Landau Ein Gläschen Leidenschaft

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Im modern eingerichteten Wohnzimmer stößt der Besucher auf weiteren Whisky. Im Schrank stehen einige Exemplare. Darunter der Lieblingswhisky seiner Frau Rebecca und ganz oben, zentral platziert, eine Flasche Motörhead-Whisky. Sofort beginnt Bockhoff zu erzählen. Schnell wird klar: Der Maikammerer ist kein wandelndes Lexikon, denn er reiht nicht einfach nur Fakten aneinander. Er ist ein talentierter Geschichtenerzähler, der es schafft, sein umfassendes Wissen unterhaltsam und interessant zu präsentieren. Dieses Talent ist ihm auch beruflich hilfreich gewesen. Und ist es immer noch. Denn Whisky-Ambassador ist er nur im Nebenerwerb, eigentlich ist Bockhoff Lehrer für Sport und Philosophie an der Berufsschule Edenkoben. Vorher war der Sportlehrer viele Jahre als Pharma-Referent beschäftigt. In dieser Zeit hat er begonnen, das Destillat aus Getreidemaische schätzen zu lernen. „Damals“, erinnert er sich, „war es für Pharmareferenten üblich, den Ärzten guten Scotch oder Single Malt zum Geburtstag zu schenken.“ Unter der fachkundigen Anleitung eines Mediziners, der ihn auf ein Gläschen eingeladen hat, entdeckte er die Liebe zum Getränk. Diese Liebe gibt er weiter an andere Whisky-Interessierte. Ein- bis zweimal im Monat bietet Bockhoff Whisky-Tastings an. Diese Verkostungen sind ähnlich wie Weinproben. Fast immer unter einem anderen Motto. „Lost Distilleries“ erlebt seine zweite Auflage, dort werden die Erzeugnisse geschlossener Destillerien ausgeschenkt. Andere Mottos lauten „Taiwan, Japan und Indien“ oder „Whiskys aus Sherry-Fässern“. Die Tastings sind gefragt: Er hat bereits Reservierungen für Oktober auf seinem Anrufbeantworter. Seit einigen Jahren beobachtet Bockhoff das gestiegene Interesse am „König der Spirituosen“. Seiner Einschätzung nach ist der Hype die Folge einer Sherry-Welle vor einiger Zeit. Die alten Fässer, in denen der verstärkte spanische Weißwein reifte, wurden von Destillerien gekauft und benutzt. Das habe ihm einen milderen Geschmack verliehen. „Wobei es beim Whisky eine Geschmacksvielfalt gibt wie nirgends sonst.“ Man finde alle Aromen, von Schokolade über Birne bis zu sehr, sehr trocken. Früher seien die Genießer meist ältere Herren gewesen, heute jedoch seien die meisten Whisky-Freaks, wie Bockhoff sich selbst und die anderen nennt, Mitte 30. „Früher war ich einer der Jüngeren, jetzt einer der Älteren“, kommentiert er ironisch. Auf Messen gebe es zwei- bis dreihundert Leute, die sich intensiv mit dem Getränk beschäftigten. „Das ist wie eine große Familie“, erklärt der 59-Jährige. „Jeder weiß immer, was wo passiert oder welcher Whisky von wem entwickelt wird.“ Ein weiterer Unterschied zu früher sei: Die Brenner hätten sich damals in den Destillerien nach oben gearbeitet und ihre Erfahrung genutzt. Heute würden meist Lebensmittelchemiker und -techniker eingesetzt, die ein ganz anderes Know-how einbrächten. Bockhoff findet das aber nicht unbedingt schlecht. Wenn man jemanden, der heutzutage auf Whisky stoße, ein Erzeugnis aus den 70er-Jahren vorsetze, wäre der wohl sehr überrascht. „Das ist ein ganz anderer Geschmack.“ Herber und härter. Nicht so süffig wie heute. Der Trend führt zu höheren Preisen. Ein altes Sherry-Fass habe vor einem Jahrzehnt noch rund 400 Euro gekostet, nun werde es für 2500 Euro gehandelt. „Gute, intensiv schmeckende Whiskys beginnen bei 70 bis 100 Euro“, sagt Bockhoff. Sie mit Cola zu mischen, empfindet der Kenner als kein Problem. „Ein Winzer sagt ja auch: Aus einem guten Wein wird ein guter Schorle.“ INFO Wer ein Whisky-Tasting buchen oder sich bei Peter Bockhoff mit gutem Whisky eindecken möchte, erhält alle notwendigen Informationen im Internet unter www.my-whisky-sky.de/.

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