Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Erdwärme: Mainz macht Weg für dritte Bohrung frei

Das Geothermiekraftwerk im Süden Landaus soll umfassend erneuert werden.
Das Geothermiekraftwerk im Süden Landaus soll umfassend erneuert werden.

Das Landesamt für Geologie und Bergbau hat entschieden, dass für eine dritte Bohrung im Geothermiekraftwerk in Landau keine Umweltverträglichkeitsprüfung erforderlich ist. Die Öffentlichkeit wird nicht am Verfahren beteiligt.

Nachbarn, Umweltverbände oder die Stadt Landau können sich nicht mit Vorbehalten oder Verbesserungsmöglichkeiten einbringen und die Bohrung schon mal gar nicht verhindern. Das hat das Landesamt am 13. Oktober beschlossen, und so steht es seit dem 18. Oktober auf dessen Homepage. Weder die Behörde noch das Betreiberunternehmen haben am Freitag auf Anfragen der RHEINPFALZ vom Vorabend reagiert. Oberbürgermeister Thomas Hirsch hat die Entscheidung bedauert. Die Stadt werde die Begründung des Landesamtes analysieren. „Wir bleiben als Stadt zunächst bei unserer zurückhaltenden Haltung, was das Kraftwerk angeht“, erklärte Hirsch. Er erinnerte an den jüngsten Grundsatzbeschluss, dass das Geothermie-Kraftwerk für eine weitere Bohrung nur dann weitere Flächen erhalte, wenn es dadurch Vorteile für die Nachbarschaft gebe.

Nach Einschätzung des Landesamtes sind die Umweltauswirkungen einer weiteren Bohrung „in ihrer Größe, Ausdehnung und Wirkintensität nicht als erheblich zu bewerten“. Bei der Bohrung handele es sich um eine temporäre Maßnahme, und es gebe bereits zwei artgleiche Bohrungen. Außerdem lägen bereits mehrjährige Erfahrungen in der Erdwärmegewinnung am Standort vor, und die Sicherheits- und Steuerungsanlagen sowie die fortlaufende Überwachung von Umweltparametern seien auf die Vermeidung von Umweltauswirkungen ausgelegt. Anfechtbar ist die Entscheidung nach Angaben des Landesamtes nicht.

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Misstrauen bleibt

Probleme gab es von Anfang an

Wie berichtet, plant der Kraftwerksbetreiber Geox eine dritte Bohrung in Landau, um das Kraftwerk sicherer und effizienter betreiben zu können. Das Erdwärmekraftwerk in der Eutzinger Straße war das erste in Deutschland und hatte von Anfang an mit Problemen zu kämpfen. Schuld daran war im Wesentlichen die Reinjektionsbohrung, durch die das Tiefenwasser nach seiner Nutzung zur Stromerzeugung (und in geringem Maß zur Wärmegewinnung) wieder in den Untergrund zurückgepumpt wird. Diese Bohrung war nicht gut gelungen; das Wasser musste mit hohem Druck verpresst werden. In der Folge war es zu Erdbeben gekommen und der Druck hatte reduziert werden müssen. Das wiederum war mit einer Drosselung der Fördermengen einhergegangen.

Im benachbarten Kraftwerk in Insheim war eine andere Lösung gewählt worden: Dort gibt es eine gegabelte Bohrung (wie ein auf dem Kopf stehendes Y), um das gebrauchte Wasser wieder loszuwerden. Die dritte Bohrung in Landau war schon vor Jahren mal ein Thema, doch 2013 hatte sich der Landauer Versorger Energie Südwest trotz angekündigter Bundeshilfe gegen die mehrere Millionen teure Entlastungsbohrung entschieden und war weitgehend aus dem Projekt ausgestiegen.

Daldrup musste Millionen in Nachrüstung stecken

Neuer Mehrheitseigentümer war das Bohrunternehmen Daldrup und Söhne geworden, das in der Folge Millionen in die Überwachungs- und Sicherheitstechnik investiert hatte. Nötig geworden war dies, nachdem es insbesondere im Süden des Stadtgebiets aufgrund eines Lecks in der Reinjektionsbohrung zu massiven Erdhebungen gekommen war: Das mit hohem Druck in den Untergrund gepresste Wasser war in nur geringer Tiefe ausgetreten und hatte die darüberliegenden Erdschichten angehoben. Danach stand das Kraftwerk bis November 2018 still.

Auch Daldrup hatte bereits eine dritte Bohrung angekündigt, aber nie vollzogen. Stattdessen hatte sich das Unternehmen 2019 aus dem Betreibergeschäft zurückgezogen und seine Geothermiekraftwerke in Landau und Taufkirchen bei München an die IKAV Invest S.a.r.l in Wasserbillig/Luxemburg verkauft. Als Verkaufspreis waren insgesamt rund 6,2 Millionen Euro genannt worden, plus weitere 18 Millionen beim Erreichen bestimmter Leistungswerte bei beiden Kraftwerken. Zumindest für Landau bedeutete dies, dass eine höhere Leistung insbesondere durch mehr Wasserdurchsatz angestrebt wurde, und der war nur mit einer verbesserten Möglichkeit zu erreichen, das gebrauchte Wasser wieder loszuwerden. IKAV-Chef Gruber hatte die Kosten einer dritten Bohrung mit „mehreren Millionen Euro“ angegeben.

Alt-Eigentümer Daldrup hatte kürzlich angekündigt, in diesem Monat im Schweizer Teil des Rhonetals im Auftrag eines dortigen Konsortiums für ein Geothermiekraftwerk bis in rund 3000 Meter Tiefe nach heißem Wasser zu bohren. Der Auftragswert liege in Höhe eines mittleren, einstelligen Millionen-Euro-Betrags.

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