Landau
Einsatz von Elektropistolen von Landauer Polizei bewährt sich
In der amerikanischen Filmindustrie hat ein Distanz-Elektro-Impuls-Gerät (Deig) – dort in der Regel unter dem Namen des führenden Herstellers „Taser“ bekannt – meist eine klare Rolle: Jemand wird unter Strom gesetzt, die Zuschauer lachen. Den „Spaß“ gibt es nun seit rund einem Jahr auch in der Polizeidirektion in Landau. Wer aber in der realen Welt einen hellen Lichtstrahl und zwei kleine rote Lichtpunkte auf sich gerichtet sieht, der sollte es nicht drauf ankommen lassen. So standhaft wie der von Schauspieler Zach Galifianakis porträtierte Allen aus dem Film Hangover sind nämlich wohl nur die wenigsten – wenn es überhaupt jemand ist.
Die zwölf Geräte, die aktuell in der Polizeiinspektion Landau eingesetzt werden, sind alles andere als ein kleiner Spaß. Die Elektro-Pistole schickt einen fünf Sekunden dauernden Stromstoß, der zwischen 25.000 und 50.000 Volt hat. Eine Darstellung wie im Film Thor, wo das Deig sogar einen Gott zur Strecke bringt, entspricht daher schon eher der Realität. Die aufgeladenen Drähte haben eine Reichweite von knapp acht Metern. Allein der Anblick der Waffe scheint die Mehrzahl der Personen, auf die ein Taser gerichtet wurde, schon abzuschrecken. „Im Jahr 2020 wurde das Deig in der Polizeidirektion Landau insgesamt 28-mal eingesetzt oder angedroht. In 13 Fällen kam es zur direkten Anwendung gegen Personen, in 15 Fällen blieb es bei der Androhung“, sagt Ghislaine Werst von der Pressestelle des Polizeipräsidiums Rheinpfalz.
Weitere Schockpistolen sollen kommen
Die Landauer Polizeidirektion scheint durchaus froh darüber zu sein, die Schockpistolen benutzen zu dürfen. Auch wenn eine klare Aussage über den Rückgang von Gewalt gegen Polizeibeamte durch das „Führungs- und Einsatzmittel Deig“ schwierig sei, so könne dennoch von einem präventiven Effekt gesprochen werden, sagt Werst. „Das Phänomen Gewalt gegen Polizeibeamte hat vielschichtige Ursachen und Ausprägungen. Allerdings kann statistisch belegt werden, dass in über drei Viertel der Fälle eine Androhung des Deig ausreichte, um die Lage zu bereinigen. Ohne den Einsatz des Deig wären in diesen Fällen Gewaltdelikte gegen Polizeibeamte sehr wahrscheinlich gewesen.“
Landesweit sollen 235 weitere Geräte für den Wechselschichtdienst der Polizei kommen. Im Laufe des Jahres sollen in Rheinland-Pfalz rund 400 Streifenwagen über einen Taser verfügen. Eingesetzt werden darf dieser nur von beschultem Personal. Die Anwender werden über zwei Tage in Sachen Taktik, Technik und Recht ausgebildet und müssen sich einmal jährlich fortbilden. „In einem praktischen Teil erfolgen zudem die Vermittlung von Erste-Hilfe-Maßnahmen sowie das Absolvieren von Trainingssequenzen mit dem Deig“, sagt Werst.
Deig soll Verletzungen verhindern
Kann ein Taser bei Benutzung also kurzweilige oder langfristige Schäden verursachen? „Das größte Risiko ist darin zu sehen, dass sich der Störer beim Sturz verletzt“, sagt Werst. Direkte Schäden durch den Stromstoß sind wohl eher selten. Im Gegenteil: Der Elektroschock soll sogar Verletzungen verhindern, sowohl bei den angegriffenen Polizisten als auch bei den Angreifern, gegen die sie sich ansonsten körperlich oder sogar mit der Pistole wehren müssten.