Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Einst erste Adresse der Stadt – heute unbewohnbar: Traditionshaus geräumt

Über der Tür des Balkonzimmers prangte einst der Name „Hotel Brenner“. Im Erdgeschoss des Anbaus links ist ein Asia-Laden.
Über der Tür des Balkonzimmers prangte einst der Name »Hotel Brenner«. Im Erdgeschoss des Anbaus links ist ein Asia-Laden.

Die Stadtverwaltung Landau hat vor wenigen Tagen das ehemalige Hotel Brenner gegenüber dem Hauptbahnhofs räumen lassen. Die Wohnungen sind versiegelt.

Das Haus ist geschichtsträchtig. Im Hotel Brenner in der Landauer Maximilianstraße schräg gegenüber dem Busbahnhof ging einst die Prominenz ein und aus. Nun sind die Zimmer unbewohnbar. Die Stadtverwaltung Landau bestätigt auf RHEINPFALZ-Anfrage, dass das Haus geräumt werden musste.

Anscheinend waren nicht alle Räume belegt. Aber nach Informationen der Stadt sollen im ehemaligen Brenner 25 Personen gewohnt haben. Bei einer Überprüfung durch das Bauamt im Oktober 2025 hätten sich erhebliche Brandschutzmängel gezeigt. Deshalb sprach die Bauaufsicht für mehrere Wohneinheiten eine Nutzungsuntersagung aus, wie es auf Amtsdeutsch heißt. Der Asia-Laden im Erdgeschoss darf weiterhin genutzt werden.

Sicherheitsrisiko für die Bewohner

Bei den Wohneinheiten spricht die Verwaltung von einem ernstzunehmenden Sicherheitsrisiko für die Bewohnerinnen und Bewohner. Es geht hauptsächlich um die Rettungswege. Sie entsprechen nicht den geltenden Anforderungen. Der Vermieter, den die RHEINPFALZ nicht erreichen konnte, soll den Mietern außerordentlich gekündigt haben, nachdem die Stadt die Nutzung der Wohnungen verboten hatte. Zumindest sollen sich einige Mieter eine eigene Bleibe gesucht haben.

Als die Stadt das Gebäude räumen ließ, befanden sich noch zwei Personen und eine Familie im Haus, teilt die Verwaltung mit. Man sei sich der belastenden Situation für die Betroffenen bewusst. „Die Entscheidung dient jedoch dem Schutz der Menschen, die dort wohnen.“ Die Mieter hätten eine Frist erhalten, um sich Ersatzwohnungen zu suchen. Die Stadt unterstütze, wenn Hilfe erforderlich sei. So sei eine Person in der Obdachlosenunterkunft am Prießnitzweg untergebracht worden. Eine Familie sei in eine städtische Wohnung gezogen.

Der Müll im Hof zeugt von Schwierigkeiten der einstigen Bewohner mit der Entsorgung.
Der Müll im Hof zeugt von Schwierigkeiten der einstigen Bewohner mit der Entsorgung.

Wohnungen nach sechs Monaten wieder bewohnbar?

Auf Nachfrage unterstreicht die Stadtverwaltung, dass sie ein großes Interesse daran habe, jede Wohnung im Stadtgebiet zu erhalten. Sie könne jedoch nicht ohne Weiteres die Aufgaben privater Eigentümer übernehmen und notwendige Brandschutzmaßnahmen in privaten Gebäuden selbst umsetzen. Diese Verantwortung liege bei den Eigentümern.

Nach der Zweckentfremdungsverbotssatzung müssen die Wohnungen innerhalb von sechs Monaten wieder nutzbar gemacht werden. Sollten sie länger leer stehen oder das Gebäude grundlegend saniert oder umgenutzt werden, ist dafür eine gesonderte Genehmigung erforderlich. Welche Pläne der Hauseigentümer verfolgt, ist nicht bekannt.

Kohl und Kulenkampff – viele Berühmtheiten zu Gast

Das Haus hat seine glorreichen Zeiten lange hinter sich. „Brenner – ein Name von Klang in der Welt des Beherbergens und Bewirtens“, schrieb der damalige RHEINPFALZ-Lokalchef Herbert Dähling im September 2007 aus Anlass des 75. Geburtstages von Bernhard Brenner. Dieser gab dem Haus seinen Namen, als er es 1960 zusammen mit seiner Frau Gerda erwarb. Das Gebäude wurde 1905 als Hotel „Zum weißen Rössel” gebaut und von Brenner 1967 durch einen neuzeitlichen Anbau um 20 Betten auf die doppelte Kapazität erweitert. Vor Brenner hatten unter anderem Johannes Spies und später Angehörige der Familien Guth und Hünerbein das Haus bewirtschaftet.

Künstler, Sportler und Politiker von Rang gehörten zu Brenners Gästen. Helmut Kohl und Sepp Herberger waren darunter. Schauspieler wie Willy Millowitsch, Käthe Gold, Michael Heltau oder Maria Wimmer und Hans-Joachim Kulenkampff stiegen im Brenner ab, um in der Festhalle Gastspiele zu geben. Auch Sportgrößen wie Ulrike Meyfarth, Erhard Keller oder Hans Stanggassinger fehlten nicht.

Glanzvolle Zeiten in den 60er-Jahren

Wie Herbert Dähling schrieb, hat Brenner „den Landauern mit seinem Haus einen Hort lieb gewordener Gemütlichkeit und fürsorglicher Gastlichkeit aus den Tagen herübergerettet, in denen das gutbürgerliche Miteinander noch etwas gegolten hat, und das rührt mit daher, dass er selbst sich in dieser heimatlichen Welt engagiert hat“.

Das Hotel schloss im Oktober 2013 nach mehr als 100 Jahren seines Bestehens. Kurz danach gab der neue Eigentümer Umbauarbeiten für sechs Wohnungen in Auftrag. Bernhard Brenner starb 2016 im Alter von 83 Jahren.

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