Landau
Erfolgreiche Impfaktion auf Wochenmarkt
Samstag, 8.05 Uhr: Auf dem Landauer Wochenmarkt herrscht lebhaftes Treiben. Gesprächsfetzen, die nach Ferien, Urlaubszielen, gutem Wetter und Freiheit klingen, lassen beste Laune erahnen. Dennoch vernimmt man zwischen Kirschen, Salat und Äpfeln hin und wieder Vokabeln aus der fast schon verebbten Pandemiesprache, die doch wieder aufzukeimen scheint: Inzidenzen, Entwicklung steigend, Delta-Variante, schrecklich, Warnung, Vorsicht, Einschränkung, vierte Welle … Die drohende Umkehr einer erfreulichen Tendenz der vergangenen Wochen scheint in den Köpfen der Menschen angekommen zu sein.
Mitten in die Unterhaltung der Kaufwilligen drängt sich ein drittes Thema: die Schlange am Eingang des Max-Slevogt-Gymnasiums. Gibt es etwas umsonst? Ja, tatsächlich: eine Corona-Impfdosis von Johnson & Johnson. Standen dort gegen 8 Uhr noch 35 Personen an, so sind es um 8.10 Uhr bereits 66 Impfwillige.
Besser als Schnelltests
Alexandra (51) wartet schon seit 7.40 Uhr. Gleich ist sie an der Reihe. Es macht ihr nichts aus, hier auszuharren, denn wegen ungeeigneter Arbeitszeiten ist sie dankbar für das Samstagsangebot, von dem sie über Facebook erfahren hat. Maurice (18) aus Landau und Sören (20) aus Bad Bergzabern haben beide nicht mit diesem Andrang gerechnet. Ihnen ist es wichtig, geimpft zu werden, denn dann müssen sie sich keinen Schnelltests mehr unterziehen, nur um ins Fitnessstudio zu gelangen. Johann (61) aus Edenkoben erfuhr von der Aktion über seine Partnerin aus der RHEINPFALZ. Er musste schon zwei Impftermine aus beruflichen Gründen verstreichen lassen und ist froh über diese Gelegenheit.
Markus (24) aus Steinweiler wurde von seinem Vater darauf aufmerksam gemacht und hat im Internet recherchiert. Er will alles schnell hinter sich bekommen. Auch für ihn gab es berufsbedingt bisher keine anderen Möglichkeiten. Pia (53) begleitet ihren 19-jährigen Sohn, der auf den Termin von seiner Chefin hingewiesen wurde. Die ganze übrige Familie ist bereits geimpft. Letztlich war der pflegebedürftige Opa der Anlass für den jungen Mann, die Chance zu nutzen. Anja (56) aus Landau steht direkt bei der Aufnahme. Sie hat aus der RHEINPFALZ davon erfahren und fand die Überschrift in der Printausgabe mit dem Impfen zwischen den Radieschen nett.
Dank vieler Helfer flutscht es
20 Helferinnen und Helfer kümmern sich unterdessen seit 7 Uhr im Gymnasium um einen reibungslosen Ablauf und das Wohl von Impfwilligen und bereits Geimpften. Helfer verteilen Einwilligungserklärung, Aufklärungsbogen und Anamneseblatt. Eine nur gebrochen Deutsch sprechende Dame, die der Schriftsprache nicht mächtig ist, wird unkompliziert durch mündliche Befragung unterstützt. Zu den Ärzten Andreas Hülsenbeck, Peter Wollny und Cyrus Bakhtari gesellen sich wenig später noch Hals-Nasen-Ohrenarzt Stefan Espenschied und der Orthopäde Alexander Schopp, die ihre Unterstützung anbieten.
„Ist hier der Aufwachraum?“, fragt jemand scherzhaft, und die Dame aus dem Orga-Team, die hier Mädchen für alles ist, gibt schlagfertig zurück: „Ja, aber nur für Männer!“ Die Stimmung ist locker und fröhlich. Die bereits Geimpften loben Freundlichkeit und reibungslosen Ablauf. Rolf Epple von der gleichnamigen Landauer Stiftung berichtet von der kurzfristig geplanten Aktion in Kooperation mit dem Deutschen Roten Kreuz. Das Anliegen, zu den Menschen zu kommen, resultiert aus der Beobachtung einer gewissen Impfmüdigkeit. Beim Johnson-&-Johnson-Vakzin ist eine einmalige Verabreichung ausreichend. Nach 14 Tagen ist der Impfschutz aufgebaut. Dann gibt es auch ein Impfzertifikat, das unter anderem das Reisen erleichtert.
Nicht mal der Regen stört
Ärzte und Helfer sind mit einer ausreichenden Menge an Impfdosen auf den Tag vorbereitet. Sabine (54) hat bereits alles überstanden. Erst am Vorabend hatte sie von der Aktion gehört und sich spontan zum Handeln entschlossen. Sie war am Anfang generell eher skeptisch, was das Impfen betrifft, sieht nun aber doch die Notwendigkeit ein. Sie ist froh über das niedrigschwellige Angebot.
Um 9 Uhr setzt leichter Regen ein. Wollny bittet 20 geduldig wartende Menschen am Kopf der Schlange in die Pausenhalle der Schule. Hier ist alles gut geregelt und man behält den Überblick.
10 Uhr: Die Schlange ist weg – einfach weg. In der ersten Stunde wurden 100 Dosen verimpft, in der zweiten sind es bereits 130. Dann steigert sich die Zahl im Verlauf des Vormittags bis auf 190. Um 12 Uhr sind noch immer vier Ärzte und etliche Helfer zugegen. Sporadisch kommen auch jetzt noch Impfwillige ins Schulgebäude, sodass am Ende um die 200 Menschen erreicht wurden.