Landau Ein Turm als Gelenk im Stadtbild

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Die beiden Grundstücke liegen am Ende der Paul-von-Denis-Straße – von der Rheinstraße an der Queichheimer Brücke in Richtung Wohnpark, vorbei an der Voodoo-Brandruine, der Baustelle für die neue Polizeidirektion und dem ehemaligen Sitz des Mineralölhändlers Frühmesser. Dort, auf der 8000 Quadratmeter großen Fläche vor der markanten Fußgängerbrücke über die Bahngleise, soll das neue Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) Südpfalz entstehen. Orthopädie, Neurochirurgie, Rehabilitation und Rheumatologie sind die Fachgebiete der Ärzte, die an dieser Stelle ihre Praxis eröffnen wollen. Geplant sind drei Gebäude in unterschiedlichen Höhen – drei, vier und sieben Geschosse. Ein Komplex, 180 Meter lang und 40 Meter breit. Neben den Praxen sind eine Apotheke, ein Sanitätshaus, gewerbliche Büros, ein Café, Gastronomie und eine Tiefgarage mit 182 Parkplätzen vorgesehen. „Die Gestaltung des MVZ interpretiert die historischen Kasernenbauten in der Cornichonstraße und nimmt Gliederung, Höhenstaffelung und Materialität der unter Denkmalschutz stehenden Gebäude auf“, formuliert das städtische Bauamt unter Leitung von Christoph Kamplade. Der Bauausschuss hat der Bauvoranfrage des MVZ einmütig zugestimmt. Wie berichtet, hatten der Landauer Orthopäde Alexander Schopp und seine Partner im Juni 2017 das Rennen um das beste Konzept gewonnen. Die Orthopädie-Praxis in der Waffenstraße in Landau, gleichzeitig MVZ, platzt seit geraumer Zeit aus allen Nähten. Vier Ärzte kümmern sich dort um Patienten. Weitere Standorte hat das MVZ in Herxheim und in Edenkoben. Für Alexander Schopp ist die Planung fast schon zum Zweitjob geworden. „Es macht Spaß, weil man sieht, was daraus wird, wenn man die richtigen Leute an Bord holt“, sagt er im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Seit dem Zuschlag des Hauptausschusses im Sommer 2017 hat sich vieles am Konzept verändert. Schopp bekennt: „Das Projekt ist eine ganze Nummer größer geworden.“ Es bleibt also nicht bei täglich 500 Patienten, die von 80 Mitarbeitern betreut werden, sondern geht um deutlich andere Dimensionen. Mehr kann Schopp dazu noch nicht sagen. „Wir sind in der Phase der Vorplanung.“ Eines jedenfalls kann er bestätigen: Aller Wahrscheinlichkeit nach wird das Herxheimer Reha-Zentrum im MVZ Südpfalz vertreten sein. Die Einrichtung ist am Stammsitz in Herxheim in den vergangenen Jahren rasant gewachsen und stößt laut Geschäftsführer Johannes Eisinger schon wieder an Grenzen. Landau brauche dieses Angebot dringend, betont Schopp. Die Nachfrage sei groß. Physiotherapeuten kämen oft gar nicht mehr nach, die verschriebenen Behandlungen in sinnvoller Zeitfolge zu leisten. Im Erdgeschoss der Anlage sollen eine Apotheke und ein Sanitätshaus einziehen – naheliegend in einem Gesundheitszentrum, das sich vornehmlich des Bewegungsapparats annimmt. Sanitätsbedarf fällt zwar laut Bauamt nach dem Einzelhandelskonzept unter zentrenrelevante Sortimente, darf also nur in der Stadt angeboten werden. Allerdings sei der Laden als Niederlassung eines bestehenden Geschäfts zulässig. Zudem sollen in der Paul-von-Denis-Straße überwiegend Prothesen gefertigt und sperrige Artikel wie Rollstühle, Pflegebetten, Patientenlifte angeboten werden, die in der City in der Regel nicht über den Ladentisch gehen. Auf neun Etagen sieht das MVZ Praxen vor. Das mittlere der drei Gebäude soll ein öffentliches Café mit Außenbestuhlung beherbergen. Gehobene Gastronomie thront über allem, nämlich im siebten Stock des dritten Gebäudes, dem 26,5 Meter hohen Turm. Er nimmt die Höhe des Vinzentius-Krankenhauses auf, das in Sichtweite 900 Meter weiter am Ende der Cornichonstraße liegt. Die Stadtverwaltung spricht euphorisch von einem Solitär, der – positioniert im Schnittpunkt der Sichtachsen von Paul-von-Denis-Straße und Siebenpfeiffer-Allee – einen städtebaulichen Höhepunkt schafft und zum Einfahrtstor zum Wohnpark Am Ebenberg wird. Als „städtebauliches Gelenk“ durch seine Höhe und die vorspringende Fassade habe der Turm eine besondere Funktion. Auch Alexander Schopp ist sicher: „Das Ganze wird nicht nur für Landau was Großes, es wird auch architektonisch sehenswert.“ Das grüne Licht für die Bauvoranfrage gibt den Planern Sicherheit. Nun geht es an die Details. Dazu zählt auch die Kostenaufstellung. „Parallel zur Planung wird die Projektentwicklung forciert“, erläutert Architekt Jürgen Sebastian von der Werkgemeinschaft im Gespräch. Ankerinvestor ist Alexander Schopp. Interesse hat wohl auch die Sparkasse Südliche Weinstraße. Die Baufeld 18 GmbH von Andreas Zickler und den Architekten Peter und Jürgen Sebastian ist als Projektsteuerer mit im Boot, das Architekturbüro Werkgemeinschaft als Planer. Der Bauausschuss war mit einigen Befreiungen von den Festsetzungen im Bebauungsplan einverstanden. Dabei geht es hauptsächlich um Abweichungen von Baulinien und Baugrenzen sowie Gebäudehöhen. Umgedacht hat die Stadtverwaltung bezüglich des geplanten Kreisels an der Cornichonstraße/Paul-von-Denis-Straße. Das MVZ soll nun über eine normale Kreuzung angebunden werden.

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