. Zurückgekehrt aus dem Krieg, fing er langsam an, im mütterlichen Anwesen den landwirtschaftlichen Betrieb mit eineinhalb Hektar Weinbergen aufzubauen. „Ich habe mit einer Kuh angefangen“, erinnert sich der Sohn eines Weinkommissionärs. Er war zeit seines aktiven Berufslebens Fassweinerzeuger, 1989 stellte der Sohn auf Flaschenweinvermarktung um. Heute bewirtschaftet das Weingut mit Sitz in Mörzheim und Appenhofen unter Leitung seines Enkels Emil 35 Hektar Weinberge. Auch Politiker war der Jubilar einst: „Mein Cousin Willi Joachim war Bürgermeister von Mörzheim. Er stellte zur Kommunalwahl 1956 eine Kandidatenliste auf. Meine Mutter riet mir, mich auf die Liste setzen zu lassen.“ Er wurde gleich gewählt. Bis zur Eingemeindung „Mörzems“ 1972 gehörte der Jubilar dem Gemeinderat an, war von 1964 bis 1972 Beigeordneter, dann von 1972 bis 1976 stellvertretender Ortsvorsteher und ab dann bis 1994 Ortsvorsteher. Als er in den Landauer Stadtrat gewählt wurde, nahm er das Mandat nicht an, er wollte sich auf Mörzheim beschränken. Seit 44 Jahren ist Lintz Mitglied der SPD, vorher war er parteilos, aber SPD-nah, wie er einräumt. Die Partei würdigt seine Verdienste mit der Verleihung der Willy-Brandt-Medaille. Ortsvereinsvorsitzender Hannes Kopf und der Vorsitzende der pfälzischen SPD, Alexander Schweitzer, haben sich deshalb für heute Nachmittag angesagt. Helmut Schmidt war für Günther Lintz das große politische Vorbild. Dass die SPD heute in Deutschland nicht so gut dasteht, registriert er, kommentiert deren Zustand aber nicht. Er nehme keinen Anteil mehr an der Parteipolitik, sagt er. Familie, Betrieb und Sport interessieren ihn viel mehr. Früher hat er kaum ein Spiel seines geliebten 1. FC Kaiserslautern auf dem Betzenberg ausgelassen. Heute verfolgt er den Weg seines Vereins aus der Ferne, gesteht aber: „Es geht mir immer noch nach, wenn die Lauterer verlieren, aber ich zeige es nicht.“

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