Landau
Elena Bonatz ist seit zehn Jahren Landaus Gesicht für Migration und Integration
Am 1. Juli werden es zehn Jahre, das Elena Bonatz Landaus Gesicht für Migration und Integration ist. Offen und munter erzählt sie, dass sie sich im Frühjahr 2009 kurzentschlossen auf die Stellenanzeige der Integrations- und Migrationsbeauftragte für die Stadt Landau beworben habe. 34 war sie damals, hieß noch Schwahn mit Nachnamen und hatte schon reichlich eigene Erfahrung mit Migration und Integration.
In den russischen Krisenjahren 1998/99 entschied sich die in Moskau geborene studierte Grundschullehrerin nach Deutschland auszuwandern. In Göttingen angekommen lernte sie, dass ihr Studienabschluss in Deutschland nicht anerkannt wird. Sie büffelte zwei Jahre Deutsch an der Göttinger Universität, um dann an der Landauer Universität interkulturelle Pädagogik und Deutsch als Zweitsprache zu studieren. Auch wenn sie das Unterrichten reizte, an die Schule wollte sie nicht. „Dafür war mein Deutsch zu schlecht“, sagt Bonatz in fast perfektem Deutsch.
„Meine Großmutter, die Russisch- und Literaturlehrerin war, hat mir stets gepredigt: ,Menschen kannst du nur durch Sprache fördern!’.“ Noch im Studium begann sie als pädagogische Fachkraft an der Pestalozzi-Schule. Hedwig Heintze, die damalige Rektorin der innerstädtischen Grundschule, habe ihr Mut gemacht, weil sie ihr vieles zugetraut habe. So spürte Bonatz am eigenen Leib, wie wichtig es ist, dass ein anderer Mensch an einen glaubt. Später erlebte sie, wie wissbegierig und lernhungrig auch Kinder sein können, wenn sie diesen Rückhalt spüren.
Heintze hat damals mit sechs anderen Lehrkräften für das rheinland-pfälzische Bildungsministerium eine „Handreichung zur Durchführung Integrierter Fördermaßnahmen“ erarbeitet. Später setzte sie diese Handreichung auch in der Praxis um.
Die Stellenausschreibung der Stadt für eine Integrationsbeauftragte kam für sie 2009 zur rechten Zeit. Seit dem Studium war sie in der Landauer Migrationsszene aktiv. Mit Francesca Chillemi-Jungmann, der ehemaligen Vorsitzenden des Ausländerbeirats, war sie gut befreundet. Gemeinsam hatten sie sich auf Landesebene für die gesetzliche Absicherung eines Integrationsbeirats eingesetzt.
Die damals geknüpften Netzwerke pflegt Bonatz, inzwischen selbst Mutter einer Tochter, noch heute. Gut findet sie, dass der Integrationsbeirat landesrechtlich geregelt wurde, doch ihre Stelle ist noch immer eine freiwillige Leistung der Stadt. Hier wünscht sich Bonatz eine klarere Haltung des Lands. Mit dem Aufgabenprofil ihrer Stelle ist sie aber sehr zufrieden. Im landesweiten Vergleich sei sie auch sehr gut ausgestattet.
Stolz ist Bonatz auf die gute Sprachförderung für Vorschulkinder, die seit rund fünf Jahren von der Zoo-Schule in Zusammenarbeit mit den Kindertagesstätten in Landau angeboten wird. Für ein Jahr besuchen Kindergartenkinder mit ihren Erzieherinnen die Zoo-Schule und lernen nebenbei Deutsch. Die Anregungen führen die Erzieherinnen bei ihrer Sprachförderung fort. Dieses Projekt sei nur möglich, „weil der Rotary-Club die Kosten übernimmt, weil viele Studierende sich ehrenamtlich engagieren und weil Gudrun Hollstein, die wissenschaftliche Leiterin der Zooschule, für die Förderung der Kinder brennt“.
Übrigens nutzen nicht nur Flüchtlingskinder die Sprachförderung, auch viele deutsche Kinder profitieren von dem Angebot und Kinder von ausländischen Fachkräften, die gezielt von Unternehmen angeworben werden. „Deren Eltern sprechen oft gutes Deutsch. Aber die Kinder seien nicht auf ein Leben in Landau vorbereitet. An sie denken die Unternehmen zuletzt“, sagt Bonatz.
Über zwei Stunden erzählt Bonatz begeistert von ihrer Arbeit. Besonders wichtig ist es ihr, Menschen zu erreichen, bei denen das nicht leicht ist: vor allem ausländische Frauen, die zuhause leben, kein deutsch sprechen und keinen Kontakt zu ihren Nachbarn haben. Ein Erstkontakt könne nur mit viel Fingerspitzengefühl hergestellt werden. Hier arbeiteten die Akteure wie das Haus der Familie, das Café Vielfalt und das Stadtteilbüro Süd gut zusammen.
Eine Botschaft hat Bonatz noch zum Abschluss: „Ausländer sind unterschiedlich, Türken, Syrier oder Tamilen sind unterschiedlich, wir sind alle anders. Wir müssen den Menschen als Menschen sehen, jeder ist einzigartig.“
Zur Serie
Die RHEINPFALZ berichtet in losen Abständen über die Beauftragten der Stadt Landau.