Landau Einst ein „Haus der Sorgen“
60 Jahre sind es heute auf den Tag genau her, dass das neue Städtische Krankenhaus Landau eröffnet wurde, ein „Haus der Kranken, Haus der Sorgen“, wie es der damalige Oberbürgermeister Alois Kraemer bezeichnete.
Warum diese Formulierung? Kraemer begründete sie in seinem Grußwort so: „Eine Stadt mit 28.000 Einwohnern baut ein Krankenhaus mit Schwesternheim für acht Millionen Mark. Ist diese Stadt so reich, dass sie Geld so leicht ausgeben kann oder hat sie plötzlich den Größenwahn bekommen, vor Städten vergleichbarer Größe aufzutrumpfen?“ Nein, das war nicht der Beweggrund für die Stadtverwaltung, sich ein so kostenintensives und kostenträchtiges Objekt anzuhängen. Es war nur einer der vielen Schritte, wenn auch ein energischer, den die Stadt seit Jahrhunderten für ihre kranken Bürger unternommen hatte. Schon zur Zeit der ersten Erwähnung der Stadt am Ende des 13. Jahrhunderts ist auch von einem Spital die Rede. Neben diesem Haus zur Krankenversorgung gab es im Mittelalter auch die sogenannte „Elende Herberge“ und das „Gutleuthaus“, auf das heute noch ein Straßennamen hinweist. Nicht zu vergessen ist freilich auch das Haus der Beginen, das bis zur Reformation in der heutigen Burghofgasse stand. Von allen vier Institutionen war das Bürgerhospital die bedeutendste. Den Namen trug das Haus zurecht, denn es war nicht nur eine städtische Einrichtung, sondern hatte seine wichtigste finanzielle Grundlage in vielen Einzelstiftungen Landauer Bürger an Geld oder Grundstücken. Die Stiftung gibt es übrigens heute noch in veränderter Form. Wo das Spital genau stand, wissen wir nicht. Vermutlich immer in der Königstraße, wo heute noch der Türsturz aus dem Jahre 1860 an das „Bürger-Hospital“ erinnert. Mit der demografischen Entwicklung Landaus nach dem Fall der Festungsmauern am Ende des vergangenen Jahrhunderts konnte das Bürgerspital nur mühsam Schritt halten. In seiner Sitzung vom 7. November 1859 stellte der Stadtrat die Notwendigkeit eines Neubaus des Hauptgebäudes fest. Außer anderen Gründen, worunter Mangel an Licht, an Luft und an Raum für die Bevölkerung, macht hauptsächlich die Baufälligkeit des Gebäudes den Abriss erforderlich. Auch die dann im folgenden Jahr errichtete Krankenanstalt genügte schon bald nicht mehr den Ansprüchen, und um 1900 gab es erneut Überlegungen zu einem Neubau. Der Erste Weltkrieg verhinderte die Realisierung. Die Stadt musste sich mit einer im Jahre 1920 vorgenommenen großen Renovierung begnügen. 1939 nahm man den zweiten Anlauf zu einem Neubau. Auf dem freien Gelände zwischen Weißquartierstraße, Nordring und Ostring wuchsen schon die Baugerüste, doch der Kriegsausbruch machte auch diesen schon so weit gediehenen Plan zunichte. Mit einer fast bewundernswerten Sturheit verfolgte die Stadtverwaltung die Idee weiter und teilte der Regierung mit, es sei ihr fester Wille, nach Beendigung des Krieges als erstes Projekt den Krankenhausbau anzugehen. Im September 1955 wurde der Grundstein gelegt, am 31. Juli 1956 konnte das Richtfest gefeiert werden., am 8. Mai 1958 ging das Haus in Betrieb.