Landau Ein Kind der 5er-Kaserne

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Wolfgang Goetz kam am 2. Juni 1935 in Landau bei einer Hausgeburt zur Welt. Das war seinerzeit nichts Ungewöhnliches, Goetz vermutet aber, dass er der Einzige ist, der in der ehemaligen 5er-Kaserne geboren wurde, die später zur französischen Kaserne Estienne & Foch wurde. Sein Vater und sein Onkel waren Teilhaber einer Schuhfabrik, die in Null 41 war, dem Gebäude, in dem sich jetzt die Vinothek „Par Terre“ befindet. J. Niederhöfer & Co. hieß die Schuhfabrik, die Haus- und Turnschuhe herstellte. Goetz, der sich für Familien- und Heimatgeschichte interessiert, hat herausgefunden, dass sie in Edenkoben gegründet wurde. Wann das war, weiß Goetz, der seit vielen Jahren in Rhodt lebt, nicht. Er weiß jedoch, dass der Betrieb 1924 nach Landau umzog. Auf dem damals weitgehend leerstehenden Militärgelände hatte die Firma J. Niederhöfer & Co. ein Gebäude an der Bahnlinie angemietet. Teilhaber der Schuhfabrik waren Ernst Goetz, der Vater von Wolfgang Goetz, und Fritz Meyer, der mit der Schwester seiner Mutter verheiratet war. Vater und Onkel seien nicht nur Teilhaber der Schuhfabrik gewesen, sondern hätten dort auch selbst gearbeitet, berichtet Wolfgang Goetz. In den Unterlagen seiner Eltern hat er eine Preisliste der Firma J. Niederhöfer & Co. gefunden, die ab 5. Mai 1931 gültig war. Darauf sind mehrere Hausschuh-Modelle aufgeführt. Sie unterscheiden sich in Form und Aussehen kaum von heutigen Hausschuhen. Die „Pantoffeln, Umschlagschuhe und Schnallenstiefel“ waren aus Kamelhaar. Bei einigen Modellen waren manche Teile aus Filz und einige hatten eine Ledersohle. Gerade mal 85 Pfennige hat das günstigste Modell in der Größe 20/24 gekostet, sechs Reichsmark und 20 Pfennige waren für das teuerste Modell in der Größe 43/46 fällig. Wolfgang Goetz weiß aus Erzählungen seiner Eltern, dass diese gemeinsam mit der Familie von Fritz Meyer ein Haus auf dem ehemaligen Militärgelände gemietet hatten und dort wohnten. Es war nicht weit von der Schuhfabrik entfernt, ebenfalls in der Nähe der Bahnlinie, an der Ecke der damaligen Von der Tann-Straße. „5er-Kaserne Eingang von der Tannstraße“ stand im Einwohnerverzeichnis der Stadt Landau als Adresse von Ernst Goetz, wie Wolfgang Goetz im Stadtarchiv recherchiert hat. In diesem Haus wurde Wolfgang Goetz geboren. Aus Erzählungen seiner Eltern weiß Goetz, dass sonst niemand auf dem Gelände gewohnt hat. Ab 1936 wurden die Gebäude auf dem Gelände wieder für militärische Zwecke genutzt, erst von der Wehrmacht, dann von der französischen Armee, und den zivilen Mietern gekündigt. Die Schuhfabrik war bereits zuvor geschlossen worden. 1936 zog die Familie Goetz in die Hainbachstraße. Das Geburtshaus von Wolfgang Goetz sei im Zweiten Weltkrieg zerstört worden, erzählt er. Doch ein länglicher Anbau sei nach wie vor erhalten. (ann)

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